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KC-Blätter · 1916-05-01 · Heft 11 (Mai 1916) · p. Seite 628

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 11 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 628 (sequence 6)
Language
German
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genommen! Im Angesicht des Feindes, iw ehrlichen Kampfe Mann gegen Mann, die freie Stirn dem Gegner zugewandt, hat dieser Held, aufrecht und stolz — in für ihn bezeichnender Weise — den Tod fürs Vaterland gesunden. Achtung, Ansehen und Beliebtheit, die aus vielen von Offizieren seinen Angehörigen gesandten Zuschriften sprechen, geben einwandfreie Kunde von der großen Wertschätzung, denen der Verstorbene stch auch bei Vorgesetzten und Mannschaften erfreute. Am besten gibt diese Gefühle der Beileidsbrief seines BataiÜonskommandeurs wieder, der da schreibt: Sehr geehrte Frau Lahnsteinl Leider muß ich Ihnen die betrübende Nachricht machen, daß Ihr lieber Sohn Leo zu den Helden gegangen ist, die ihr Leben für unser Vaterland Hingaben. Er fand am 23. Marz 1916 in der Frühe, als er mit seinem Zuge die in einen Teil unseres Grabens eingedrungenen Russen hinauswarf, den Heldentod. Ein Schuß in den Kopf machte seinem blühenden Leben ein Ende. Er war sofort tot und brauchte nicht mehr zu leiden. Seine Kameraden brachten die Leiche zurück, die auf dem Friedhöfe in K. beigesetzt wurde. Mit den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften des Bataillons spreche ich Ihnen und Ihren Angehörigen unser innigstes Beileid aus, zu dem schweren Verluste, der Sie betroffen. Ihr nun in Gott ruhender Sohn war nicht nur uns Offizieren, sondern allen Leuten des Bataillons recht gut bekannt, hat er doch bei allen Gelegenheiten fich immer wieder in hervorragender Weise beteiligt. Ich habe ihn persönlich als ganz vortrefflichen Menschen kennen und schätzen gelernt: Er war ein ganzer Mann vom Scheitel bis zur Zehe, ein edler Charakter und leuchtendes Vorbild für seine Kameraden. Seine unermeßliche Liebe zu unserem Vaterlande ist durch nichts besser gekennzeichnet, als daß er sich vom Sanitätsdienst zur Front überführen ließ, um der groben Sache Deutschlands noch mehr dienen zu können. Seien Sie versichert, daß das Regiment dem teuren Toten ein bleibendes Andenken, wie es einem Helden nur geziemen kann, bewahren wird. Und nehmen Sie nochmals aufrichttgste Teilnahme entgegen von Ihrem ergebenen gez. Hauptmann F. Führer des 1. Bataillons Res.-Jnf.-Reg.... Wenn nun Lahnstein, trotz der sicher aus ehrlicher Ueberzeugung erhobenen Lobpreisungen, trotz allseitig anerkannter Tüchtigkeit und trotz seiner langen Dienstzeit nicht zum Offizier befördert wurde, so war das gewiß nicht seine Schuld. An anderer Stelle — und nicht jetzt — wird darüber zu sprechen sein. Lahnstein aber hat auch in dieser ihm gewordenen Enttäuschung sich als ganzer Mann gezeigt. Nur hie allgemeine, vaterländische, nicht seine persönliche Sache lag ihm am Herzen. Das bezeugt die folgende, wörtlich zitierte Aeußerung, mit der er in einem Briefe an seinen Onkel und Vormund seinen Empfindungen Ausdruck gab: „Wenn es mich auch im Augenblick sehr geschmerzt hat, so muß es mir eine Genugtuung sein, daß derselbe Mann, der meine Wahl verhindert hat, mich einst vor versammeltem Regiment als — wahren Helden — feiern mußte. Wenn uns so die Begeisterung genommen wird, so muß an ihre Stelle das eiserne Pflichtbewußtsein treten." So wirkte aus ihn jene bedauerliche Tatsache, die für uns alle vorerst nur die Tragik seines TodeS erhöht. Die Tragik, die darin besteht, zu Beginn eines hoffnungsvollen Frühlings zu fallen, nachdem man ungefähr 20 Monate ausgehalten, nachdem man Hunderten von Gefahren getrotzt hat und sie mit heilen Knochen überwand, während ein Augenblick — vielleicht nicht einmal ebenbürttg einem Teil früherer Gefährntsse — einem wahren, begeisterten Kämpfer das Leben kostet. Und wie herb ist das Sterben für die, die in der langen Zeit ihres Draußenseins in vielen siegreichen Stürmen Erfolge und Auszeichnungen zum eigenen Stolze und zur Freude ihrer Angehörigen erlangt haben und nun schon in Gedanken als größten Erwerb, als schönste Gabe, als lohnendsten Sieg den Ihren daheim das Leben wiederbringen zu können glauben? Wie steigert alles das die Schwere des Verlustes, die Bitterkeit des Wirkens von Frau Unglück, „die keine Eile hat"? In all den Fällen noch ganz besonders, wo — wie bei Lahnstein — ein treuliebendes Mutterherz sich schon während anderthalb Jahre in qualvoller Angst um daS Geschick ihres Sohnes bangte, wo ein durch Anhänglichkeit und Treue gefestigtes, inniges Band aufrichtiger Geschwisterliebe sich all die Zeit über um Wohl und Wehe des Bruders sorgte. So wird auch nur der voll und ganz die Bedeutung des Opfers für die Angehörigen empfinden und fühlen können, der selbst je das Erhabene trautesten Familienglücks gekostet, der weiß, was es zu ertragen gilt, wenn es sich bei ihm um Sein oder Nichtsein seines größten Stolzes, seiner ganzen Hoffnung, seines kostbarsten Schatzes handelt, das alles mit Lahnsteins Ende der Krieg gefordert hat. Dabei erschwert die tiefbetrübenoe, ergreifende Kunde, daß unserm lieben Leo inzwischen noch ein Bruder im Heldentode gefolgt ist, das ohne dies schon so beklagens- und bedauernswerte Schicksalswirken bei der von ihm schwer heimgesuchten Familie. Aber auch wir — Lahnsteins Freunde und Bundesbrüder — empfinden bei all der Tragik die uns durch den Tod erneut gesetzte Wunde als größer, tiefer und schmerzlicher. Auch ohne all die schweren Opfer, die unsere liebe Ghibellinea schon gebracht hat, hätten wir Lahnsteins Verlust nicht so bald überwunden. Denn was er als Soldat seiner Kompagnie galt, bedeutete er als Student seiner Verbindung. Auch hier war er bei weitem primus omnium ihrer jüngeren Mitglieder. Bon Beginn feiner akademischen Laufbahn an habe ich ihn gekannt und

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