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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 676

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 676 (sequence 14)
Language
German
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676 nicht, dann bleib Du und Deine Frau wenigstens ordentlich gesund und denkt ab und zu an mich. Gott schütze unser geliebtes Vaterland und unser Voll! Sollte mir etwas Menschliches passieren, dann grüste Me Bundesbrüder, welche zuttickkehren, und läge ihnen, daß ihnen unsere Verbindung, deren Band mich ins Feld begleiten wird, stets so teuer sein soll, wie sie es mir stets war. — Vivat, crescat, floreat Bavaria, in aetemum! Mt herzlichem Gruß Dein F. Mayer. . W ...den 3.2.1915. Mein lieber Alter Herr, lb. verehrte Frau Doktor! Gestern Abend von der Beerdigung unseres Komp.-Führers, den an meiner Seite die Kugel, hinwegraffte, aus C. hierher, wo meine Kompagnie 3 Tage zur Rast liegt, zurückkehrend, fand ich zu meiner freudigen Ueberrafchung Euren lieben Brief vor, und bevor ich morgen wieder den Bleisttst mit der Büchse vertausche, sollen diese Zeilen Euch meinen schönsten Dank für Euer freundliches Gedenken sagen ...... Du hast, lb. A. H., wirklich recht, wenn Du glaubst, daß wir im Felde es in vielen Beziehungen besser haben als Ihr daheim) schon deshalb, weil wir unser Herz in feste, kalte Hände haben nehmen und es stavk und hart haben machen müflen. Der Krieg liebt nur das Leben, das mit kalten Augen in die Wirkttchkeit schaut und mit ruhiger Hand die Büchse umklammert. Bor allem aber fühlt uns, wenigstens uns Jungen, das Gefühl der Sorge, das Ihr daheim immer um Eure Lieben im Felde haben müßt. Wiffen wir doch jeden Augenblick genau, wie's uns geht, und freuen uns des lieben Lebens, das uns nun tagtäglich neu geschenkt wird. Das gibt einen Menschen zusammen, der mtt dem einen Auge lacht Wer das Leben, das ihn lockt, und den Tod, der ihn grüßt, der aber auch mit dem andern Auge ernst, merkwürdig ernst blickt. Für uns K. Cer aber bleibt immer das beseligende Bewußtsein, unsere Pflicht zu erfüllen. Ich gebe jetzt praktische Tendenzfuchsenstunden. Meine Erlebnisse sind entsprechend dem Charakter des jetzigen Krieges recht spärlich. Tag für Tag in Erdlöchern, in denen sich Wasser und Schmutz um die Oberherrschaft streiten, 30 Meter vom Feind' entfernt, die Hand an der Büchse auf der treuen Wacht bei Messines (7 Kilometer südl. Ipern.) Da kommt keiner durch. Freilich, der alle Fuchsmajor einer Berehrlichen, deffen Hauptaugenmerk früher' die saWeren Kragen und Hosenbugelfalten der Füchse waren, hat sich merkwürdig gewandelt. Seit 3 Monaten nicht mehr aus den zerrissenen, zerlumpten Kleidern, alle 14 Tage einmal in die Hände gespuckt und das Gesicht abgerieben, anzusehen wie ein richttger Neckarschleimer, da würde sich wohl keine der Heidelberger Coüleurdamen irgendwie angAogen fühlen. Aber innerlich ist man doch derselbe geblieben. Recht leichtsinnig wie immer. Dieserthalben brauchen Sie, liebe Frau Doktor, nicht in Sorge zu sein. Ein Ses Mädel ist mir immer noch lieber wie ein .jes mit Sommersprossen, das mit dem linken Auge schielt und mit dem rechten Fuß hinkt. Und nun noch herzliche Grütze für Sie, liebe Frau Doktor, und Dich lb. A. H. vom tr. Fritz Mayer. F ...., 14.5.1915. Mein lieber A. H.l Bielen Dank für Dein letztes vorzügliches Paket, aus deffen Adressierung ich zu meinem großen Erstaunen entnahm, daß Du anscheinend Dein gegenwärtiges Heim in Emmendingen aufgeschlagen hast. Bist Du dort allein ober mit Deiner verehtten Frau Gemahlin, und welches hohe Amt versiehst Du dott? Falls Du dort etwas Familienanschluß wünschest, so bitte ich Dich, Dich bei Herrn R.-A. Dreyfuß als mein Bb. vorzustellen. Deffen Gemahlin ist die Schwester meiner Kusine, Frau Guthmann in Schw. Gmünd. Bestelle dann auch bitte gleich Grüße von mir. AuS meinem Briefe an A. H. Mainzer, den derselbe in der April-Nr. der K C.-Blätter veröffentlichte, wirst Du ersehen haben, daß wir zu Anfang März aus unserer Winterstellung vör M. weggezogen wurden, dann an den Kämpfen bei N.-CH. teilnahmen und nach diesen wieder Stellung unweit dieses Ottes vor A>, einem kleinen, zwischen A. und La-B., 20 Kilometer südw. L. gelegenen franzöfischen Landstädtchen, bezogen. Obwohl wir wußten, daß gerade diese Gegend der Mittelpunkt der schon oft prahlerisch Verbündeten französisch-englischen Offensive sein werde, da hier die Operationsgebiete der französischen und englischen Armee zusammenstoßen und ein Durchbruch hier den Gegner sowohl in den Besitz der für die französische Finanzkrast und die französischen Militärlieferungen äußerst wichttgen Städte Lille, Roubaix, Toureoing, Douai, Balenciennes setzen als sie auch zu Herren der für unsere ganze Stellung in Flandern und Nordfrankveich einen Lebensnerv bildenden wichttgen strategischen Bahnen Lille—Sedan und Lille—Brüssel machen würde, blieben wir doch fast 2 Monate hindurch unbehelligt. Die Trauben von N.-CH. waren den Herren Vettern zu sauer gewesen. Erst unser erfolg, reicher Borstoß bei I ...., unser glänzender Frontdurchbruch in Galizien und nicht zuletzt das Bestreben, das vielleicht noch schwankende Matten durch eine Glanzleistung der verbündeten Waffen zur Entscheidung zu besttmmen, veranlaßte in den letzten Tagen unsere Gegner wieder, mit starker, namentlich artilleristischer Ueberlegenheit zu versuchen, unsere Stellung zwischen Arras und A.... über den Haufen zu rennen. Auf einer Frontbreite von 40 Kilometer greift seit dem 9. d. M. der Gegner an oder griff an, denn wir haben ihm gleich auf den ersten Anhieb gezeigt, daß er feine Rechnung, die er wohl im Hinblick auf Galizien angestellt hatte, mit zwei falschen Faktoren aufgemacht hatte. Verteidiger und Angreifer waren nämlich nicht dieselben wie in den Karpathen. Unter ganz fürchterlichen Verlusten wurde der Gegner fast überall zuruckgeschlagen. Nur bei Arras gelang es den Franzosen, in unsere vorderen Gräben einzudringen; dort sind die Kämpfe noch im Gange. An Men anderen Punkten hat der Gegner auch keinen Zenttmeter Land gewonnen. Auch seine wiederholten Angriffe am 10., 11., 12. und gestern hatten keinen Erfolg, im Gegenteil gewannen wir wieder Gelände bei Arras. Heute ist etwas Ruhe eingetreten, ob dieselbe anhält, weiß ich allerdings nicht. Meine Kompagnie selbst blieb vom Infanterie-Angriff verschont, doch lagen wir 4 Tage und Nächte hindurch im feindlichen Arttlleriefeuer: ein Vergnügen für sich, gerade dieses Mal. Denn von der Wut dieser gegenseittgen Arttlleriebeschießung könnt Ihr Euch nicht leicht einen Begriff machen. Ich selbst habe trotz meiner Erfahrungen Aehnliches noch nicht erlebt. Hunderte von Geschützen feuerten auf beiden Setten Tag und Nacht hindurch in rasen-

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