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KC-Blätter · 1916-05-01 · Heft 11 (Mai 1916) · p. Seite 630

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 11 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 630 (sequence 8)
Language
German
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ihm — auch über das Grab hinaus — die Treue zu hatten. Wir gehen dann den richtigen Weg, ste ihm zu bezeugen, wenn wir im Sinne der herrlichen Worte tätig sein werden, die über der Stätte von Lahnsteins Ehrenplatz sür künftige Zeiten — dem Hauptportale der Freiburger Universität — in großen goldenen Lettern geschrieben stehen und die da lauten: „Die Wahrheit wird euch frei machen!" vr. Ludwig Neugarten (Ghibelliniae) Assistenzarzt d. Res. Uarl weisKops. (Ghibellinlae» Die Nachricht von dem Sieg über Englands Flotte durcheilte Deutschlands Gaue. Ich las den Bericht, las in ihm mit jähem Erschrecken, daß die „Wiesbaden" in dem schweren Kampfe gesunken sei, und wußte sofort, daß mit ihr auch mein Leibbursch und bester Freund Karl Weiskopf auf dem Meeresgründe ruhte. Mer wenn auch der Verstand ihn verloren gab, das Herz wollte noch nichts davon wissen und hegte und pflegte tagelang jeden kleinsten Hoffnungsfunken, bis dann die Todesanzeige die bitter schmerzliche Gewißheit brachte. In ihm haben wir einen selten prächtigen Menschen verloren, einen K. Cer, wie es — ohne Uebertreibung gesagt — nicht viele gibt. Große Intelligenz, liebenswürdige Güte, Ehrlichkeit, vor allem aber Treue, kennzeichnen fein Wesen. Ein treuer, stets hilfsbereiter Freund den Menschen, die er liebgewonnen, ein treuer, mutiger Verfechter der Ideen, die er als richt^ erkannt hatte, und treu und zuverlässig jede Pflicht erfüllend, so steht Weiskopf denen, die ihn kannten, vor Augen. Wie ernst und überlegend war er, wo es galt, Entschlüsse zu fassen! Wie entschlossen und tatkräftig, wenn Zeit zum Handeln war! Wie froh trotz seines Wesens ernstem Grundzug, wo Freude das Zepter führte, und wie oft unter Fröhlichen gerade er derjenige, der die sprudelnde Laune höher und immer höher zu heben verstand! Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem! Und mancher Generation von Ghibellinen hat dieser liebe, vorzügliche Mensch zum Muster und Vorbild gedient, in vieler Menschen Herzen um seines Wesens willen den Ehrenplatz inne gehabt. Weiskopf ist erst in seinem zwetten Semester K. C.er geworden. Er wurde es nach langer, reiflicherUeberlegung und war es dann von ganzem Herzen sein Leben lang. Vom W. S. 1907 bis S. S. 1909 war er in der Ghibellinia aktiv. Dem eifrigen, pflichttreuen Burschen, dem guten Fechter, dem bescheidenen, aber, wo es am Platze war, selbstbewußt und schneidig auftretenden Menschen übertrüg man voll Vertrauen im W. 1908/09 die Leitung der Verbindung. Es wurde ein Semester von größter Bedeutung für die Entwicklung der Korporation, in dem ihre'Stellung nach außen wie ihr internes Leben in wichtigen Punkten neu sestgelegt wurde. Und nicht zum wenigsten dank Weiskopfs geschickter Führung, die Strammheit und Disziplin mit Frohsinn und Liebenswürdigkeit zu verbinden wußte, ist es gelungen, alle diese Fragen so gut und glücklich zu lösen, daß von der Zeit an die Verbindung mit kräftigem Aufschwung sich entwickelte. Die Einführung der Couleur, die Neuordnung der Statuten und die den Ansprüchen der Verbindung stets voll Rechnung tragende, gewandte Erledigung manch außerewöhnlich ernster, den damaligen Aktiven noch eute lebendiger Fechtangelegenheit sind in der Verbindungsgeschichte mit seinem Namen verknüpft. Auch als Inaktiver, der während seiner ganzen Studienzeit nur zwei Semester lang von seinem so herzlich geliebten Freiburg sich hatte trennen können, hat er der Verbindung stets seine ganze Kraft gewidmet. Immer hat seine Erfahrung, sein kluger Rat den Jüngeren zur Verfügung gestanden und oft, ja meist den Ausschlag gegeben, wenn Meinung gegen Meinung stand. Zum Convent, zum Fechtvooen, zur Kneipe oder zum Exbummel, nie rief man ihn vergebens, wenn die Verbindung ihn brauchte. Ein rechter Student, der beim Becher und auf dem Paukboden seinen Mann stand, das war er noch, als das Examen schon vor der Türe stand. Der „alte Inaktive", der neun Semester schon hinter sich hatte, fuhr froh wie ein Füchslein mit den Aktiven von Freiburg nach Bonn und zeigte dort noch einmal, wie aut er den Speer zu schwingen verstand. Und der Staatsexamenskandidat war fast immer dabei, wenn die Ghibellinen mtt ihren Skiern in den Schwarzwald zogen, um an seiner Winterpracht aus vollem Herzen sich zu erfreuen. Aber bei allem Eifer sür die Korporation und für die Ideale des K. C. hat Weiskopf von Anfang an sein Studium gewissenhaft und mit großer Liebe betrieben. Er war der Fleißigsten einer, und da er auch seltene Begabung für sein Fach besaß, blieb der Erfolg nicht aus. Wie er einst spielend das Physikum gebaut hatte, so bestand er, als die Semester zu Ende gingen, mit der besten Note Staatsexamen und Doktorprüfung. Dann hieß es für ihn Abschied von Freiburg nehmen! Er ging nach Jena, wo er am anatomischen Institut der Universität Medizinalprakttkant wurde und bald bei dem Profeffor solche Anerkennung seiner Befähigung fand, daß ein Kolleg, für die Teilnehmer eines pädagogischen Kursus zu lesen, nicht einem Assistenten, sondern ihm, dem jungen Prakttkanten übertragen wurde. Bon Jena ging er nach Wilhelmshaven, um dort

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