KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 12 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 669 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Einst, wenn wieder Friede im Land ist, werden wir Viadrinen wieder zusammen sein. Aber Du bist nicht mehr unter uns. Dann werden alle Gedanken um Dich kreisen und wir werden Dich nie vergessen können/ denn Du bist uns ein SÄck unserer Viadrinengeschichte. Laß mich Dir dasür danken, daß Du unser Bundesbruder warst. Und daß Du unser warst, das ist der Stolz, der uns in unserem Schmede tröstet. Dein Leibbursch Richard Oppenheim Madrinae-Darmstadt). Hrltz Mayer. (Bavariae-Badeniae.) Am 11. Mai 1912 fand zu Heidelberg in der Hirschgasse Bavarenantrittskneipe statt. Wie immer war auch von auswärts eine große Schar alter Herren erschienen, um sich des Frohsinns der Jugend zu erfreuen und von -er Entwicklung der Verbindung sich zu überzeugen. Es war ein selten stimmungsvoller Abend: AuS der stattlichen Korona erhob sich ein Brandfuchs und sprach in seinem harten schwäbischen Dialekt mit einer Fülle der Gedanken und in einer Schönheit der Sprache ganz seltener Art über die Bestrebungen des K. C., daß wir Alten die Köpfe zusammensteckten. Es war Fritz Mayer aus Schwäbisch Gmünd, der da zu uns redete. Im Wintersemester 1911-12 war er, auS religiösem jüdischen Hause stammend, zu uns gekommen, nicht wie mancher andere des gesellschaftlichen Anschluffes wegen oder von der Romantik deS KsrporationslebenS verlockt/ — erst nachdem er sich von dem ernsten Streben der Verbindung und dem Wert der Organisation im Sinne ihrer Ziele in gründlicher Beobachtung überzeugt hatte, wurde er Bavare. Zum K. C.er erzogen zu werden brauchte, von äußeren Dingen abgesehen, Fritz Mayer nicht, denn seiner Gesinnung, seinem ganzen Denken und Fühlen nach war er einer der Unseren, lange bevor er dem Bunde sich anschloß. Ausgestattet mit einer ungewöhnlichen allgemeinen Bildung, gleichermaßen erfüllt von treuester Anhänglichkeit an sein Judentum und von einer innigen Liebe zu seinem Baterlande, schien der junge Student der Staatswissenschaften von vornherein berufen, eine segensvolle Tätigkeit in der Verbindung entfalten zu sollen. Er war eine tief religiöse Natur und erfüllte auch gern pietätvoll die äußeren Formen der jüdischen Religion. Für ihn war aber nicht bloß dem Glauben, sondern auch der wiffenschastlichen Ueberzeugung 'nach das Judentum Religion und vor allem Religion. Seine Ueberzeugung baute sich aus eine gründliche Kenntnis der gesamten jüdischen Geschichte und Literatur. Dabei zeigte er eine ausgesprochene Toleranz gegenüber den verschiedenen religiösen Richtungen des Judentums, gleichwie jedem andern Glauben gegenüber. In einem seiner Feldpostbriefe ist die umfassende, aller Engherzigkeit abholde Duldsamkeit des gläubigen Juden zu rührendem Ausdruck gekommen. Und wenn zionistisches Demagogentum das feinsinnige Verständnis, das der gläubige Jude Fritz Mayer am Grabe eines Kameraden im Heulen der Geschoffe für das religiöse Bedürfnis andersgläubiger Kameraden bekundet hat, in zweckvoller Verdrehung als Ausstuß einer „Weihnachtsstimmung" zu bezeichnen wagt, so wiffen wir, daß von solch armseligen Agitatoren für den frommen Sinn eines Fritz Mayer Verständnis freilich nicht zu erwarten ist, und können nur bedauern, daß der Kampffrohe nicht selbst mehr erwidern kann. — Fritz Mayers Deutschtum beruhte auf fester Bodenständigkeit, auf einem Gesühl völligen Verwachsenseins mit der heimatlichen Erde,, deren Hauch geradezu aus seinem Wesen und Wirken strömte. Für die zionistische Agitation in der Studentenschaft konnte es darum keinen überzeugteren und gefährlicheren, dabei sachlicheren und vornehmeren Gegner geben als unseren „Schwaben-Mayer". Unermüdlich an seiner eigenen geistigen Vervollkommnung arbeitend und mit der Zähigkeit des Wissenden an seiner Ueberzeugung festhaltend, war Fritz Mayer durch seine scharf ausgeprägte Stellungnahme in den Augen deS einen oder anderen älteren „Inaktiven" vielleicht gelegentlich ein „unbequemer" Bundesbruder. Ihm ging die geistige Erziehung unseres Nachwuchses über alles, und in seinem Briefwechsel mit mir wie in zahlreichen Unterhaltungen, in denen er mir nähertrat und zum Freunde wurde, entwickelte er als ganz junger Student schon diese feine Auffaffung mit einer Klarheit und einer klugen Bewertung taktischer Dinge, wie ich sie bei so jungen Menschen kaum je gesunden habe. Und trotzdem war er Verbindungsstudent durch und durch. Gewissenhaft, auch in allen äußeren Dingen, zu jedem Opfer bereit, unermüdlich im Dienst unserer Sache, voller Liebe an seiner Verbindung hängend, dabei über ihren Rahmen hinaus ohne Partikularismus dem Gesamtverband der treueste Vertreter, war er in meinen Augen und in den Augen aller älteren Bundesbrüder geradezu das Vorbild des jungen K.C.ers Ja, mehr als das: erschien den Aelteren unter uns, die mit ihm zusammen für die Verbindung und den K. C. arbeiten durften/ der überragende Führer des kommenden K. C.er- Geschlechtes werden zu sollen.