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KC-Blätter · 1916-03-01 · Heft 10 (März 1916) · p. Seite 588

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 10 (März 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 588 (sequence 6)
Language
German
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588 hatten innerhalb einer Stunde auch die neue Stellung genommen. Hier sah ich zum ersten Mal die Serben, die sich bisher immer nur langsam und schrittweise kämpfend zurückgezogen hatten, in voller Flucht. Tief unter uns zog sich die Landstraße, die das ganze ... tat hinauf führt, hin und auf ihr wimmelte es von Menschen und Fuhrwerken, die in aller Eile nach Süden zogen. Die Serben tragen keine Tornister, sondern haben nur ihren Brotbeutel um und sind auch sonst leicht gekleidet, namentlich tragen sie statt schwerer Sttefel Sandalen. Dieser Umstand kam ihnen jetzt zu statten und sie liefen wie die Hasen. Als wir die Höhe genommen hatten, wollten sich unsere Leute schier ausschütten vor Lachen, jo komisch war der Anblick der wie besessen davonrennenden Feinde. Alle Gewehre wurden nun in die vorderste Linie gezogen und Schnellfeuer auf die Chaussee abgegeben. Trotz der großen Entfernung hatten wir Erjolg. Wir skchen massenhaft Tote und Verwundete auf der Chaussee liegen. Dieser Kampftag war der letzte, den wir auf den öhen kämpften, denn am folgenden Tag wurde unser egiment durch andere abgelöst und ins ... tal hinuntergezogen. Da der Feind ziemlich weit geflohen sein mutzte, so konnten wir zum ersten Mal die Chausseen benutzen und rückten an diesem Tage ziemlich weit gegen Südey vor, bis wir das nächste Dorf erreichten. Die folgen? den Wochen blieben wir am linken Ufer der M ..., unter täglichen Kämpfen vorrückend und ein Dorf nach dem andern nehmend. Das Tal ist hier dicht bevölkert und ein Dorf recht sich an das andere. Die Kampfesweise blieb fast an allen Tagen die gleiche. Die serbischen Dörfer sind nicht wie die deutschen, geschloffen gebaut, sondern sie ähneln etwas den holländischen Dörfern^ Jedes Haus ist durch Gärten, Wiesen und Felder von den andern getrennt und durch Hecken, Zäune und oft natürliche Hindernisse, wie Gräben und Bäche, abgegrenzt. Dieser Umstand bestimmte unsere Kanrpfesweise. Wir benutzten nicht etwa die Eingänge, sondern mutzten uns durch Hecken und Zäune einen Weg bahnen. Jedes Gehöft wurde bis aufs Aeutzerste von den Serben verteidigt und zwar nicht etwa von der Bevölkerung der Dörfer, sondern von serbischen Truppen, denen sich allerdings die männliche Bevölkerung vollständig angeschlossen hatte, aber in der Uniform des Feldheeres. Wenn wir vorher gerüchtweise gehört hatten, die serbische Bevölkerung beteilige sich am Kampfe, so war dies jedenfalls an den Stellen, an denen wir kämpften, nur insoweit zutreffend, als die männliche Bevölkerung in den Reihen des Heeres mitkämpfte. Im klebrigen aber beteiligte sich die Zivilbevölkerung nicht am Kampfe. Zum Nahkampf ist es mit den serbischen Truppen dabei fast nie gekommen, vielmehr erhielten wir Feuer, bis wir ganz nahe herankamen. Dann erschienen aber in allen Fällen, sobald sich die serbischen Truppen zurückzogen, an allen Häusern weiße Tücher zum Zeichen der friedlichen Gesinnung und der Uebergabe. Ein einziges Mal habe ich einen serbischen Bauern mit der Waffe in der Hand gesehen. Im übrigen benahm sich die Bevölkerung geradezu musterhaft. Die Frauen brachten uns Brot, Wein, Trau, ben und andere Früchte entgegen und zeigten sich zwar freundlich, aber doch stets würdig und mit emem gewissen Stolz. Das gleiche gilt von den Männern, die ich sah. Es waren durchweg nur Greise. Auch die Heranwachsende Jugend scheint ausnahmslos unter den Waffen zu stehen, denn ich sah unter den Zurückgebliebenen kaum jemals einen Knaben, der älter als zehn Jahre war. Auch sonst hat mir Land und Bevölkerung einen guten Eindruck gemacht. Die Fruchtbarkeit des Landes habe ich schon erwähnt, der Fleiß der Bewohner erhöht sie. Beim Einbuddün ist mir aufgefallen, wie reichlich der Boden gedüngt, wie gut die Wiesen bewässert und wie gut das Land bestellt ist. Soweit das Auge reicht, sind das ganze ... tal und die Hänge bis hoch hinauf mit Maisfeldern, die mit Weinbergen abwechseln, bedeckt. Die Maiskolben zeigen erstaunliche Größe und eine prachtvoll gelbe Farbe. Die Weintrauben sind von köstlichem Wohlgeschmack. In den Maisfeldern sieht man zahllose Kürbisse, die hier meist als Viehfutter, in gebratenem Zustande aber auch als menschliche Nahrung dienen und recht gut schmecken. Walnutzbäume mit prachtvollen Früchten habe ich überall in den Gehöften gefunoen und Pfirsiche und Aprikosen scheinen ebenfalls glänzend zu gedeihen. Denn ich fand in vielen Privathäusern die köstlichsten eingemachten Früchte, die uns von den Bewohnern freigebig gespendet wurden. Die Ortschaften, namentlich die vielen kleinen Städtchen, machen einen stattlichen und anheimelnden Eindruck. Oft gleichen die Gehöfte kleinen Herrensitzen. Riesengroße Gärten, parkähnlich angelegt, hinter diesen ausgedehnte Stallungen mit viel Rindvieh, Schafen, Schweinen und den für Serbien geradezu charakteristtschen zahllosen Hühnern und Gänsen. In dsn Gärten alte Bäume und prachtvolle Blumen. Die Straßen sauber und die öffentlichen Gebäude über jede Erwartung stattlich und wohl eingerichtet. Die Beobachtung, die ich zum ersten Malein dem Gymnasium in P ... gemacht hatte, fand ich überall bestättgt. In allen Ortschaften fand ich stattliche und geräumige Schulen, schöne neue Verwaltungsgebäude, breite Straßen und wohl angelegte Brunnen. Wie von dem Lande, war ich von den Bewohnern überrascht. Die Gefangenen, die wir machten, waren fast durchweg große, kräftige und wohlgebildete Gestalten. Selbst die Greise, die in den Dörfern zurückgeblieben waren, fielen durch ihre stattliche Erscheinung und stolze Haltung auf. Unter den Frauen zwar keine frischen rotbäckigen Mädchen wie bei uns, aber sehr häufig schöne Erscheinungen und fast ausnahmslos feine, sympathische Gesichter. Häufig spürt man, daß man auf historischem Boden steht. In den Häusern sahen wir oft Bilder von alten serbischen Königen. Namentlich auf ihre neuere Geschichte scheinen die Serben sehr stolz zu sein, wie aus den zahlreichen Darstellungen des Krieges mit den Türken hervorgeht, die wir sahen. Wie glücklich hätte das Volk sein können ohne das maßlose Streben einer von Rußland verleitetenRegierung! Es ist zwar für die Zukunft ganz gut, daß die Serben einmal im eigenen Lande den Krieg fühlen. Zum Schluffe noch eine für unsere Truppen charakteristische Episode aus einem der letzten Gefechte: Daß die Tapferkeit unserer Truppen über alles Lob erhaben ist, unterlag für mich schon keinem Zweifel, ehe ich selbst im Felde war. So habe ich es mir aber nicht vorgestellt. Ich habe während des ganzen Feldzuges, selbst unter dem schwersten Infanterie- und Arttlleriefeuer, niemals einen deutschen Soldaten zurückgehen sehen. Als wir gestern vielleicht etwas zu scharf vorgegangen waren und in einem einzelnen Gehöft lagen, während links und rechts von uns die Kameraden noch weiter zurück waren, erhielt plötzlich unsere Gruppe nicht nur von vorne und von beiden Seiten, sondern auch von hinten Jnfanteriefeuer und gleichzeittg platzten Schrapnells über uns. Kein Mann dachte auch nur einen Augenblick an Zurückgehen oder an Schutzsuchen hinter dem Hause. Vielmehr warfen sich die Leute sofort hin und schanzten sich in dem Hofe ein, um das Gehöft, das wir hatten, unter allen Umständen zu halten, bis unsere Kameraden von rechts und links zu Hilfe kommen konnten. So lagen wir, acht Mann hoch, eine ganze Zeitlang, ohne daß der Feind, der uns dutzendfach überlegen war, sich an uns herangewagt hätte. Ein andermal hatten wir bei einem Dorfkampf viele Gefangene gemacht und das Gefecht

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