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KC-Blätter · 1916-05-01 · Heft 11 (Mai 1916) · p. Seite 646

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 11 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 646 (sequence 24)
Language
German
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646 Bibel sein. Es liegt eine providentielle Weisung l in der literarischen Tatsache, daß unsere Vorfahren - im heiligen Lande selbst, geschweige in Babylonien,! die aramäische Bergsprache annahmen.! Dennoch aber dars uns die hebräische Sprache! keine tote Sprache sein. Sie ist die Sprache j unseres Gebetes, und unsere hauptsächlichsten Gebete in den klassischen Texten, welche „die Männer der großen Synagoge" verfaßt haben,! müssen wir verstehen lernen, müssen sie in der! Ursprache in unsren Geist und in unser! Gemüt aufnehmen. Hier müssen wir dem 1 Zionismus den Rang ablausen. Unsere Zeit redet viel von Psnchologie und Pädagogik. Man muß es nun enolich einschen lernen, daß wir ästhetische Kulturmenschen, die »vir sind, nicht widerstandslos der christlichen Kunst und Poesie uns hingebcn dürfen, die nicht allein vom neuen Testamente auö, sondern auch mit ihrer christlichen Uebersetzung unsrer alten Bibel den ursprünglichen Sinn und Geist deS hebräischen Gedankens modelt und meistert. Wir bedürfen daher unzweiselhaft innerhalb unserer religiösen Welt einer ästhetischen Gegenkraft gegen die Weltmacht deo christlichen Gedankens und ästhetischen Gcsülils. Sage man doch ja nicht etwa, daß ein solcher Ausruf zur jüdischen Selbständigkeit und Ursprünglichkeit im ästhetischen Bewußtsein ein Kampfruf sei oder gar, daß er unS des einheitlichen Bewußtsein» für die ästhetische Kultur berauben könnte. Wao die Wahrheit fordert und fördert, ist vielntehr immer ein ZriedenSwerk. Die Selbständigkeit unserer Bibel in ihrer Ursprünglichkeit, die ihre Erfüllung für unS nicht im neuen Testament findet, — sie ist imb sie bleibt die Parole des Jndentnins. Die Wissenschaft in ihrem alten Umfang ist nnr abhanden gekommen. Die religiöse "Bildung aber, die nach den einjachsten Elementen der Psiichologie auf den «^rnndlerten unseres Glaubens beruht, diese elementare Sprachbildung lebendiger Religiosilät darf lins nicht verloren gehen. Sv viel Hebräisch muß demgemäß jeder gebildete Jude sich anzneigtten bestreben, daß er die »vichtigsten Gebete mit der ganzen poetischen Kruft der Urspräche znm tiefsten Schatze seines Gemütes macht. »fn, meine lieben Freunde, wenn wir den Zionismus übertvinden, wenn »vir als Deutsche Juden, als Juden Deutsche bleiben »vollen, so »niiise»» »uir unser Verhältnis Aum Judentum ebenso befestigen imb vertiefen, ivie oaS zum Deutschtttm. lind wer das deutsche Wesen und die delitsche «beschichte recht versteht, der kann eS ja gar nicht be poeiseln. daß a»lch daS Deutschtum die »vahrhafte liidlfäic Religiosität vv»n delttschen J»rden fordert. Es ist ja leider ei»» verhängnisvolles Vorurteil bei uns. daß allch der Ehrist seine Religion verloren hätte. Das ist falsch und ein gefährlicher Irrtum. Der Christ, der den Kirchenglauben preisgibt, hält um so selbstbewußter fest an der Ansicht von der reinen Lehre Christt. Wieviele unter uns Juden aber verteidigen ihr Judentum eigentlich nur als Dissidenten. Daher macht die Regierung häufig den Fehler, sich nur an die Orthodoxen zu halten. Wir werden auch als Menschen und als deutsche Menschen erst dann recht und aufrichtig geachtet »verden, wenn unsere jüdische Religiosität in ihrer ganzen Lauterkeit, Kulturkrast und menschlichen Innigkeit unzweifelhaft zur Anerkennung im Be»vußtsein des christlichen Mitbürgers gelangt. Liebe Kommilitonen, lernet es doch immer mehr begreifen und beherzigen, daß wir eine Religion der sittlichen Wahrheit haben, die daher nicht nur eine Vergangenheit von Jahrtausenden mit ihren Literalurschätzen geborgen hat, sondern die in dem Gedanken deS Einzigen GotteS die Grundlage der Religion der Zukunft ist, der einigen Religion der Menschheit. 3m Gstjudenfrage. Der Gefchästsführende Ausschuß des K. C. hat in feiner am 21. April in Frankfurt a. M. stattgehabten Plenarsitzung die nachstehende Entschließnng gefaßt, die den Verbandsbrüdern bei der Behandlung der Ostjudenfrage als Nichtlitiie gelten soll: 1. Jegliche AuSnahmevorschristen, durch »velche die Gleichberechtigung der deutschen Juden beeinträchtigt »verden könnte, sind abzulehnen. 2. Es ist für die bürgerlich-rechtliche Gleichstellung der Ostjuden in den LandeSteileu, »velche zu den Zentralmächten ko»n»nen oder aus deren Gestaltung die Zentral- »nächte Einfluß haben sollten, ei»»zutreteu. „Vuell und Judentum." In der Nr. 13 der „WtngolfS-Blätter" vom l. April 1916 findet sich folgende Notiz, die in Nr. ß der „Akademischen Blätter", der Zeitschrift de- „Kysihänser-BerbandeS" der Vereine Deutscher Studenten, neuerdings auch in den „Deutsch - völkischen Blättern" natürlich mit Behagen abgedruckt wird. Da» neunte Oeft der ». Ü.-Blätter. Zeitschrift jüdischer Verbindungen »Januar-Februar dringt einen nufiatz eine» Frankfurter «tudenten über die Krimlnalität der Zu den. in welchem aus statistische Zusammenstellungen in StuppinS Buch *Dle Jude»» der «8eae>»»vart" Bezug genommen wird. Dies kon»mt i» dein Schluß d«ch die Zuden stärker an betrügerische»» Berm-gensvergehen. die »thristen an ÄetyalttüligkettS- und Stoheit-vergehen beteiligt Und. ^Znterelsant." dettzt es in den» Artikel. *lfi aber cutt Durchbrechung der erwähnten Auppinlchen Formel.

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