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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 673

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 673 (sequence 11)
Language
German
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673 Am 28. Juli haben wir Fritz Mayers sterbliche Hülle mit militärischen Ehren und unter dem Ehrengeleite deS K. C. auf dem Stuttgarter Friedhof zur letzten Ruhe gebettet. In einem Briefe an Otto Neumann schrieb er einst: ..Darum dürfen wir auch bei aller Trauer, die uns erfüllen mag, nicht jammern über den Tod so mancher lieben BundeSbrüder. Ist er doch die letzte freudige Hingabe an die große Liebe, die uns alle umschlingt, die zu unserm Deutschland. Und wenn mir im Feindesland einmal etwas Menschliches passieren sollte, so sag denen, die eS interessiert, daß ich sterben durfte, und redet auch daheim nicht soviel von den Opfern, die wir für unser Vaterland brächten. Denn Opfern setzt immer eine überwindende Dargabe der Persönlichkeit voraus, was wir aber hier außen tun, ist lediglich Selbstverständliche-, das auSüben zu dürfen uns vergönnt ist. Wir sind eben auch im Felde K. C.er, und dieser Ausdruck umfaßt all unser Denken und Sehnen und unsere großen Pflichten." Darum wollen wir nicht trauern und klagen, wenn uns auch der Gedanke unfaßbar erscheint, daß gerade er, der in den nach dem Kriege sicher kommenden Kämpfen um unser gutes Recht der gesamten deutschen Judenheit nach seinen Leistungen im Kriege, dem Adel seiner Persönlichkeit und seiner großen Begabung so unendlich viel hätte sein können, uns fehlen muß. Im Sinne des dahingegangenen Mitkämpfers handeln wir, wenn wir angesichts seines Heldentodes mit zusammengebissenen Zähnen aufs neue geloben, die Reihen fester zu schließen und nimmer zu rasten im Kamps ums Recht, für die Ehre unserer jüdischen Gemeinschaft, in unserm — in seinem geliebten deutschen Vaterlande. Vr. Max Mainzer. (Badeniae-Bavariae, Spreviae.) Z s Uriegstagebuchblätter von vr. Fritz Rahm er (Spreviae), gefallen am 38. Juli 1916. Mit einigen kleinen Aeußerlichkeiten, die zu dem Bilde hinzugehören, will ich beginnen: seitdem wir zum ersten Male vorne in Stellung kamen, trage ich das taar kurz geschoren — der Scheitel gehört einer besseren ergangenheit an. Grund und Zweck: bequemere Haarpflege, Bürste und Pomade wandern als unnötiger und überflüssiger Ballast nach Berlin. Uever diesen Zuchthausschädel gestülpt ist der spitzenlofe Helm, — die Ähnlichkeit mit einem umgekehrten, früher für unent. behrlich gehaltenen Toilettengegenstand ist nicht von der Hand zu weisen. Die Schutzvorrichtungen gegen Gasangriffe, die sog. Gasmaske, verläßt uns im Aktionsbereich weder bei Tage noch bei Nacht) sie wird umgehängt getragen wie die gute alte Botanisiertrommel seligen Andenkens. Endlich hat uns der feuchte Lebm, der nicht nur das Gehen erschwert, sondern auch dre Sachen so schnell und gründlich ruiniert, noch um eine Neuigkeit bereichert: sobald eS nach vorn in den Mist geht, werden ausgeschnittene 1 Meter lange Sandsäcke um die Hosenbeine gewickelt, die gleichzeitig die Beine warm halten und die Hosen bis übers Knie recht sehr schonen. Rot macht erfinderisch. Mit alledem hatten wir uns in den Tagen der Ruhe versehen und warteten auf den neuen Alarm. Zuvor wurde uns angekündigt, daß diesmal während der Stellungstage kein Kaffee und kein Effen beschafft, auch keine Post herangebracht werden würde. Dies hatte seinen guten Grund. Bisher war oie Feldküche (mit der Post) stets nachts auf einige Kilometer Entfernung an die Stellung herangekommen, und es hatten dann Kameraden von dort aus für die ganze Kompagnie das Effen heranschaffen müffen, eine sehr mühselige und äußerst gefährliche Beschäftigung, da die Franzmänner dies, natürlich wußten und kräftig gegen die Essenholer losfünkten! Jetzt also sollte dies zur Vermeidung unnötiger Verluste fortfallen, statt dessen erhiett jeder Mann für jeden Tag eine sog. „eiserne Portton", nämlich köst. lichen Rindergulasch— konserviert — sowie einen Beutel Zwieback, und außer der Feldflasche noch eine Weinflasche mit Kaffee gefülltdazu bekam jeder einen neuen Spiritus, kocher, mit Hartspiritus gefüllt und sehr leicht verwendbar.; So kam der Freitag Abend ran — um 7* 10 Uhr wurde aufgebrochendie ersten 17, Stunden ging es den uns schon hinlänglich bekannten Weg erttlang, der als Zufahrtsstraße von den Feinden ständig unter — wenn auch nicht zu schwerem — Feuer.gehalten wird. Dann etwa 7, Stunde über bezw. durch Granatlöcher hindurch, bis wir in unsere eigentliche Stellung, d. h. den uns zugewiesenen Graben, kamen. Jede Gruppe, aus 8 Kameraden und 1 Unteroffizier bestehend, erhielt Platz und Unterstand angewiesenzum Ansehen kam ich nicht, da ich sofort mit einem Kameraden auf den von unserer Gruppe zu besetzenden Posten zog. Es war ein Horch. Posten am Ende unserer Stellung, schemungsweise etwa 300 Meter vom Feinde entfernt, und bestimmt, etwaige Annäherungsversuche sofort zu entdecken. Wegen der kurzen Nacht brauchten wir nur eine Stunde zu stehendas einzig Interessante war, daß die feindlichen Patrouillen, die ber der geringsten wahrgenommenen Bewegung sofort losknallen, alle paar Minuten Jnfanterieschüffe losknipsten, die ersten, die ich bisher hörte. Wenn man gleich so in das fürchterliche unheimliche Artillerie, getobe hineinkommt wie wir und man hört dann später das Zirpen der Infanterie, so mutz man zunächst wirklich darüber lächeln — die Mücke hinter dem Elefanten! Als wir abgelöst wurden, besah ich mir zunächst meinen Unterstand, den ich mit einem Kameraden teilen sollte: etwas mehr als 1 Quadratmeter groß, etwa */4 Meter hoch, sodaß man liegen und sich ein wenig aufsetzen — h ä 11 c können, wenn nicht morgens plötzlich vorm Schlafengehen noch ein dritter hineinaepackt worden wäre, der das Liegen fast zur Unmöglichkeit und das Aufrichten zur Qual und zum Zirkuskunststück machte,' so mußten wir schräg übereinander geschichtet liegen, und bei jeder Bewegung voneinander abstoßen, beim Aufsitzen uns gegenseitig als Unterlagen fürs Effen etc. nehmen, — kurz, ein wenig beneidenswerter Aufenthalt. Und hier mußten wir stets die Stunden von früh l/25 bis» abends 7^0 Uhr verbringen, da uns der Feind und insbesondere seine zahlreichen Flieger hier nicht beobachten dursten, wenn wir uns nicht noch heftigerer Be. schießung aussetzen wollten. In diesen Höhlen also verbrachten wir die 17 Tagesstunden, schlasimd und effend, und lauschten dem fürchterlichen AEerietoben. Allmählich gewöhnt sich das Ohr ganz genau an die verschiedenen Klangfarben: man unterscheidet die leichte Feldarttllerie von den schweren Mörsern, differenziert die Kaliber, vergleicht die beiderseitigen Abschüsse und Einschläge miteinander und — duckt sich doch unwillkürlich zusammen, wenn wieder mal so'n Ding gtm$

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