KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 11 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 659 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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659 Wenn sich die Juden heute in ihrem Privatleben absondern, so tun sie dieS nicht, um unter sich zu fein, sondern dem Zwang ihren christlichen Zeitgenvffen folgend. Denn es kann doch billigerweise nicht verlangt werden, daß gebildete Juden, die von den ihrer sozialen Stellung entsprechenden Gesellschaftskreisen ausgestoßen oder nur gütigerweise geduldet werden, Zuflucht bei sozial tiefer stehenden Bereinigungen suchen. Der jüdische Verein, der jüdische Zusammengehörigkeitsgedanke, der auch die deutschen Juden znrelfelloS beherrscht, ist nickt die Sehnsucht nach dem Ghetto, sondern ist beweglich daS Ergebnis deS gesellschaftlichen Antisemitismus. Verschwindet dieser, so wird GrabowSky keine Gelegenheit mehr haben, zwischen Asfimilanten und Assimilierten mehr zu unterscheiden. Fürmich gibteS,wenigstens waS die europäischen Juden betrifft, nur Nationaljuden und Staatsbürger jüdischen Glaubens. Während erstere,wie bereits oben erwähnt, bewußt jüdische Kultur, im Gegensatz zur Kultur ihreeigentlichen VaterlanoeS, pflegen wollen, haben die letzteren, um mich mit GrabowSky auSzudrücken, die Alternative Ghetto oder heutige Kultur, im Sinne der heutigen Kultur entschieden. Diese Angliederung an die heutige Kultur bedeutet aber noch lange nicht ein LoSsagen vom Judentum, im Gegenteil. Gerade dieser Krieg hat deutlich genug bewiesen, daß es wohl vereinbar ist, ein guter Patriot und ein guter Jude zu gleicher Zeit zu sein. Echt jüdische, nicht Jargonkultur, und deutsche Kultur sind keine Gegensätze. Sie sind eS nur, wenn man jüdische und Jargonkultur identifiziert. Asfimilationsjuden im besten Sinne des Wortes möchte ich die Juden nennen, die sich als Saatsbürger jüdischen Glaubens fühlen. Diese Juden wollen ihre Zugehörigkeit zum Judentum nicht nur damit begründen, daß sie als Juden geboren find, sondern sie fühlen sich als Glieder der jüdischen Gemeinschast ihrer Länder und haben den Willen, treue Juden zu sein und zu bleiben. ES ist ja klar, daß dieses Gefühl bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger ausgeprägt ist. Aber daS eine steht fest: Es gibt in dieser Hinsicht nur diese beiden Arten von Juden, tertium non clatur. Akademische und Allgemeine Nachriiirien Barm. Rach dem soeben erschienenen amtlichen Personalverzeichnis der Universität Bonn für das Sommmerhalbjahr 1S1Ü sind bis Milte Juni 10 Dozenten und Assistenten, 377 Studenten und ein Angestellter der Hochschule gefallen. Im Heeresdienst sieben von den 4806 eingeschriebenen Studierenden 8878. Auher den eingeschriebenen Studierenden, darunter 233 Studentinnen, besuchen noch 100 Männer und 22 Frauen als Gasthörer die Vorlesungen, so daß insgesamt 4061 zum Hören der Vorlesungen berechtigt sind. Akademischer HUfrbrmd E. B., Zentrale Berlin. Fürsorge für kriegSbeschädlate Akademiker (Studenten und Altakademiker) jeder pollrischen Richtung und religiösen Ueberzeugung, ohne Unterschied von Beruf, Stellung, Zugehörigkeit zu akademischen oder BerufSoerbänden. Berufsberatung, jeder Art Raterteilung, Stellen- Vermittlung, Väder- und Anstaltsfürsorge, Unterstützung, Ttudlenbeihllfe. Anschriften sind unpersönlich zu richten: An die Geichästssteltt des Akademischen HilfsdundeS, Berlin 3Wül., Kaiserliches Patentamt,Sitschinerskrahe 07—108. vandeSveroände und Ortsausschüsse in ganz Deutschland. Auskunft über die Mitgliedschaft erteilen Zentrale und Zweiaorganisationen. Bei Gesuchen ist kurz anzugeben: Art der Beschädigung, Geburtsort, zuletzt besuchte Hochschule, levier Wohnort, etwaige Zugehörigkeit zu amdemlschen Ber. bänden. Das techaischr Studium während der SriegSzeit. Dt« starke Beteiligung der deutschen akademischen Jugend am Kriege zeigen die BesuchSzahttn der N Technischen Hochschutt« des Reiche», «ährend zu Beginn de» ersten »riegswluter» AV4 Männer und 42 Frauen, Im zweiten »riegssemesier 2336 Männer und 60 grauen an den genannten Hochschulen tatsächlich studierten, beites sich im dritten KriegShalbiahr die Zahl der in den Hochschul. städten anwesenden Techniker nur noch auf 1780 Männer und etwa 100 Frauen. Davon stammten aber etwa 900 auS dem befreundeten oder neutralen Ausland, so daß nur etwa 900 deutsche Techniker nicht inS Feld ge. zogen sind. Einschließlich der Einberufenen, die sich ihre akademischen Rechte gewahrt hatten, waren an den Technischen Hochschulen 0062 Studierende eingeschrieben gegen 0606 im ersten KrieaShalbjahr und 13333 im letzten FriedenSsemesier. Hierzu kamen noch die SOV Besucher der neueröffneten Technischen Hochschule in Warschau, so daß sich die Gesamtzahl auf 10482 belief, von denen letnschilenlich der 000 Ausländer, der U)0 Fronen und der 200 Besucher Warschaus) nur 3880 nicht in militärischen Dtrnsttn standen. Mit 1683 Gästen «083 Männern und 921 Frauen) ergibt sich ein Gesauubesuch von 13068 Personen. Bor SriegSauSdruch mögen etwa 10000 rrichSanaehürige Techniker vorhanden gewesen sein; wie erwähnt, waren nur noch etwa 0V0 in den Hochschuistädten anwesend, es standen demnach etwa V000 oder 00'/. im Felde, wobei allerdings zu berücksichtige»» ist. daß den seu der Mobilmachung htnzugekoinmenen »len Studenten kein entsprechender Abgang gegenteht, da die älteren Techniker während der ganzen Kriegsdauer eingeschrieben bleiben. Hinsichtlich de» tatsächlichen Besuchs der einzelnen Hochschulen steht Warschau mit 200 Studenten an der Spitze- Dann folgt die in Deutschland auch in Frieden-, zelten stetdie größte Besucherzahl ausiveisende Technische Hochschule Berlin mt» 868 anwesenden und 3388 »ingeschriebenen Studierenden. München mit 806 und 1381. Dresden mit 307 und 1139, Aachen mir )92 und 641. Hannover mit 148 und 1010» Karlsruhe mit 188 und 764, Darmstadt mir 131 und 823, Stuttgart mir 113 und 702» Braunschweig mit 78 und 822» Danzig mit 62 und 610 und Breslau mir 42 und 380. Die starke Anwesendenziffer Aachens erklärt sich allein aus de»n starken Besuch aus Vuremburg und Holland. de»n bei