KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 12 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 689 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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zu ohnmächtig fühlt, um allein ein bestimmtes Ziel zu erreichen, dann sucht er nach Gesinnungsgenossen, in der Hoffnung, daß er mit ihnen gemeinsam bequemer vorwärtskommt. Meistens wird aber auch diese Mehrheit nicht viel ausrichten. Es fehlt ihr der Eigenwille. Anders aber, wenn der einzelne schon in sich selbst erstarkt ist und nun zur Vermehrung seiner Kraft sich mit anderen gleich starken Elementen zusammentut. Hier schafft die Stärke des einzelnen die potenzierte Kraft der Gesamtheit. So bildete die entwickelte Idee der Einzelglieder die Idee des K. C. Je höher die Ziele, je größer die Kraft! Höhere Ziele, als die, die derK.C. sich gesteckt hat, kann ich mir nicht denken. Erkennen wir all unsere Ziele in ihrer ganzen Bedeutung, dann müffen unsere Kräfte gewaÜig und unversiegbar werden. Pflege des Deutschtums, Pflege des Judentums — beides getrennt, und doch wiederum beides gemeinsam —, das wollen wir. Ich bin mir gewiß, daß ich mir von mancher Seite einen Borwurf zuziehe, wenn ich behaupte, daß das erste das einfachere ist. Es ist das bestimmtere. Wir haben uns immer als Deutsche gefühlt, heute haben wir auch als Deutsche gehandeltmehr braucht hier nicht gesagt zu werden. Wir selbst wissen es, und alle, die nur eine Spur von Gerechtigkeit walten lassen wollen, müffen es anerkennen. Die anderen aber, die die Taten nicht eines befferen haben belehren können, werden sich gewiß nicht durch Worte überzeugen lassen. Warum ist nun wohl die Pflege des Jüdischen schwieriger als die Pflege des Deutschell? Ist nicht auch unsere Zugehörigkeit zum Judentum etwas Natürliches und Selbstverständliches? Ganz gewiß! Das Schwierige aber liegt in dem Erkennen des Wesens des Judentums. Um wenige Probleme dürste heute der Streit hitziger toben als um das jüdische. Welche Anschauung wir vertreten, sollte hinlänglich bekannt sein, zumal sie auch gerade während der Kriegszeit wiederholt in diesen Blättern betont worden ist. Wir würden es auch garnicht für nötig befunden haben, heute noch einmal auf unsere Stellung zum Judentum einzugehen, wenn wir uns nicht überzeugt hätten, daß zahlreiche jüdische und nichtjüdische Schriftsteller bewußt oder unbewußt falsche Darstellungen verbreiten. Hier muß Klarheit geschaffen werden, und unser Erinnerungstag dürste dazu besonders geeignet sein. Bor einigen Monaten ist in der „Zukunft" ein Aufsatz von Oskar Schmitz über die „Judenstage" erschienen, der in einem Teil unserer Presse großen Anklang gefunden hat. Es ist ja heute keine Seltenheit mehr, daß Nichtjuden die „Judenfrage" — was das übrigens ist, weiß so recht kein Mensch — zu lösen versuchen. Sie zeichnen sich mit wenigen Ausnahmen dadurch aus, daß sie von dem Wesen des Judentums herzlich /wenig verstehen. Oskar Schmitz mag vielleicht etwas tiefer in das Leben des deutschen Judentums hineingeschaut haben, restlos hat er es aber doch nicht erkannt. Er unterscheidet in Deutschland vier Arten von Inden, die durchaus verschieden gewürdigt sein müßten: die rechtgläubigen, die Zionisten, die getauften und die übrigen. Die Orthodoxie wird mit vier Sätzen abgetan. Der Zionismus erntet, da „seine Anhänger kraft ihrer stolzen Selbstbestimmung an Charakter wie an Geist eine Auslese" darstellen sollen, reiches Lob (was anderseits dem Verfasser die liebevolle Beachtung des Zionismus einträgt). Eine neue Sorte der Juden sind die getauften. Inwieweit sie noch zum Judentum gerechnet werden können, ist mir unklar und bleibt mir insbesondere auch unverständlich, wenn Schmitz schließlich die Taufe als die Lösung der Judensrage anrät. Es bleiben die „übrigen", die „anderen", die nach Schmitz nicht mehr recht wiffen, weshalb sie Juden bleiben, sich aber aus naheliegenden Gründen doch nicht taufen lassen wollen. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir zu den „anderen" auch uns und unsere Gesinnungsgenyffen rechnen. So wie hier von Oskar Schmitz, so werden wir nun von gar manchen Juden und Nichtjuden bewertet. Wir sind eben die „anderen", die nicht wiffen, was sie mit ihrem Judentum anfaugen sollen und die doch keinen Ausweg aus diesem Dilemna finden. Daran, daß sich diese Auffassung breit machen konnte, sind wir vielleicht nicht ganz unschuldig. Wir haben von unserem Judentum nicht so viel Aufhebens gemacht wie andere Gruppen. UnS war unser Verhältnis zum Judentum etwas so Natürliches, daß wir keiner Worte bedurften, um uns vor uns selbst zu rechtfertigen. Ob-es allerdings dann noch richtig war, in unserer an sich selbstverständlichen Ruhe zu verharren, als der Ruf um das Judentum und nach dem Judentum immer lauter erscholl,- das erscheint staglich. Wären wir stüher nachdrücklichst für unsere Ueberzeugung eingetreten, so wäre manche falsche Vorstellung, die man sich heute über unS macht, sicherlich nicht aufgekommen. Vielleicht hätte man dann auch nicht gewagt,unS als die„cmderen" mit einer Handbewegung abzutun. An der Sache selbst ändert das aber nichts. Nur sei es unS eine Lehre. Und am Gedenktage der Gründung des Verbandes, der sich zum Kampfe für das Judentum geblldet hat, sei es mit aller Schärfe und aller Klarheit ausgesprochen: Wir sind Juden und bleiben Juden. Uns ist das