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KC-Blätter · 1916-05-01 · Heft 11 (Mai 1916) · p. Seite 631

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 11 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 631 (sequence 9)
Language
German
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631 bei der Marine sein zweites Milttärhalbjahr abzudienen. Eine seltsame Idee bei einem, der, wie er, aus dem Herzen Deutschlands, aus Thüringen, stammte! Eine voll verständliche, aber bei einem, der so von ganzem Herren K. C.er war wie er. Er hatte es sich zur Ausgabe gestellt, als erster Jude seine Ausnahme in das Marinesanitätskorps zu erreichen. Im Kriege wurde Weiskopf als einer der ersten Juden, vielleicht überhaupt als der erste, zum Marineassistenzarzt befördert. Als die Dienstzeit hinter ihm lag, kam er als Assistent an das Königsberger pathologische Institut. Arbeit in Massen gab es dort für ihn zu erledigen, und doch fand er, als pflichtgetreuer K.C.er, Zeit, auch der Friburgia sich zu widmen, der er ein warmes, echt kartellbrüderliches Interesse entgegenbrachte und so oft es nur ging, erschien er bei ihr. Es kam der Krieg und ries ihn ab von dort. Nicht, wie er sich's in seiner Begeisterung und Kampfesfreude wünschte, aufs Schiss oder mit der Marinedivision ins Feld, sondern zunächst nach Hamburg ins Marinelazarett. So mancher unzufriedene, unglückliche Brief stammt aus dieser Zeit! Denn trotz der Befriedigung, daß er für seine berufliche Weiterbildung bei „diesem besten Kommando in ganz Europa" unendlich viel lernte, trotz der Zuneigung, die er für Hamburg und die Hamburger, bei denen er verkehrte, empfand, kam er nicht darüber hinweg, daß seine Erwartung, „mit Schießprügel und Pistole herauszukommen oder zum mindesten englische Kreuzer untergehen zu sehen", so sehr enttäuscht worden war. Um so größer die Freude, als, kaum noch erwartet, die Abkommandierung auf die „Wiesbaden" kam. Er war begeistert von dem schmucken Schiff, war froh über die Kameradschaftlichkeit, die darauf herrschte, und war glücklich über die Schönheiten der See, die er mit vollen Zügen genoß, halb froh, halb mit bösem Gewissen die „Schusterei" mal hinter sich lassend. Sein Wunsch, in manchem Briefe wiederholt, war es, nach siegreichem Kamps gegen des Feindes Flotte den Jubel zu erleben, mit dem dann Deutschland seine blauen Jungen feiern würde. Die Erfüllung dieser Hoffnung zu erleben war ihm nicht vergönnt. Am 31. Mai fand bei Hornsriff sein hoffnungsreiches Leben ein allzu frühes Ende. So nimm ein letztes Lebewohl, Du lieber Freund! Ost, in ernsten wie in frohen Stunden, wirst Du uns fehlen, und ein Wiedersehen in Freiburg ohne Dich — wie wird das sein?! Aber ob wir, Deine Freunde/ dort in dem geliebten Städtchen, ob wir anderswo weilen, Du lebst für immer in unseren Herzen. Uns ziemt keine laute Klage, denn Dein Mund, der so oft sagte: „Die Verbindung kann alles", er hätte wohl auch, wenn Du dein Schicksal voraus gewußt hättest, gelaffen gesprochen: navigare necesse est, vivere non necesse. Paul Speier (Ghibelliniae). o k. aus meinem Kriegstagebuch?» (Fortsetzung.) Wir schreiten dahin. Lange Reihen schweigender Schatten. Manchmal wacht ein kurzes Lied auf von der Heimat, von der Liebsten und vom Soldatentod. Hernach ist wieder stille, tiefe Nacht um uns. Nur die Feuer der Zigarren brennen grelle Löcher in die Finsternis. Wir tappen vorwärts Schritt für Schritt auf wohlbekannten Straßen. Vollbeladene Wagen raffen an uns vorbei. Kameraden grüßen uns. Dann grübeln wir weiter. Am Horizont zischt eine Leuchtkugel auf und sendet ein fahles Licht zu uns zurück. Dorthin geht unser Weg und immer, wenn wir ihn beschreiten, ist Anfang und Ende unserer Wochen. Die hohen Ulmen stehen wie drohende Wächter der vielen weißen Kreuze, die uns dies Stück Feindesboden so heilig machen. Wir find müde geworden, auf sie zu achten. In der Einsamkeit des Parkes, der neben der Straße wie ein wehes Geheimnis wuchtet, lärmt Maschinengewehrfeuer. Einst neigten sich hier hohe stolze Wipfel über einem kleinen schmucken, ganz weißen Schlößchen. Jetzt trauern zersplitterte Stümpfe über ein paar übrig gebliebenen Steinen. Man träumt ordentlich vor sich hin. Sieht einen jauchzenden Frühlingstag und die Pracht quellender Bäume, unter denen weißgekleidete Mädchen lachen. Die Geschosse nähern sich. Wir schrecken auf und hasten weiter. Ueber Nacht ist der Frühling auch in die Gräben gekommen. Im kleinen Gärtchen hinter meinem Unterstand sprießt das erste Gras, und wenn ich Brotkrumen hineinstreue, so kommen zutrauliche Sperlinge und picken sie auf. Selbst aus den Faschinen, welche die Grabenwände bekleiden, quellen grüne Knöspchen, und da und dort lugen verschämt die grau-weißen Köpfchen der Palmkätzchen hervor. Der kleine Ofen im Unterstand, unser bester Kamerad während des Winters, wird zum ersten Male vernachlässigt. Man setzt sich auf einen der Schützenauftritte an der Brustwehrfreut sich der tanzenden Mücken und ist restlos zufrieden. In der Nähe stimmt ein Quartett Heimatlieder an. Der Sang ist rauh, aber die ganze sehnsüchtige Liebe unserer Leute klingt in ihm. Auch im Graben des Gegners, dessen Um- *) Beral. 6. Kriegsausgabe, S. 430 ff. und 9. Kriegsausgabe S. 546 ff.

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