KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 11 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 652 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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652 Heinrich Heine, der deutsche Jude.! Eine zeitgemäße Betrachtung. Von Rechtsanwalt Adolf Alsberg (Friburao! Ghibellimae, Rheno-Sileniae), z. Zt. im Felde' (Fortsetzung und Schluß.)*) i Der Liebe zu dem, was deutsch ist, ist Heine; all sein Leben lang treu geblieben. Es ist eine i tendenziöse Entstellung der Wahrheit, wenn immer wieder behauptet wird, die von nationalem fühlen und Empfinden überströmenden Anschau-! ungen und Dichtungen deS jungen Heine seien; mehr aus fremde Einflüsse zurückzusühren. Wenn! man dem Dichter alles abstreitet, das wird man! ihm lassen müssen, daß er wie kaum ein anderer sich von fremden Einflüßen frei zu machen wußte und sehr bald er selbst wurde: wird ihm doch von seinen erbittertsten Gegnern gerade zum Vorwurf gemacht, daß er der deutschen Literatur eine neue, nach ihrer Ansicht verderbliche Richtung gegeben habe. Aber trotz aller äußeren und inneren Wandlungen, die er durchmachte, seine Hingabe an die starken Aeußerungen deutschen Wesens und LebenS ist bei ihm tu allen Zeitläuften gleich groß gewesennoch mehr, er hat für sie seine ganze schriftstellerische Kraft eingesetzt. Zorn hat in der oben angeführten Erwiderung anSasanow in dieser Beziehung die Briefe und Aufsätze über das Frankreich des Bürgerkönigtums erwähnt. Was Zorn von diesen sagt, gilt aber wohl in noch höherem Maße von oen Schriften, die in dem Werke Deutschland! und ll vereinigt sind. Einen Mann, der in der Berbannttng — sie war durchaus nicht so freiwillig, wie manche eS glauben machen möchten — sich ein so starkes und reines Urteil über alles Große und alle wirklich Großen deS deutschen Volkes bewahrt hat, der sich, iüic z. B. in den „Elementargeistern" mit solcher Liebe in den eigensten Schatz der Deutschen, in die gemütStiesen Sagen und Märchen der "Vorzeit versenkt hat, als VaterlandSfeind hinzu stellen, ist eines jeden Menschen unwürdig, dem selbst der Wert des Vaterlandes atlfgegangen in, dem die Vaterlandsliebe nicht nur als Aus» Hängeschild für häßliche Wühlereien dient. Das ist die Art russischer Progrvmdrahtzieher, aber nicht Brauch bei anständigen deutschen Männern. Sogar zum Vaterlandsverräter hat man Heine gestempelt. Man bedenke: die vorerwähnten Schriften waren gerade für Franzosen geschrieben, waren ln den bedeutendsten sranzö- *> der Amnerkima auf T.N17 de» ersten Teiles d»elro Austatze» «eilt nn» Dr Fakob Löwenber^Hamburg inli, bnß von Hum» Lederer lui Austraae der Literarischen t^efcUichali zu Hamburg und des Berliner Komitees ein Heine-Denkmal aefchaffen Ist, sür da» der Hamburger 2enai einen Platz Im neuen Ltadivark hergeaeden Hai. Denkmal, das tvrelis fertigt ist, wäre schon aus. aekieiu worden, wenn nicht der Krieg ausgedrochen wäre. sifchen Zeitschriften, wie der Uevue cies cieuxmoncies, erschienen und hatten den mrsgesprochenen Zweck, den auch damals schon national beschrankten Franzosen zu einer gerechteren Würdigung deutscher Größe zu verhelfen, sie über „das wirkliche Deutschland, das große, geheimnisvolle, sozusagen anonyme Deutschland des deutschen Volkes," aufzuklären. Wer die Schriften unbefangen liest, dem braucht Heine es nicht erst noch zu versichern, daß die Hauptaufgabe seines Lebeirs gewesen sei, ein herzliches Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland herzustellen. Es ist ihm nicht gelungen-und nach den schlimmen Erfahrungen, die wir gemacht haben, wird man die Hossnung aus internationale Verständigung, sei es durch Austauschprosesioren, Aufklärungsschriften oder allerhand Kongreße, überhaupt seyr herabschrauben müßen. Zumal die Fanzosen — das beareist man desto veßer, je länger man unter ihnen weilt — sind nur durch die Wucht der Tatsachen und die eherne Sprache der Geschütze zu überzeugen und auch dadurch nur schwach. DaS ist ein verhänaniövoller Fehler der Franzosenaber daran hätte Heine auch dann nichts ändern können, wenn er ^ag und Rächt „Die Wacht am Rhein" gesungen hätte, waS ihm nun einmal nicht gegeben war. Soviel aber ist gewiß: der Geist, der aus den Werken HeineS spricht, konnte niemals zu einer Unterschätzung Deutschlands bei deßen Feinden führen; konnte eS nicht trotz allen Spottes und Hohns, den der Dichter Uber die verrotteten Zustände des Deutschlands seiner Zeit auSgegoßen hatkonnte eS am wenigsten, nachdem BiSmarck und Mvltke ihre kräftige Sprache gesprochen hatten. Daß aber Heine dazu beigetragen habe, uuS draußen Feinde zu machen, daS werden selbst seine schlimmsten Haßer nicht behaupten wollen, haben eS auch unseres Wißenbisher nicht getan. In seinen herzerfrischenden, trefflichen „Schattenbildern" weist Hervert Eulenberg daraus hin, daß die Franzosen eine Zettlang Deutschland gern »le pays de Henri Heine*, daS Land Heinrich Heines, genannt haben. Dem Dichter war seine Vaterlandsliebe, und dadnrck erweist sie sich als besonders echt und stark, säst noch mehr Herzensals Verstandesjache. Er war Rheinländer und hing an seiner rheinischen Heimat, wie eS eben nur ein Rheinländer und ein Dichter kann: „Seid ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr den Franzosen abtreten, schon aus dem ganz einfachen Grunde, weil mir der Rhein gehört. Ja mir gehört er durch unveräußerliches Geburt-recht, ich bin des freien Rheines noch weit srrlerer Doyn, ans einem User stand meine Wiege und ich sehe gar nicht ein, warum der Rhein irgend einem anderen gehören soll als den Landeskindern." — So