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KC-Blätter · 1916-07-01 · Heft 12 (Juli 1916) · p. Seite 668

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 12 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 668 (sequence 6)
Language
German
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668 Verbindung- und er rechtfertigte das Vertrauen, daS ihm seine Bundesbrüder schenkten, voll und ganz. Durch Einführung strammer Offizien, durch Fuchsenstunden, Kneipen, Konvente und Vortragsabende m steter Wiederholung gelang es chm, den Verbindungsbetrieb in Frankfurt trotz der ungünstigen Zeitverhältniffe aus mindestens gleiche Stufe mit jeder anderen K.C.- Berbtndung zu bringen. Der K. C.-Stammtisch war unterEinsteins Leitung nur noch dem Namen nach ein Stammtisch. Seine organisatorischen Fähigkeiten haben die junge Verbindung über manche Fährnisse hinweggcholfen. Hier hat er Arbeit geleistet, sür die ihm nicht nur unser kleiner Kreis, sondern unser gesamter Verband ewigen Dank schuldet. Das find Verdienste, die er sich um den K. C. freudig erworben hat. Nur für die Einführung des Fechtens konnte er nicht mehr sorgen. Man rief ihn zum Heere, zur großen Mensur. Da hat er auch seinen Mann gestanden. Denn, obgleich nur ganz kurze Zeit im Felde, war er schon zum Eisernen Kreuze vorgeschlagen. Die Auszeichnung wurde nach seinem Tode seinen Eltern noch zugesandt. Bei all der Arbeit, die ihm in Franksurt sein Amt als Leiter des Stammtisches auferlegte, war er doch ein steißiger Student! Sein Studium hat er gehegt und gepflegt, aus Neigung zu ihm, aus Treue zu sich selbst und aus Dankbarkeit zu seinen Eltern. Das hat er mir erzählt, wenn wir in der Winternacht allein nach Haus gingen, und noch vieles andere. Da war der Himmel in unfern Gesprächen und der Schnee, die Sterne und die Nacht. Da sprachen wir von Gott und den Menschen, von Pflicht und Beruf, von Genießen und Leben, von der Freundschaft und von der Liebe. Er war ein hübscher Kerl und ein stolzer, und hatte soviel Liebe in seinem jungen Menschenherzen und viel Güte. Aber ich glaube, am meisten hat er doch sein kleines Schwesterlein geliwt und sein Daheim. Bon alledem haben wir gesprochen. Auch von der Musik, von seiner Mustk, die lag in seiner Seele, und von der Sehnsucht der Seele — Aber ans Sterben haben wir nicht gedacht! Und nun ist er tot. , Ich glaube, wer immer ihn kennen lernte wie ich, der mußte sein Freund sein und muß es bleibendenn sür den ist er nicht tot. Er lebt in uns, wie wir ihn leben sahen: voll innerlichen Reichtums an Geistesgaben und Gemüt, voll sinnender Phantasie und voller Pflichtbemußtsetn, voll jungburschenherrlicher Freude und Liebe. Ein guter Charakter und ein echter Mensch! So behalten wir ihn in der Erinnerung und vergessen ihn nicht! Walter Moritz Lewinsohn (Saxo-Bav., K. C.-Stammtisch Frankfurt). Werner Guttmam. (Viadrinae-Darmstadt) Diese Zeilen werden Dich nie erreichen, lieber Leibfuchsnie wirst Du sie lesen, nie mir daraus antworten. Denn Du bist nicht mehr. Oben hoch im Osten, vor Riga, haben sie Dich eingebettet, dort, wo Du für uns gefallen bist. Und das Zischen der Geschosse, das Krachen und Bersten, das Dich in den Tod begleitet hat, heult weiter über Dein Grab hinweg. Der Tod hat Dich geholt, so kalt und so roh, als hätte das so sein müssen. Er hat Dich einfach herrisch an sich gerissen, wie Du Dich auch gegen ihn gewehrt hast. Gefürchtet hast Du ihn nicht, aber Du wolltest ihm jetzt noch nicht begegnen: Vor Dir lag noch Dein ganzes Leven, Deine ganze Kraft- Du ahntest es gerade, was es war, das Leben. Ehe Du noch ganz wußtest, was Du zu verlieren hast, noch che Du ganz ermessen konntest, was das Leben Dir zu leisten Vorbehalten hatte, da kämpfte der Tod Dich nieder. Mitten aus Deiner Jugend, mitten aus Deinem Streben heraus, vielleicht noch ehe Du Dich selbst ganz gesunden haltest, raffte er Dich hinweg- und geht gefühllos an der Lücke vorbei, die er damit geriffen- und weiß es wohl gar nicht, was er uns allen in Dir genommen. Architekt wolltest Du werden im Ael Deines Lebens. Und hättest uns schon jetzt Baumeister sein sollen, wenn wieder Friede im Land war und wir daran denken mußten, in Darmstadt das schwierige Erbe anzutreten, das uns das letzte Sommersemester 1914 hinterlaffen. Du warst es, dem wir den Wiederaufbau der Biadrina in die Hände legen wollten, voll Vertrauendenn wir wußten, daß wir nie einen befferen und umsichtigeren Baumeister hätten finden können. Nun bist Du von uns gegangen. Unendlich viel Hoffnungen und Erwartungen, vielleicht unsere ganze Zukunft senken wir mit Dir ins Grab hinab. Und sterben einen Teil unseres Lebens mit Deinem Tod. Lange bevor Du gefallen bist, hast Du es selbst gefühlt, daß Du nie mehr den Boden der Heimat betreten würdest. Deine letzten Nachrichten waren wie der Abschluß mit Deinem Leben. Aber mutig und aufrecht und stolz, wie Du im Leben warst, bist Du dem Tod entgegenaetreten. Ein Streben nach Wahrheit war Dein Lebender Kampf um unsere Ideale war ganz Dein eigner Kampf.

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