KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 12 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 672 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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672 wollender Vorgesetzter war und als Held für fein Vaterland gestorben ist. m- Mir gerade war er sehr nahe gestanden, denn zur Genüge T hatte ich ihn kennen gelernt, da er in meiner Kompagnie anfgewachfm ist,' hatte ich doch selber Gelegenheit, seine Tapferkeit an meiner Seite zu beobachten, bei den schweren Kämpfen mn Wytschaete 1914. Seiner werde ich stets treu gedenken." Bezeichnend ist auch eine Stelle aus dem Briefe eines jungen Offiziers: „Ihr Sohn war mir mehr Freund als Kamerad. Wir haben lange Zeit im gleichen Hause gewohnt und da manche schön» Stunde in frohem Kreise verbracht. Meine HauSleute hatten ihn in» Herz geschloffen, wie wenn er ihr eigener Sohn gewesen. MS ich ihnen die Trauernachricht mitteilte, waren sie lange Zeit untröstlich. Sie habe« mich gebeten, ich möchte Ihnen und besonders Ihrer Frau Gemahlin (meine Hausfrau hat auch einige Söhne im Feld und fühlt deswegen umsomehr mit einem schwer getroffenen Mutterhetzen mit) die wärmste Anteilnahme auszudrücken, da es chnen nicht möglich ist, selbst zu schreiben." Die Gesamtpersönlichkeit unseres Freundes findet eine treffliche Würdigung in dem nachfolgenden Schreiben, das der Feldrabbiner der 6. Armee an mich als Vorsttzenden des G. A. deS K.C. gerichtet hat: Feldrabbinner 6. Armee «...., 26.7. wie. Dr.Staeraalb Feldp. 4SS. Kmdtr. L.... Sehr verehrter Herr! Durch die Bavaria-Heidelberg oder durch die Tageszeitungen werden Sie vielleicht schon die traurige Nachricht erhallen haben, daß Ihr K. B. Leutnant Fritz Mayer (17. bayr. Res.-J.-R.) am 19.7. bei Fromelles den Heldentod gestorben ist. Allgemein beliebt, wegen seines schneidigen Verhaltens im Regiment aufs höchste geschätzt, war er vor wenigen Wochen Offizier geworden und, wie ich höre, zur goldenen Tapferkeits-Medaille, der höchsten bayerischen Auszeichnung, eiugegeben worden. Am 19. d. Mir. sollte er bei dem heftigen Angriff der Engländer die Führung einer Kompagnie übernehmen; als erunter heftigem Artilleriefeuer Ä, wurde er durch eine Schrapnellkugel im Kopf getroffen und starb auf der Stelle. Sein Bruder, der in der Nähe steht, mutzte die traurige Pflicht erfüllen, die Leiche in die Heimat zu überführen. ES ist mir ein Bedürfnis, dem verehrlichen K.C. zu diesem Verlust ganz besonders meine Tellnahme zum Ausdruck zu bringen. Ich bin mit Fritz Mayer, den ich von München her kenne, oft zusammen gewesen; und wie man sich hier draußen schneller an Kameradm anschlretzt, so vereinten unS hier besonders die gleichen Jntereffen, gleiche Sorgen und Hoffnungen. Bei der Erörterung jüdischer Gegenwartsfragen verdankte ich seinem reifen Arteil, seiner großen Belesenheit manche Anregung. Ich glaubte deshalb auch, große Hoffnungen auf seines Einfluß für die Entwicklung des K. C. setzen zu können. WaS er im K. C. und für ihn war, wird wohl ein Berufener in dem Nachruf in den K. C.-Blättern schildern; dem Außenstehenden aber, dem Weiden und Wirken deS K. C. am Hetzen liegt, mag zu sagen gestattet sein, daß der K. C.-Gedanke wohl geborgen wäre bei einem Geschlecht, daS Fritz Mayer gliche, der in seiner Vereinigung von tatenfrohem Idealismus und forfchendm GrübelnS die besten Züge deutschen und jüdischen Wesens in sich trug. Sein Wesen, daich in einem kurzen Nachruf bei der Ueberführung festzuhalten versuchte, konnte ich nicht bester darstellen, als durch Borlesen einiger Sätze aus seinem in dm K. C.-Blättem abgedmcktm Kriegstagebuch. Ich habe wähl recht gehandelt, wenn ich hierbei ihm, wenn auch nicht im Auftrag, doch im Sinne sein« Freunde, — ich konnte leider keinm K. C.er von der Ueberführung verständigen — den letzten Dank aussprach für alles, was er gelefftet und gewefm. Er war kein gewöhnlicher Mensch, fein Hetz gehörte der Verbindung, die viel in ihm verloren hat. Sein Bruder, der der Einsargung beiwohnte, erzählte mir, er abe bis zum Tode unter dem Waffenrock das Farbenand getragen. Es hat ihn nun ins Grab geleitet. Ihm wünsche ich Ruhe und Friedm, dem K. C. aber viele, die ihm gleichen. Ihr sehr ergebener I. Baerwald, Feldrabbiner. Wer Fritz Mauer kannte, weiß, daß in diesen Zeilen nicht ein Wort zuviel gesagt ist. In diesen Tagen, wo bereits 59 KCer ihr Leben fürs Vaterland dahingegeben haben, empfinde ich in dem Verlust fo zahlreicher, mir zum großen Teil persönlich befreundeter Männer die schmerzliche Kehrseite der freundschaftlichen Beziehungen, die mich persönlich mit so vielen von ihnen seit langem verbunden haben. Um viele trage ich Leid) der Verlust eines Fritz Baum, eines Lorenz Lehmann, eines Fritz Rahmer oder eines Ludwig Weil, um nur von einigen älteren zu sprechen, will mir in Anbetracht ihrer eigenartigen Persönlichkeit für die Sache des K. C. und des deutschen Judentums wie für ihren Freundeskreis kaum ersetzbar erscheinen. Aber niemand zu lieb und niemand zu leid sei eS gesagt: Des jugendlichen Fritz MayerS Heldentod will mir von allen schmerzlichen Verlusten für unfern Verband wie für die gesamte deutsche Judenheit der schwerste bedünken: denn er glich an Kühnheit und rüchsichtSlosem Draufgängertum im Fäde Fritz Baum, an Klugheit Lorenz Lehmann, an beruflicher Begabung Fritz Rahmer und Ludwig Well. Und war dabei ein Freund voller Liebe und Zartgefühl, reinen Gemütes und edelster Gesinnung und hing wie kaum einer an seiner Verbindung und seinen Freunden. Als er in daS Heer eintrat, sandte er an unfern Freund Weißmann einen Brief, der als sein Vermächtnis an seine BundeSbrüder an anderer Stelle dieses Heftes der K.C.-Blätter veröffentlicht ist) und als er zum zweiten Male ins Feld ging — der Gewiffenhaste hat nur einmal aus dem Felde Urlaub genommen —, hinterließ er seinem Vater ein weiteres Vermächtnis, das in der Bitte bestand, für den Fall, daß eS ihm beschieden sein sollte, fürs Vaterland zu sterben, ihn wenn möglich in der heimatlichen Erde beizusetzen und für ihn eine Stiftung für die Errichtung des eigenen Hauses seiner geliebten Verbindung zu machen. Diese seine letzten Wünsche find ihm erfüllt und alles, was er an Wert bei fich trug, der Verbindung vermacht worden.