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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 677

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 677 (sequence 15)
Language
German
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677 dem Schnellfeuer auf das Kampffeld, sogar 38-Zentimeter-Geschütze schleiften die Engländer heran, und eine Verständigung, auch mit dem Nebenmann, war nur durch Zeichen möglich. Bon der Erbitterung der Nahkämpfe zeugt der Umstand, daß man die Toten gewaltsam voneinander lösen mußte, so hatten sich die Gegner ineinander verbissen. Wir kämpften mit Messern, die Engländer, was sehr bezeichnend fär ihre „humane" Kampfesweise ist, mtt Totschlägern und Tomahawks. Es ist übrigens auch sehr interessant, daß die englischen Truppen aus lauter jungen 18—30jährigen Rekruten bestanden, die erst Anfang Mai aufs Festland gekommen waren. Sie erzählten, dadurch zur Rekrutierung gezwungen worden zu sein, daß die englische Regierung ihre Fabrikherren veranlatzte, sie zu entlasten und dadurch brotlos zu machen. Jetzt haben wir, nachdem wir 10 Tage ohne Ablösung im Schützengraben verbleiben mußten, 4 Tage Ruhe, d. h., wenn uns der Gegner keinen Strich durch die Rechnung macht. Empfiehl mich bitte Deiner werten Frau Gemahlin, die ich bei bester Gesundheit hoffe, und empfange selbst herzl. Gruß von Deinem tr. Fritz Mayer. 6.11.1915. Mein lieber Weißmann! Du hast zwar ganz recht, wenn Du über mein zu häufiges Schreiben schimpfst, aber ganz so schlimm, wie Du denkst, bin ich doch wohl nicht. Zum Beweis für diese Dir jedenfalls etwas kühn erscheinende Behauptung möchte ich die Tatsache anführen, daß vor 3 Tagen ein Brief Alexanders eintraf, in dem derselbe mir auf meine Bitte hin Deine Ädreste mitteilte. Denn beim Lesen Eurer letzten fröhlichen Glückwunschablösung hatte ich plötzlich den brennenden Wunsch empfunden, Dir wieder mal eine Epistel zu senden und in derselben gewaltig zu schimpfen. Und da es wohl das beste ist, man schimpft sich den Aerger gleich vom Halse herunter, so will ich gleich beginnen. Brauchst aber keine Angst zu haben, es gilt nicht Dir, aber vielleicht kannst Du Abhilfe schaffen. Vielleicht hast Du in meinem letzten Artikel so ein klein wenig von dem Heimweh empfunden, das wir heraußen in all dem Schmutz und Dreck in uns tragen nach dem Frieden vergangener Tage und hast vielleicht gemerkt, wie wir uns nach Heidelberg und der Verbindung sehnen. .Ich komme mir bald vor wie in Alt-Heidelberg Karl Heinrich bei seiner Rückkehr nach Heidelberg. Man weiß nicht mehr, sind dort noch Bb. oder nur Leute, die halt zufällig dieselbe Miche tragen. Ich wage ja nicht recht, bei Deiner vielen Arbeit Dir noch die Bitte vorzutragen, mir was von Heidelberg und den Heidelbergern zu er- Ä, aber vielleicht hast Du oder Deine werte hlin doch einmal eine freie Minute zu diesem Liebeswerke. Von mir selbst weiß ich so gut wie nichts zu berichten. Nach der großen und mit riesiger Anstrengung ausgeführten englisch-französischen Herbstoffensiveist wieder verhältnismäßige Ruhe eingetreten. Nur das Arrilleriefeuer hat sich noch nicht ganz beruhigen können. Von Kälte spüren wir leider wenig, denn der französische Winter kennt fast nur Regentage Es gießt unausyörlich, der Baden vermag das Master nicht mehr zu schlucken und wir geben uns angenehmen philosophischen Spekulattonen hin, ob wir bereits ganz Fische geworden sind oder uns doch noch zur Klaffe der Amphibien rechnen können. Bei solcher Lage verspüren beide Teile wenig Lust, bei einem 3, „ ersaufen, und unsere überwiegende kriege, rische Tättgkeit besteht in der Vertilgung der unzähligen Mäuse und auch nicht gerade wenigen Ratten, die uns Gesellschaft leisten. Du siebst, man hat immer, jin noch einen Lebenszweck. Bor einigen Tagen erhielt ich zu meinem Militär-Verdienstkreuz wegen einiger Patrouillen, namentlich wegen der Sprengung des kindlichen Drahthindernisses, das Eiserne Kreuz 3. Klaffe. Für den Magenwärmer herzl. Dank! Empfiehl mich bitte Deiner lieben Frau und sei Du selbst vielmals gegrüßt von Deinem tr. Fritz Mayer. 37.13.1915. Lieber Weißmann! Dein und Deiner lb. Frau gestern erhaltener Brief hat mich so erfreut, daß ich auch beeUe, die Antwort noch mit der heutigen Postwegzubringen. Zunächst heimlichenDankfür den Glückwunsch zum „Eisernen" und dann eine Bitte: Legt mir ja nicht meinen Jammerbrief als Zeichen des Heimwehs in dem Sinne aus, baß ich hier herautzen verdrießlich wäre und mit geringerer Freude im Felde stände als am ersten Tag. Das ist gewiß nicht der Fallja, mein Leichtsinn hat noch nie üppigere Blüten getrieben, wie eben jetzt, was Du schon daraus ersehen magst, daß ich selbst in vorderster Stellung gewohnt bin, mit meinem Komp.-Führer, mit dem ich mich glänzend stelle, bis spät in die Nacht hinein zu pokulieren, oder sogar bei Zithermusik zu tanzen, was doch bei Ench -verboten ist. Es istso: Was vielleicht an ursprünglicher Begeisterung verflogen ist, das hat die Gewohnheit ersetzt, und es fällt uns schwer, uns vorzustellen, daß dies alles einmal anders war. „Es war einmal", klingt das nicht wie ein Märchen? Und schließlich ist ja auch das Wort „Heimat" weniger eine geographische Bezeichnung als ein echischer Begriff, der überall dort erfüllt ist, wo man seine Kräfte für seine Volksgenossen regt, und das denken wir doch gerade heraußen zu tun. Mer manchmal überkommt einem doch fast eine wilde Sehnsucht nach all' dem, waS nur noch in heiliger Erinnerung unser eigen ist, gerade so, wie man sich als alter Mann nach dem Kinderlande zurücksehnt, und wie dann fröhliches Kindergeplauder den Greis in ferne Zeiten in Gedanken zurückführt, so ist eS uns zumute, wenn uns lb. Freunde von dem berichten, was wir an froher und ernster Schönheit zurückgelaffen haben. Also, erfüllt bitte Euer Versprechen, öfter zu schreiben, und sagt auch den Bb., daß wir genau wissen, daß ein Student kein Geld für Paketchen hat, und daß wir ihnen für jeden Kartengruß von Herzen dankbar find. Beste Neujahrswünsche Deiner Frau und Dir sowie viele Grütze von Eurem tr. Bb. §* Mayer. In Stellung, 6. 4. 1918. Lieber Weitzmannl Schönen Dank für Deinen lb. Brief, der mir als Zeichen Deiner ständigen Freundschaft viel Freude machte, und für die Zigarren. Ich hoffe, Dein Unwohlsein hat sich inzwischen gelegt und Du bist nun so wohlauf wie ich selbst. Deine Anerkennung meiner andauernden leichtsinnigen Gesinnung hat mir viel Spatz gemacht. Ihr seid drollig daheim. -Glaubt wohl, wir hätten heraußen nichts anderes, zu tun, als die Köpfe hängen zu lassen undunsere Zeit mit Heulen und Zähneklappern auszufüllen. Theoretisch schwärmt Ihr für Rousseau, wenn aber einmal einer die Sache prakttsch erprobt- und sich dabei sauwohl fühlt, schMelt Ihr verwundert-

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