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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 690

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 690 (sequence 28)
Language
German
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690 Judentum ebenso etwas Heiliges und Hohes -wie allen anderen/die sich zu ihm bekennen, die uns aber vorwerfen, wir seien nur dem Namen nach Juden. Uns ist unser Judentum Sache des Herzens und Sache der Ueberzeugung. Und weil dem so ist, denken wir nicht im entferntesten daran, jemals das Judentum aufzugeben. Wenn man uns Assiuülanten nennt, so trifft das nur insoweit zu, als wir uns in solchen Dingen an die Umgebung angleichen wollen, die mit dem Jüdischen nichts zu tun haben (unsere Gegner drehen natürlich die Sache stets um). Unser Kampf für das Judentum würde sinnlos sein, wenn wir nicht auch nach seiner Erhaltung streben würden. Wir lehren unsere Jugend die Werte des Judentums, damit sie es in seiner ganzen Größe erkennt. Wer aber das Judentum erkannt hat, der wird nie und nimmer es als etwas Vergängliches ansehen können. Wir begeistern unsere Jugend, damit sie jüdische Arbeit leistet. Die Arbeit der Jugend sichert unsere Zukunft. Wer aber, der es ehrlich meint, könnte heute noch zweifeln, daß deutsche Arbeit und jüdische Arbeit sehr wohl nebeneinander und beide mit gleicher Liebe geleistet werden können. Haben wir so gezeigt, wie man uns aus nichtjüdischer Seite falsch einschätzt, so möge in diesem Zusammenhang auch ein Beispiel dafür angeführt werden, mit welchen Mitteln man sich von gewisser jüdischer Seite bestrebt, der Oeffentlichkeit ein verzerrtes Bild unserer Bestrebungen fi geben. Die konservativ-zionistische „Jüdische reffe" bringt da vor wenigen Wochen einen Leitartikel, in dem sie ihrer Freude darüber Ausdruck verleiht, daß die jüdische Jugend heute stärker als je die Verpflichtung und den Willen in sich fühle, ein Judentum zu schaffen, das mit neuem lebendigem Inhalt erfüllt sei. Leider aber habe der Krieg, so wird weiter ausgeführt, nicht in der gesamten Mischen Jugend „die gleichen Empfindungen erweckt, sie also über Nacht zu stolzen, ihrer Eigenart sich bewußten Juden verwandelt, vielmehr höre man leider aus anderen Lagern manche recht unerfreuliche Stimmen." DaS andere Lager der jüdischen Jugend bildet natürlich der K.C. Wie man nun. diese unerfreulichen Stimmen herauskonstruiert, das ist höchst bezeichnend. Zwei Stellen auS in den K. C.-Blättern veröffentlichten Feldpostbriefen werden zitiert, aber derartig aus dem Zusammenhang gerissen, daß der wirkliche Sinn der Briefe völlig entstellt werden mutz. Einmal hält man sich darüber aus, daß „ein jüdischer Akademiker, Angehöriger einer jüdischen Verbindung, die Juden in Libau bedauert, weil sie von der sympathischen deutschen Bevölkerung durch ihre eigenen völkischen Anschauungen und Ghetto-Manieren geschieden seien." Dabei ist es dem Verfasser des Briefes (Professor Theodor Cohn, Frib., 6. Kriegsausgabe der K.C.- Blätter, S. 400) nicht im entferntesten eingefallen, die Juden in Libau auS dem eben geschilderten Grunde zu bedauern. Er stellt lediglich als Deutscher die Tatsache der Verschiedenheit fest. — Der weitere Beweis dafür, daß der K. C. — es kann keinem Zweifel unterliegen, daß gegen unseren Verband in seiner Gesamtheit der Angriff gerichtet ist — durch den Krieg nichts gelernt habe, ist der „Jüdischen Presse", die an „eine jüdische Weihnachtsbaumstimmung erinnernde Schilderung des Bundesbruders, der sich dazu berufen fühlte, am Grabe seines Freunds seinen christlichen Kameraden das Vaterunser vorzusprechen." Man lese nun dazu die ganze Stelle im Briese unseres nunmehr dahingegangenen Fritz Mayer, dessen Andenken eS entwürdigen hieße, wollten wir den geringsten Zweifel an seiner treu jüdisch-religiösen Gesinnung hegen: „Am Abend haben wir ihn dicht hinter unserer Stellung begrabm und haben auf seine Ruhestätte ein schlichtes Kreuz gesetzt. Ich selbst hatte es zuvor aus rohen Zweigen zusammengebunden und bot nun vor dem Kreuze in oer Weise unserer jüdischen Religion dem toten Freunde sttll die letzten Wünsche, während ringS um uns Granaten dm Boden aufwühlten. Wie ich mich dann aber bereits zum Gehen wenden wollte, da fühlte ich aus dm Blickm der Kameraden, die mit mir waren, daß sie etwas vermißtm. Da sprach ich ihnen noch im Heulen der Geschosse das Vaterunser vor, und sie beteten voll neuer frommer Zuversicht mtt mir, indeß mir ihre Augm dankten. Ueber uns aber flammte ein wunderbares Abmdrot wie das sanfte Lächeln einer güttgen Frau! Weißt Du nun, warum auch ich jetzt über die Bosheiten unserer Gegner lächeln kann?" (5. Kriegsausgabe der K. C.-Blätter. Seite 402.) — In einem folgenden Artikel stellt die „Jüdische Presse" die Schandtaten des „Hammer" an den Pranger, der sich nicht entblödet, trotz deS Burgfriedens in gemeinster Art Verleumdung über Verleumdung auf uns Juden zu häufen. Wenn der Verfasser des Aufsatzes „Die jüdische Jugend im Kriege" aber durch auS dem Zusammenhang gerissene Zitate einen Teil der jüdischen Jugend in gröblichster Weise beschimpft, dann verdient auch sein Verhalten an den Pranger gestellt zu werden. Wir sehen zwar nicht das Heil des jüdischen Volkes in der Verwirklichung des nationalen Ideals, wie der Wortführer der „Jüdischen Presse" es tut, wir würden uns aber niemals einer solchen KampfeSweise bedienen. Dazu sind wir zu gute Juden, und wir kennen als solche zu genau den obersten Grundsatz unserer Religion, der da heißt: „Gerechtigkeit!" Nach langer Zeit besuchte ich vor 2 Tagen wieder einmal unsere alte traute Bavarenkneipe in Heidelberg. Und die wunderbaren Stunden, die wir hier verbracht, zogen an mir vorüber. Ich sah sie alle, alle wieder, die mit mir hier das dreifarbige Band und die bunte Mütze ge-

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