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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 670

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 670 (sequence 8)
Language
German
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670 In seinem dritten Semester schon wurde er — neben seiner Charge — als Fuchsmajor mit der Erziehung -er jüngsten Bavaren betraut. Dieses verantwortungsvolle Amt hat er, solange er in Heidelberg war, — mit Ausnahme eines Münchener Semesters in seiner ganzen Studienzeit — behalten und mit einem mustergültigen Eifer und glänzendstem Erfolg verwaltet. Seine einstigen Füchse find, wie mir ein besonders urteilfähiger und an verantwortlicher Stelle stehender K. C.er schrieb, vor anderen leicht „herauszuerkennen". Sie tragen das Gepräge ihres über LaS gewöhnliche Maß hinaus verehrten Fuchsmajors. Seine sonnige Siegfrieds- Natur, sein herzerfrischender Frohsinn, sein Optimismus, die unbegrenzte Liebe, die ihn mit der Verbindung und mit Alt-Heidelberg verknüpfte und in den schwersten Stunden im Felde gelegentlich sehnsuchtsvollen Ausdruck fand, mutzte die Jugend begeistern und hat uns Alte, soweit wir derBerbindungsarbeit näherstehen, mit immer wachsender Freude und Freundschaft für ihn erfüllt. Wo es galt, die Verbindung zu vertreten, mit Schläger und Säbel oder geistigen Waffen, fand man Fritz Mayer. Was ihn besonders wertvoll und zum Führer geeignet machte, war, daß er auf das Wesen der Dinge und nicht aus den äußern Schein sah, auch wenn er darob gelegentlich anzustoßen drohte. Fritz MayerS Berufsziel war der Journalismus. Seine Eignung hierfür ließ fich früh erkennen, und so war er schon als ganz junger Student ein geschätzter Mitarbeiter und während deS letzten ReichstagswahlkampfeS zeitweise sogar Leiter mehrerer fortschrittlicher Blätter seiner schwäbischen Heimat, deren Schriftleitung angesichts seiner „ausgesprochenen journalistischen Talente insbesondere aus feuilletonistischem Gebiete" ihrer „ehrlichen Ueberzeugung, daß er einst ein tüchtiges Glied des deutschen Journalismus werden wird," anerkennenden Ausdruck gab. So trat er als junges Semester in Beziehungen zu Friedrich Naumann, dessen Bild mit.einer eigenhändigen Widmung, ein Zeichen der Wertschätzung des hochstrebenden Jünglings, seine Studentenbude zierte. Wie er in der Beherrschung des gesprochenen Wortes ins Große wuchs, deffen waren mit mir alle diejenigen Zeuge, die ihn bei festlicher Gelegenheit in Heidelberg häufiger hören konntenwie er daS geschriebene Wort meisterte, dafür geben die Kriegsausgaben der K.C.-Blätter Zeugnis. Seine Feldpostbriefe ausnahmslos, auch soweit sie heute nicht veröffentlicht werden können, sind inhaltlich und stilistisch mit das Beste, was aus jüdischer Seite der Krieg hervorgebracht hat. Der Krieg packte unfern Freund mit voller Gewalt in allen Tiefen seines Gemütes und entfeffelte die gewaltige Energie und die ungeheuere vaterländische Begeisterung dieses K. C.ers, der gerade während des Krieges wie kein anderer all daS schlicht und einfach und doch geistvoll und schön zu sagen wußte, was die deutschen Juden und vor allem uns K. C.er ttef innerlich erfüllt an Liebe zum Vaterland und an Treue gegenüber unserm Judentum. Noch sehe ich ihn vor mir, wie er am 26. Juli 1914, als ich bei Tisch nach der Generalversammlung deS A. H. B. Badenia von dem zu erwartenden Krieg sprach, an der Spitze der ganzen großen jungen Mannschaft rief: „Wir melden unS alle als Freiwillige!" Gleich nach Kriegsausbruch machte er sein Wort zur Wahrheit. Als er bei einem württembergifchen Regiment, bei dem er zuerst als Freiwilliger angenommen worden war, nicht schnell genug eingestellt wurde, trat er bei einem neugebildeten bayrischen Regiment ein. Mit ihm zog er im Oktober 1914 ins Feld. Gleich in den ersten schweren Kämpfen, die das Regiment Ende Oktober und Anfang November vor Ipern mitzumachen hatte, zeichnete er sich derart aus, daß er als erster und einziger Soldat im Bataillon das bayrische Mtlitär-Berdienstkreuz III. Klasse mit Schwertern erhielt. Sein damaliger Kompagnieführer, Oberleutnant Kick, schreibt im Rahmen eines überaus warmherzigen großen Brieses: „In den äußerst schweren und verlustreichen Gefechten unserer jungen Truppen gegen die englische und französische, Uebermacht in den Novembettagen 1914 bei Wytschaete Messines usw. hat sich Ihr Sohn als ein braver, begeisterter und schneeiger Soldat erwiesen, der allzeit steudig seine Wicht tat. Und als die Kompagnie nach kurzem zum Häuflein geworden war und jeder einzelne sich näher kam, lernte ich in Ihrem Sohn auch einen prächtigen Menschen kennen, der gleich treu zu Führern und Kameraden stand." Bald daraus folgte stufenweise seine Beförderung zum Gefteiten, Unteroffizier und — nach b/ijährigem Kriegsdienst — zum Bizefeldwebel. Sein Stolz war eS, daß seine Beförderung jedesmal mit einer besonders schneidigen Tat begründet wurde, über die er mir dann meist unter der Bedingung der Berschwiegenhett berichtete. Im November 1915 erhielt er dann wiederum für hervorragende Leistungen aus Patrouille und insbesondere für die Sprengung des feindlichen Drahtverhaues das Eiserne Kreuz. Jede Beförderung und jede Auszeichnung war dem sich ohnehin rücksichtslos Einsetzenden Ansporn zu gesteigerter Bravour. Für eine hervorragend kühne Tat — er hatte am Hellen Tag unter größter Gefahr bei feindlichem Feuer die Leiche eines in der vorangegangenen Nacht auf Patrouille verloren gegangenen Unteroffiziers

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