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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 674

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 674 (sequence 12)
Language
German
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674 in der Nähe krachend einschlägt. Da die Artillerien beider Teile zunächst sich gegenseitig befeuern, nutzer, dem aber auch die lästigen Jnfanteriestellungen -er Gegner, ft hört man da unten das Toben aller dieser 4 Funktionen. und dieser Lärm, der nicht zu beschreiben ist, kennt kerne Pause — günstigenfalls schweigt er -einige Minuten, um dann mit verdoppelter Wucht einzusetzen. — Sobald es abends gegen */,10 Uhr dunkel wird, ist alles glücklich, aus den Höhlen ans „Nachtlicht" herauskriechen und frische Lust schnappen zu können. Da geht das Gekrabbele in dem engen Graben loS: die Wachen beziehen ihre Posten, ein Teil arbeitet emsig an der Verbesserung des Unterstandes, ein Teil vertieft und verbesiert den Graben, man besucht einander, itzt und trinkt — daS tut man stets, wenn nichts anderes vorliegt, und bei dieser Beschäftigung findet man stets Kameraden — —! Die zweite Nacht brachte mir wieder l1/, Stunden Horchposten an anderer Stelle, dann Grabenarbeiten, die dritte Nacht erneute Arbeiten und die vierte wiederum Horchposten. So abwechslungs. reich die Nächte waren, ft trostlos öde und endlos die Tage : drautzen sah man den schönsten warmen Sonnenschein und durfte doch nicht hinaus, sondern mutzte eingekapselt drunten liegen, verschnörkelt, beengt, unfähig, bei diesem Raummatz zu lesen oder zu schreiben. -Die einzige angenehme Abwechselung bildete das Anzünden des Spirituskochers und das Aufkochen der „eifernen Portion". Wenn das Fett anfängt, zu zergehen und knusprig zu werden, Düfte dem Gulasch entschweben, Kostproben auf genügende Durchwärmung gemacht werden-dann sind Feierstunden! Desgleichen, wenn der Kaffee heih gemacht wird! Den vierten Tag verbrachten wir schon in Langer Erwartung, wann man uns ablösen und wie der Rückmarsch werden würdedenn aus leicht erklärlichen Gründen ist der Anmarsch in die Stellung wie der Rückmarsch aus ihr heraus am gefahrvollsten und. schwierigsten. Gleichzeitig wurde uns die unangenehme Mittemmg, datz wir die nächsten 4 Tage sog. Bereitschaft in einem ganz nahegelegenen, erst während der jetzigen Offensive eroberten, total zerschossenen und fortwährend unter feindlichem Feuer liegenden Dorfe zubringen wütLen, und datz unserm Zuge die böse Aufgabe zugefallen sei, die Verbindung dieses Dorfes mit der Stellung vorn durch Aufftellung sogenannter Relaisposten 2 Tage hindurch aufrecht zu erhalten, die, je 2 Mann, etwa 200 Meter voneinander entfernt, in Erd. löchern Hausen und auf Befehle — von oben oder unten — zu warten haben, die dann aufs schnellste und. un. beirrt durch jedes Feuer dem nächsten Posten weilerzubringen sind. — — Um 12 Uhr nachts wurden wir abgelöst und verliehen im Eilzugstempo die Stellung. Rach etwa einstündigem Marsch erreichten wir auf Offener . Strahe die Feldküche, die zur Feier des Tages weihe Bohnen mit Speck gekocht hatte. ' Wir taftlten am Rande der <Nratze auf bem Felde und versorgten uns für die nächsten 24 Stunden reichlich mit Kaffee- Dann traten die Posten mr undrvurden in ihre Löcher geführtich erwischte zusammen mtt einem Kameraden und dem auf. stchthavenden Unteroffizier den vordersten Stand, d.h.den ersten am Dorfe, den nächsten am Batailwnsunterstande. Er bestand aus einigen Bänkn vor stehengebliebenem Mauerwerk, die von vorn schräg durch Bretter, Leisten etc. abgedeckt waren. Irgendwelche Sicherhett gegen Treffer bot diese Hütte keineswegs, darüber waren wir uns von Anfang an klar. Und gerade in dieser Gegend sausten unaufhörlich die Geschosse. Denn wenn schon das «ganze « Dorf den ganzen Tag unter dem feindlichen Feuer lag, so erst recht dessen Eingang und Ausgang, wo kleine Strauchpartien sich vorzüglich zum Aufstellen von Artilleriebatterien eigneten unddemgemäß ausgiebigst - von den Franzmännern befunkt wurden. - So hatten wir die ganzen 24 Stünden hindurch reichlich Gelegenheit, Einschlägevor, hinter und neben uns, zu beachten und. den unangenehmen Pulverqualm bis m unser „Heim" zu verfolgen, — wenige Meter vor uns wurde der Rest einer Mauer umgeriffen — wir blieben Gott sei Dank verschont. In den 24 Stunden hatten wir dreimal Befehle durchzubringen, sodatz jeder von uns viermal die kleine Strecke zu durchlaufen hatte, eine recht unbedeutende Leistung im Verhältnis zur Ungunst der Nebenumstände. NachtS um 12 zogen wir ab — in den „bombensicheren" Keller einer der stehengebliebenen Scheunen. Hier erwartete uns außer dem warmen Effen die seit 5 Tagen nicht verteilte Post, die mir ca. 10 Briefe und 10 Pakete brachte. Mit gleichem Heißhunger öffnete ich Briefe wie Pakete und erholte mich an den nach solchen seelischen Anstrengungen doppelt wohltuenden Beweisen freundschaftlicher Anteilnahme. Was von den Paketen in Eile vertilgbar war, wurde vernichtet, bevor wir uns seit 5 Tagen das erste Mal mit ausgestreckten Beinen — zum — Schlafen hinlegten — allerdings eingepökelt wie die Heringe und begleitet vom herrlichsten Rattenkonzert, die sich durch nichts einschüchtern ließen. Auch an diesem Platze durften wir uns tagsüber nur für das allernötigste auf der „Straße" sehen lassen, die Gefahr der Fliegerbeobachtung hielt uns meist „unter Tage". Wir benutzten die Zeit, uns und unsere Sachen wieder einigermaßen in Stand zu bringen, die alle an den vorangegangenen Tagen ein wenig anheimelndes Aeutzeres erhalten hatten. Da die Küche bis an dieses Dorf nicht herankam, mutzte im Dunkel der Nacht das Effen, Brot, Butter, Käse etc. sowie die Post in Säcken von dort — etwa '/» Stunde entfernt, hergeholt werden. So vergingen der 2. und 3. Tag ohne viel Abwechselung — denn die Musik der abgeschoffenen und einschlagenden Schwerkaliber konnte man wegen ihrer Regelmätzigteit schon nicht mehr als solche bezeichnen. — Die letzten 24 Stunden sollten uns wieder auf Relaisposten bringen, diesmal erwischte ich einen Platz viel weiter oben, also ganz in der Nähe der Stellung und weit entfernt vom Dorfe. Das hatte gleich dreierlei Unangenehmes auf sich: der lange Hinweg, der lange Rückweg bei der Ablösung, und außerdem erhielten die ersten noch den Auftrag, am Abend in Säcken Handgranaten in unsere vorderste Stellung zu bringen! Um */,12 abends machten wir uns auf, erhielten die Handgranatensäcke aufgepackt und gingen an der Postenkette entlang. Bald nachdem wir das uns bestimmte Loch passiert, dort auch schon unser Gepäck — außer den Handgranaten — abgelegt hatten, erhielten wir mitten auf dem Felde mächtiges Feuer, sodatz wir uns schleunigst hinwerfen mutzten. Dies wiederholte sich mehrmals, sodatz wir schließlich voneinander abkamen, der Führer nicht mehr zu finden war, auf Rufe nicht reagierte etc. Endlich beschlossen mein Freund und ich wegen völliger Aussichtslosigkeit, das Ziel zu erreichen, kehrt zu machen und unsere Löcher wieder aufzusuchen. Bei stockdunkler Nacht auf einem Granat, feld, das keine Wege kennt, ist dies schon ein Kunststück, das wir auch nicht sobald fertig brachten. Auf dem Wege dorthin erlebten wir jedenfalls die bösesten Minuten: ein feindlicher Feuerüberfall, wie er sich nachts auf das ganze grotze Schlachtfeld verteilt — öfters wieder, holt, hatte sich gerade die Stelle, wo wir uns im Augen, blick befanden, als Ziel ausgesucht! Ganz unvermutet saust plötzlich eine Granate dicht bei uns nieder, wir springen in ein Grabenstück, das wir im Augenblick ernennen, und das unsere Rettung wirddie Böschung über uns ist mannshoch, neben uns macht der Graben eine Biegung und deckt uns von der Sette nach Art einer Schulterwehr. Kaum haben wir uns drinnen verkrochen und auf den Boden längslang gelegt, als die nächsten Dinger schon angeheult kommen uno ganz

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