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KC-Blätter · 1916-03-01 · Heft 10 (März 1916) · p. Seite 606

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 10 (März 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 606 (sequence 24)
Language
German
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606 troffen werden müssen, daß die einheimischen Studierenden unter dem Andrang der Ausländer nicht zu leiden haben. Eine Gruppe von Ausländem allerdings würde in Zukunft wohl mancher am liebsten an dm deutschen Hochschulen überhaupt nicht mehr erblicken, nämlich die Söhne des ostasiatischen Jnselreiches, die früher in Deutschland gern gesehene Gäste waren und manchmal übermäßig verhätschelt worden sind. Sie haben die Gastfreundschaft mit schnödem Undank belohnt," reihten sich am 28. April 1916 in der Kammer der Reichsräte folgende weitere Ausführungen an: „Einige Worte zur sogenannten Ausländerei: Meines Erachtens sollen und können die deutschen Hochschulen auch nach dem Kriege ihre Tore nicht vor ausländischen Studierenden verschließen. Wir werden aber gut daran tun, uns die gemachten Erfahrungen zunutze zu machen. Es wird vor allem darauf zu sehen sein, daß in Zukunft auf deutschen Hochschulen die Söhne deutscher Länder das erste Recht haben, dann daß bei der Prüfung der Vorbildung von Ausländem ein strenger Maßstab angelegt wird, und daß sie stärker als die Inländer zu den Unterrichtsgebühren herangezogen werden. Dabei wird vielleicht auch daran gedacht werden können, gewiffe Unterschiede zu machen zwischen Ausländem aus Staaten, die im Völkerstreit auf unserer Seite gestanden sind und zwischen Ausländern aus jetzt feindlichen Ländern. Dann aber lasten sich solche Unterschiede auch denken hinsichtlich der verschiedenen Fächer. Insbesondere werden sich Vorsichtsmaßnahmen empfehlen hinsichtlich der Zulaffung von Ausländern zu technischen und naturwiffenschastlichen Studien. Im übrigen könnte ich mir nichts Verkehrteres denken, als Deutschland etwa in Zukunft geistig isolieren zu wollen. Wir haben zwar hoffentlich endlich gelemt, nicht vor allem Ausländischem bloß deshalb, weil es anderswo herstammt, prüfungslos unsere Verbeugung zu machen und es grundlos zu überschätzen. Aber darum werden wir andererseits nicht so unvernünftig sein, uns selbst der geistigen Errungenschaften und der edlen geistigen Genüsse zu berauben, mit denen französische, englische und italienische Denker und Künstler die Welt bereichert haben. Was solche große Geister an bleibenden Kulturwerten hervorgcbracht haben, ist nicht Sonderbesitz eines einzelnen Volkes, sondern Gesamtgut der Menschheit, und wir werden uns nicht untreu, wenn wir uns unseres selbstverständlichen Anteils daran nach wie vor erfreuen, ohne deshalb die bewundernswerten Schöpfungen der eigenen Meister zu vergeffen." IV. Die Hervorhebung des eigenen nationalen Interesses durch den preußischen Kultusminister und die Darlegung des bayerischen Kultusministers entspricht in ihren Grundgedanken den leitenden Gesichtspunkten, wie sie in der Begründung der Eingabe des Ausschusses der Berliner Studentenschaft niedergelegt sind. Sie decken sich auch durchaus mit den von unserem Verbände vor drei Jahren vertretenen allgemeinen Grundsätzen. Wir haben damals, als es galt, in der Ausländerfrage im allgemeinen und gegenüber den Forderungen des Klinikerverbandes und der Technischen Hochschulen Stellung zu nehmen, hervorgehoben, daß uns die Erfüllung nationaler Pflicht, die Behütung unseres Landes und unserer Volksgenossen vor Schaden und Unrecht durch das Ausland in erster Reihe steht. Wir haben uns deshalb prinzipiell für alle Maßnahmen ausgesprochen, durch welche die Beeinträchtigung der Ausbildungsmöglichkeit deutscher Studenten, die nach besten Kräften zu gewähren wir fiir eine nationale Ausgabe halten, behoben werden kann. Wir haben uns weiter prinzipiell dafür ausgesprochen, daß eine Bevorzugung von Ausländern, in der wir ein Unrecht gegen die deutschen Studenten erblicken, in keinem Falle stattsinden darf. Wir haben aber auch andererseits aus die Jnternationalität der Wissenschaft und aus die hohe Kulturausgabe Deutschlands als Vermittler seiner Geistesgüter hingewtesen. Ebenso wurde von uns nicht unterlaßen, die besondere Konkurrenzgefahr durch das Ausland auf technischen und naturwissenschaftlichen Gebieten zu würdigen und im Jntereffe unseres Landes auf diesen Gebieten besondere Vorsichtsmaßregeln zu empfehlen. Aus diesen Grundgedanken heraus hatten wir uns damals mit dem weitaus größten Teile der von der Klinikerschaft und von den Technischen Hochschulen erhobenen Forderungen einverstanden erklärt und können dies auch heute mit dem weitaus größten Teile der von dem Ausschuß der Studentenschaft der Universität in Berlin aufgestellten Leitsätze tun, zumal viele dieser Leitsätze eine Wiederholung der bereits im Jahre 1913 erhobenen Wünsche sind. Die wenigen Forderungen, welche wir im Jahre 1913 nicht oder nicht bedingungslos anerkennen konnten, enthalten, wie wir seinerzeit ausführlich nachwiesen, Vorschläge, welche sich versteckt oder offen ausschließlich gegen jüdische Studenten richten und nicht den Ausländer, sondern vielmehr den Juden treffen sollten. Wir haben es damals aus Gründen der Menschlichkeit und der konfessionellen Zusammengehörigkeit für unsere Pflicht erachtet, dafür einzutreten, daß Maßnahmen unterbleiben, welche sich absichtlich oder in ihrer Wirkung lediglich gegen jüdische Studenten richten und diese, ohne daß das Wohl unseres Landes es bedingt, unnötigen Härten.aussetzen. Diese Pflicht besteht für uns unverändert auch heute noch und sie ist für uns mitbestimmend bei Prüfung der in den Leitsätzen des Ausschusses der Berliner Studentenschaft enthaltenen einzelnen Forderungen. V. Bevor jedoch im einzelnen auf diese Forderungen näher eingegangen werden soll, möge die Frage aufgeworfen werden, ob es in der gegenwärtigen Zeit überhaupt zweckmäßig und notwendig ist, über wirkliche Leitsätze, wie sie zum Beispiel die Erklärungen der bundesstaatlichen Kultusminister enthalten, hinauszugehen,

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