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KC-Blätter · 1916-05-01 · Heft 11 (Mai 1916) · p. Seite 629

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 11 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 629 (sequence 7)
Language
German
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war seine sämtlichen Semester mit ihm in Freiburg zusammen. Wie die meisten der ihm im Tode aus dem Schlachtfelds vorangegangenen Bundesbrüder, liebte und hütete auch Lahnstein jene herrliche Musenpadt wie ein kostbares Kleinod. Er bezog sie im Sommer 1912 und diente in diesem Semester sein erstes halbes Jahr mit der Waffe. Als strammer, schneidiger und eifriger Soldat war er schon reger Gast unserer Verbindung, deren Tendenzen ihm — bei seiner Begeisterung für alles, das den gerechten Kampf verlangt —gleich zusagten. Indessen ermöglichten familiäre Gründe ihm damals nicht, sich aktiv zu melden. Erst in seinem dritten Studiensemester konnte er sich uns anschließen. Dann aber auch war er ganz unser. Gleich forsch als deutscher Jude und jüdischer Korporationsstudent war Lahnstein in Wort und Tat. Dabei befähigten ihn Allgemeinwissen, Umsicht und Energie zu führenden Stellen in der Verbindung, deren Leitung er deswegen auch während zwei aufeinanderfolgender Semester vor Kriegsausbruch innehatte. Beide Male konnte ihm mit Worten der Anerkennung für die vortreffliche Führung seines Amtes das Kreuz des Erftchargierten verliehen werden. Als solcher besonders bevorzugt, in vorbildlicher Weise Jüngeren voranzugehen, ist Lahnstein dieser Ausgabe in vollstem Umfange gerecht geworden, wobei ihm seine Willensstärke nicht wenig zugute kam. Daneben aber gewannen ihm sein aufrichtiger, offenherziger Charakter und fein anhängliches, treues Wesen schnell die Herzen feiner Bundesbrüder, was, wenn auch nur zu einem kleinen Teile, daraus erhellt, daß er in feinem letzten Aktivitätssemeper sechs Leibfüchse besaß. Zu allen stand er in einem prachtvoll innigen Verhältnis, dessen jetzige, gewaltsame Lösung sicherlich auch bei ihnen, die ihn doch nur wenige Monate lieben gelernt hatten, manche Träne zeugte. Mit Rat und Tat ging er ihnen zur Seite, war ihr Erzieher und Beschützer, ihr Führer und Freund. Und sie dankten es ihm mit einer rührenden Anhänglichkeit und einer großen Verehrung. Stets ein geschlossener Kreis voll Harmonie und Eintracht, wenn die Korporation sie offiziell zusammensührte, waren sie aber auch dann unzertrennlich, wenn sie ohne Band und Mütze — nach eigenem Ermessen zusammen sein konnten. Oft und gern folgten sie dann ihrem Leibburschen aus lohnenden Touren in die herrlichen Schwarzwaldberge/ die auch Lahnstein, als guter Kenner des Geländes und eifriger Anhänger jeglichen Sports, liebte und eifriger Anhänger jeglichen Sports, liebte und imatzre. Aver mn ganz oewnoerem «ötoije blickten doch alle seine Leibfüchse auf ihn, wenn er mit lächelnder Miene auf Mensur trat) er, der nicht nur in der kurzen Zeit seiner Aktivität am meisten, sondern auch am besten die Klinge gesührt hatte. Wenngleich so Lahnstein in jeder Beziehung ein vom Geiste echten Studententums durchdrungener Korporationsstudent war, duldete doch, bei allem Pflichteifer für die Verbindung, seine Gewissenhaftigkeit keine Vernachlässigung des Studiums. Tage und Nächte vermochte seine schon früber oft erwiesene Energie ihn arbeiten zu laffen, als durch den drohenden Krieg die Physikumstermine unerwartet schnell sich aneinanderreihten. Am Vorabend des 1. August haben wir dann das bestandene Examen nach feuchtfröhlicher Studentenart noch würdig gefeiert. Zusammen mit dem unvergeßlichen Jacobsohn ist er am übernächsten Tage ausgerückt, begleitet von den größten Hoffnungen und besten Wünschen. Hätten wir damals mit ebenderselben Sicherheit, mit der wir heute unsere in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt sehen, auch aus dem Wert des Menschen sein Geschick für den Krieg Voraussagen können, so würden wir den Tod für ihn verlacht haben. Doch die gefährlichen und gefürchteten Frühlingsstürme haben auch in diesem Jahre wieder vieler Menschen banges Hoffen zu Nichte gemacht, indem fie dem Tode eine mehr als reichliche Ernte brachten. Vom Lebensbaum der Ghibellinia nahm er dabei die in prachtvoller Entfaltung stehende Blüte Lahnstein. Mit ihm haben jedoch nicht nur Freunde und Verbindung einen wertvollen Teil ihres Ganzen verloren, vielmehr trauert um ihn mit Recht geschlossen der K. C. Lahnsteins in vielen Aeußerungen mit aller Deutlichkeit hervortretenderWeitblickinZukunftsfragenüberdenNeuaufbau unseres Vaterlandes und der Betätigung unseres Verbandes, zeigen, daß er nicht unter die AlltagSmenschen zu rechnen war, die unbekümmert um alle Ereignisse nach ewigem Einerlei ihr Dasein fristen. Lahnsteins Idealismus, sein Ziel-und Pflichtbewußtsein, seine rastlose Energie und seine Persönlichkeit in geistiger Beziehung stempelten ihn zu einem hoffnungsvollen, zukunftsreichen Menschen auch für die Allgemeinheit und einem glänzenden, wertvollen Vorkämpfer für die hohe Sache des K.C. Drum verdient sein Tod auch über den Rahmen der ihm im Leben Nahestehenden weitgehendstes, berechtigtes Interesse. Schmerzerfüllt beklagen wir den Heimgang dieses teuren Verstorbenen^ dem unsere Liebe und Anhänglichkeit ein ehrendes Andenken für alle: Zeiten sichern. Und die ihm gewordene, bittere Enttäuschung wird uns ein Mahnen sein/

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