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KC-Blätter · 1916-05-01 · Heft 11 (Mai 1916) · p. Seite 633

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 11 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 633 (sequence 11)
Language
German
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633 sein Vaterland und gegen seine Glaubensgenossen. Drei Stunden lang haben wir uns heiß gesprochen. Ganz sind wir nicht zusammengekommen. Aber wir haben uns wenigstens die Hände reichen Sur unserer Zeldpost-vriesmappe?) G. K. 4.3.1916. Lieber Leibfuchs! Vielen Dank für Deine Sendung. Aber warum gleich so schweres Geschütz. Latz Dich also belehren. Ich habe in dem guten Glauben gelebt und lebe noch darin, datz ich Dich als Leibfuchs und Freund so wie alle andern benachrichtigt habe und habe mir bislang nicht erklären können, weshalb ich keine Antwort bekam. Hätte ich nun nicht den dummen Streich begangen, gleich in den ersten Wochen einen vom Schrank fallenden Lampenschirm durch Gegendrängen mit der Hand zu retten, dann wäre schon längst eine Anfrage gekommen. So aber habe ich mir dabei eine Muskel durchtrennt und mutzte gut 14 Tage mit einer Schiene herumlaufen. Ich mutz nach allem annehmen, datz jener erste Brief Dich nicht erreicht hat, denn ich pflege einlaufende Post nach ihrer Beantwortung zu vernichten oder in ein besonderes Kuvert zu stecken. Da nun findet sich Dein letzter. Diese Erklärung meines absolut reinen Gewissens wird Dich hoffentlich milder stimmen und die Schuld einer auch von mir sehr bedauerten Schicksalstücke zuschieben. — Nun wären wir ja hoffentlich wieder klar, wie der Seemann sagt. Ich sehe endlich einen lang gehegten Wunsch gut und schön in Erfüllung gehen. Ich hatte mir nichts besseres wünschen können. Ich habe natürlich zuerst täglich neue intereffante Eindrücke empfangen. So etwa 8 Tage lang war ich dauernd im Tran, Kopfschmerz, Müdigkeit, Unlust zu jeder Arbeit und immer im Unklaren über die Peristaltik meines Magens, ob nach dem oralen oder aboralen Pol zu. Doch auch hier ging alles klar. Jetzt natürlich merke ich längst nichts mehr und mir ist, allerdings bei eisernem Willen, als hätte ich Zeit meines Lebens nichts betrieben als die Seefahrt. Datz ich ärztlich viel aufgebe, ist klar. Es ist aber gut, datz ich aus der einseitigen Schusterei mal rauskomme und auch Zeit finde für Geselligkeit, Frohsinn und allgemeine Bildung und Wissen. Ich war doch mächttg runter und erwarte von der frischen Seeluft das denkbar beste. Wäre der winkende Hafen Hamburg mit all den familiären und all den zarten und sonsttgen Banden, dann bliebe überhaupt nichts zu wünschen. Ich habe vor, nach dem Kriege noch einmal 3—4 Monate dorthin zurückzukehren und dort, statt wie erst beabsichtigt in Berlin, Bakteriologie zu betreiben. So, mein Lieber, jetzt sind die erlaubten zwei Seiten zu Ende. Ich schlage Dir vor, datz wir dafür lieber mal öfter schreiben. Heil und Sieg! Dein tr. Leibfuchs Weiskopf. 14.4.16. Lieber Leibfuchs! Und wenn heute noch so verführerisch die liebe Sonne scheint, dies herrliche Himmelskind, das mich jetzt mit seinem Reiz so tief gepackt, heute kämpfe ich dagegen an und mutz siegen. Also herunter in die Bude und nun mal wieder geschrieben. Früher brauchte ich zwei Wecker, um aufzustehen, jetzt treibt's mich morgens raus, denn *) AuS Raummangel mutzten einige bereits gefetzte Feldpostbriefe zurückgestellt werden. (Die Schriftleitung.) können, weil wir unseren guten Willen erkannten, einen Weg zu einander zu finden. Cand.rer. pol. Fritz Mayer jBavariae), z.Zt. Leutnant d.R. im 17.bayr. Res.-Jnf.-Reg. was gäb's Herrlicheres, als die Sonne, das goldige Kind, morgens bei seiner Toilette zu überraschen so eben in dem Augenblicke, wo es kokett zum Schlafgemach hervörschaut. Wir sehen hier Stimmungen und Motive geradezu glänzend. Ich möchte malen können. Und in dem Sonnenglanz dann die deutsche Flotte, die stolzen stählernen Panzer, wie sie das Wasser schneiden. Kommen gar dazu noch unsere kleinen Husaren, die Torpedoboote, die wie Fische sich drehen und wenden, so richttg in ihrem Elements die Röhre gerichtet und alles spähend, dann Jung, ist Dir doch anders, doch stolzer, als wenn Du für'n Groschen mit der Elektrischen ins Lazarett fährst. Nun möchte ich nur auch noch erleben, datz wir bei solchem Sonnenschein, den Engländer zuvor ordentlich verpinselt, in den Hafen einlaufen, so recht kn der ersten Freude von Volk und Marine begrüßt. Hoffentlich kommt auch der Tag. Was veröffentlicht werden darf, erfährst Du aus den Zeitungen. Wir können mit dem neuesten Zeppelinlmd U-Boot-Erfolgen zufrieden sein. Heil und Sieg! Latz auch Du .wieder was hören. Dein tr. Lbb. Weiskopf. Mein lieber Kleemann! Es ist sicher nicht etwa blotz die jedem Seemann eigene Scheu vor der Feder, die mich veranlatzt hat, Dir so selten zu schreiben. Ich zweifle nicht) es gibt vielleicht eine Menge Dinge, die geschrieben werden können, aber die Hemmung, die sich beim Schreiben einstellt, ist stärker als jede nüchterne Ueberlegung. Denk Dir einen Schützengrabenkrieg zur See, so ungefähr kann man's wohl nennen, und Du hast ein grobes, ungefähres Bild. Was an Wissenswertem herauskommt, sagen Dir die Zeitungen. Das bedeutendste Ereignis der letzten Zeit war die Fahrt an die englische Küste. Wer nun aber denkt, Zeitungsresultat und wirkliche Leistung sei dasselbe, der ist natürlich sicher im Irrtum. Wer also etwa folgert, ein paar Fahrten gegen England, ein paar Seegefechte, na, die han's gut! Immer nur U-Boote, Zeppeline! Wo ist die Flotte? Sie ist da! Sie hält gute, anstrengende Wacht. — Ich habe es mit meinem Kommando gut getroffen, sowohl militärisch, als ich schon manche Fahrt habe untmachen können, als auch ältlich, denn auf Schiffen unserer Art ist immer etwas los im Revier. Nur schade, datz man natürlich mehr ausladen muß, als im Frieden. An den Hafentagen kann man ins Lazarett gehen und da ein paar Stündchen lesen, sodatz man mit der Medizin einige Fühlung hält. Was wird nur nach dem Krieg? Nun Seemannsgrutz und Heil und Sieg! Dein Weiskopf. Lieber Kartellbruder! Am 17. April, abends 7 Uhr, versammelte sich eine andächttge Gemeinde von mehreren hundert Feldgrauen in der Synagoge zu Mitau. Bon allen Teilen der Armee waren sie herbeigeeilt, um mit ihrem verehrten Armeerabbiner Herrn vr. Sonderling (Hamburg) den Sederabend zu begehen. Nach einem kurzen Gottesdienste ging es in geschloffenem Zuge unter Absingung patriotischer Lieder von der Synagoge hinaus zur Kriegsverpflegungsanstalt derKommandantur Mttau,

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