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KC-Blätter · 1916-05-01 · Heft 11 (Mai 1916) · p. Seite 627

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 11 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 627 (sequence 5)
Language
German
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627 Le» rahnftein. lGhweMniae) Das Glück ist eine leichte Dirne, Sie weilt nicht gern am selben Orr, Sie streicht das Haar dir von der Stirne Und küßt dich schnell und flattert fort. Frau Unglück hat im Gegenteile Dich liebefest ans Herz gedrückt: Sie sagt, „sie habe keine Eile", Setzt sich zu dir ans Bett .... und strickt. Die mit jedem Tage einer längeren Feldzugsdauer an Bitterkeit noch zunehmende Wahrheit jenes kleinen aber inhaltsschweren Bodenstedtschen Spruches — die in diesem Völkerringen leider wohl noch Tausende werden verspüren müssen, und die noch Abertausende zu trostbedürftigen Menschen machen wird — findet ihre Bestätigung innerhalb unseres K. C. besonders durch das Kriegsgeschick meiner lieben Verbindung Ghibellinia. Sie, die seit August 1914 ihre unwandelbare Treue zu Kaiser und Reich schon durch eine stattliche Zahl dargebrachter, kostbarer Opfer erwiesen, hat erneut im Sinne einer Bekräftigung ihrer überzeugten vaterländischen Anhänglichkeit einen überaus herben Verlust bekannt zu geben. Leo Lahnstein — Kandidat der Medizin — hat als Ofsizierstellvertreter am 23. Mai 1916 den Heldentod gefunden, nachdem er mit stets gleicher,begeisterter Hingabe — dem Vaterlande treue Dienste geleistet hat .... . vom ersten Mobilmachungstage an. Sein ganz kurz vorher noch gemachtes Physikum gab ihm die erste Bestimmung seiner Betätigung. Als Sanitätsunteroffizier war er zu Beginn des Krieges im Elsaß und später am Garnisonlazarett in Rastatt. Aber trotz einer ausreichenden Beschäftigung befriedigte ihn seine Stellung hier nicht. Die — durch den militärischen Dienstgrad bedingten — unselbständigen, dazu wenig fachwiffenschaftlichen Arbeiten, zusammen mit der Ueberzeugung einer höheren Wertschätzung des Mannes im Felde und dem Gefühl, dort im gleichen Range sicherlich mehr leisten zu können, mögen uns „vor der Hand" die intensiven Bestrebungen Lahnsteins — bald an die Front zu kommen — erklären. Sie hatten den von ihm gewünschten Erfolg und zur Masurenschlacht ging es mit dem neuformierten Reserve-Infanterie Regiment . . . . gen Osten. Die erste Frontreise, die ja für jeden Kriegsteilnehmer von geheimnisvoller Spannung und hoffnnngsvoller Erwartung begleitet ist, hatte daneben noch ihre besondere Bedeutung sür Lahnstein. Sie barg für ihn den Auftakt beginnender Verwirklichung seiner eigentlichen, wahren, innersten Abfichten, die er zwar keinem je anvertraut, und die selbst wir, die wir ihn ganz verstanden, nur vermuten konnten. Doch bald schon sahen wir die Richtigkeit unserer Ahnungen durch Geschehnisse erwiesen, von denen einzelne für Lahnsteins Persönlichkeit zu bezeichnend sind, als daß man stillschweigend über sie hinweggehen könnte. So verdient in erster Linie seine freiwillige Meldung zum Dienst in der Front hervorgehoben zu werden. Damals — es war im März 1915 — erwarb er sich auch das Eiserne Kreuz, weil er als Unteroffizier bei einem russischen Ueberfall das Kommando eines vollkommen durcheinander geratenen Zuges an sich gerissen, mit Hurra, bei gefälltem Bajonett den Gegner verjagt und obendrein noch 43 Gefangene gemacht hatte. Und daß diese Tat nicht etwa aus Augenblicksnöten und Verzweiflung geboren war) sondern — wie alle ihresgleichen — ihren wahren Grund in Schneid und Draufgängertum, in Liebe, Treue und ganzer Ergebenheit zur großen, gerechten Sache hatte, bewies auch Lahnsteins weiteres Handeln. Nicht kleinlicher Egoismus leitete ihn bei seinem Uebertritt in den Dienst mit der Waffe. Nicht, weil er als junger Mediziner seinem Siegeskranze vor breiter Oeffentlichkeit keine großen Kriegslorbeeren einflechten konnte, nicht weil seine Stellung als Sanitätsunteroffizier es chm gebot, sich Gefahren auszusetzen, ohne sich ihrer erwehren zu dürfen, ließ er sich in die Reihen der kämpfenden Truppe einstellen, nur um — statt Wunden zu heilen, Wunden zu schlagen. Er tat es vielmehr aus Geboten klardenkenden, weitschauenden, nüchternen Ziel- und Pflichtbewußtseins, die es nicht duldeten, daß er im Kampfe um unsere gemeinschaftlichen Ideale dauernd nur Gesellendienste verrichtete, wo er doch Meisterkräfte in sich fühlte. Lahnstein wollte, als er unter die Fechtenden trat, die sich ihm durch äußere Bestimmungen bietenden Hindernisse beseitigen, um freie Bahn zu schaffen, zur vollen Entfaltung seines sonst behinderten Ich. „Nur" dann und „nur" so, glaubte er, zu Nutz und Frommen des Vaterlandes, zur Ehre des Judentums, zum Stolze seiner Angehörigen und zum Besten des K. C. wirken zu können. Als Unteroffizier wurde er in die Kompagnie übernommen und schnell brachte er es dann zum Offizierstellvertreter und Offizieraspiranten. In dieser Stellung ist er nun gefallen, damit beschäftigt, Russen, denen es bei der mißglückten Entlastungsvffenfive wegen ihrer Ueberzahl gelungen war, in seinen Graben einzudringen, aus diesem herauszuwerfen. An der Spitze seines Zuges hat ein Kopfschuß Lahnsteins jungem, hoffnungsvollem Leben ein viel zu vorzeitiges Ende gemacht. Kein Zufallstreffer hat ihn uns

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