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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 671

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 671 (sequence 9)
Language
German
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671 aus einem bei den feindlichen Linien gelegenen Wassergraben geholt — wurde er als Bizeseldwebel im vergangenen Frühjahr im Regimentsbefehl äußerst rühmend erwähnt und dafür mit der bayrischen silbernen Militärverdienstmedaille, der höchsten für ihn als Bizefeldwebel möglichen bayrischen Auszeichnung, belohnt. Leider wurde diese Auszeichnung erst am Morgen nach seinem Tode im Verordnungsblatt vom 20. 7.1916 veröffentlicht. Inzwischen war er Anfang Juni 1916 zum Leutnant der Reserve befördert worden. Voller Genugtuung schrieb er mir damals: „Was mich besonders freute, das war aber der Umstand, daß ich von allen Herren freudig als Kamerad begrüßt und mir versichert wurde» ich hätte mir die Achselstücke ehrlich und redlich verdient." Nicht lange sollte er sie tragen : Die bange Sorge, die die ihm nächststehenden Freunde schon immer gehegt und gelegentlich auch gegenseitig ausgesprochen hatten, daß der jugendliche Held ein Opfer seines unbezähmbaren, das eigene Leben jederzeit gern einsetzenden Tatendranges werden möchte, hat sich nur allzu bald erfüllt: In den schweren Kämpfen, in denen eine bayrische Division am 19. Juli bei Fromelles den überraschenden Angriff einer gewaltigen englischen Uebermacht siegreich niederschlug, siel unser Fritz Mayer. Bei der 1. Kompagnie seines Regimentes waren alle Offiziere außer Gefecht gesetzt. Obwohl er der jüngste Offizier im Regiment war, erhielt er den Befehl, die Führung der Kompagnie zu übernehmen. Mit seinem treuen Burschen und einigen Sanitätsmannschaften ging er sofort vor. Als letztere ihn baten, wegen des eben einsetzenden überwältigenden englischen Sperrfeuers mit dem Bormarsch zu warten und sich nicht unnötig zu opfern, erwiderte er: „Ich habe Befehl, die Führung der Kompagnie zu übernehmen, und werde sie nicht ohne Führung lassen", befahl den Sanitätsmannschaften, zurückzubleiben, während er selbst mit seinem Burschen durch das Sperrfeuer vorging. Unmittelbar hinter dem Graben der Kompagnie, traf ihn, abends 11 Uhr, eine Schrapnellkugel oberhalb des linken Auges. Er fiel lautlos hin, sodaß sein hinter ihm gehender Bursche erst glaubte, er wolle Deckung gegen die massenhaft platzenden Granaten nehmen, wie er es wiederholt unterwegs getan hatte. Diesmal stand er nicht mehr auf. Seine Kameraden fanden ihn, wie sie erzählten, mit dem heiteren Lächeln des Siegers im Antlitz. Welches Ansehen und welche Beliebtheit der Brave bei der Truppe genoß, geht auS den Briefen zahlreicher Untergebener, Kameraden und i Vorgesetzter hervor, die nach Fritz Mayers Heldentod bei feinen Eltern eintrafen. Ein Kamerad schreibt u. a. dem Vater: „Zu dem Heldentod Ihre- Sohne-, meine- «eben, treuen Freunde- und Kameraden Fritz, möchte ich, Sie meiner aufrichtigsten Teilnahme an Ihrem liefen Schmerz versichern. Wir beide wmden zusammen ausgebüdet und wuchsen hier draußen im Feld durch so manchegemrinsam durchgekämpfte Leid und durch manche gemeinsam überwundene Gefahren zusammen. Eine Stunde vor seinem Tod gab er mir noch voll Freude darüber, daß er vor durste, für den Fall, daß ihm etwazustieße, die Adresse seine- Bruderan. dann gaben wir uns die Hand, sahen einander in die Auge», und mit den Motten: „Heil und Sieg" stürmte er davon, seinem Heldenlodie Erfüllung zu bringen." Ein anderer Kamerad schreibt der Familie: „Sein junge-, hoffnungsvolle- Leben hat er für sein . Vaterland, für daer steiwillig in den Kampf zog, ge- ' lassen. Kurz zuvor ist sein lang ersehnter Wunsch, Leutnant zu sein, in Erfüllung gegangen. Weitere Ehren und Auszeichnungen wären ihm in Kürze wohl auch noch zuteil geworden, denn besonderseine Leistungen auf Patrouillen gingen weit über dagewöhnliche Maß hinaus. Er zeigte da eine Geschicklichkeit, Tapferkeit und einen Mut wie wohl selten einer. Am hellichten Tage ging er hinaus und brachte wichtige ErlundungSergebniffe mit. Wiederholt war er da in äußerster Lebensgefahr, so insbesondere bei einer seiner letzten Tage-patrouillen, wo er vom Gegner erkannt und beschossen worden ist. Doch glücklicherweise fehlte damals die Kugel und der feindliche Scharfschütze wurde noch rechtzeitig von einem der unseren kampfunfähig gemacht. Dieses Mal jedoch, als es hieß, den Graben gegen anstürmende Engländer zu verteidigen, und er die Führung einer Kompagnie übernehmen wollte, da traf ihn datückische Geschoß. Sein Tod war ein schmerzloser, ein plötzlicher. Bestlahe scheint e-, als ob er Todesahnungen gehabt hätte, denn kurz zuvor gab er noch Leutnant S. die Adresse feines lieben Bruders auf, den ich bei dieser traurigen Gelegenheit auch sprach. Run ist er nicht mehr; kaum kan« ich es fassen. Er starb, wie er gelebt, als Held, als siegreicher Held, und möge Ihnen dies sowie das Bewußtsein, daß wir alle mit Ihnen trauern, einen schwachen Trost bieten?' Der Kompagniechef, Hauptmann Horchler, schreibt: Es ist mir ein Bedürfnis, Ew. Hochwohlgeboren zu dem schweren Verluste auch persönlich mein wärmstes Beileid auszusprechen. Die Kompagnie trauett in ihrer Gesamtheit um den Verlust des fttschen. schneidigen Offiziers und lieben Kameraden, der sich in chrer Mitte in schweren Kämpfen und waghalsigen Patrouillen Gefteitenknöpfe, Treffen, Säbel und Achselstücke verdiente. Wir werden weder seine soldatischen Leistungen noch seine gewinnende Persönlichkeit vergessen." Für den Menschen in Fritz Mayer besonders beznichnend sind zahlreiche Aeußerungen in den Briefen einfacher Soldaten, von denen einer schreibt: „Nicht nur in seiner eigenen Kompagnie war er all- ■ seitS beliebt und geachtet, sondern im ganzen Regiment galt er als charaktervoller und tapferer Offizier." Auch der Brief des Kompagnie-Feldwebels Koch sei hier zttiert: „Für den herben Verlust, den Sie und Ihre wette - Familie durch den Heldentod Ihres lieben Sohne», unseres hochverehtten Herrn Leutnant Mayer, erlitten haben, erlaube ich mir. Ihnen mein tiefste- Belleid auszusprechen. Möge es Ihnen ein Trost fein, zu wissen, daß der Herr Leutnant als Freiwilliger und Unteroffizier ein lieber Kamerad und als Offizier ein geschätzter und wohl-

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