KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 10 (März 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 587 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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587 sein natürliches, offenes Wesen, durch seine eigne Art mit jedem Menschen richtig umzugehen, beliebtbeliebt und bekannt, bekannt wie ein bunter Hund, das war seine burschikose Sprache, in der er so gern redete. Wohl selten hat jemand in so jungen Jahren sein Leben so froh genossen wie Baumgartdas Glück, das er beim weiblichen Geschlechts hatte, war für ihn eine Selbstverständlichkeitohne oberflächlich zu werden, nahm er es hin. Gestorben ist er in dem Gedanken an seine Braut, zu der ihn eine jahrelange, aufrichtige Jugendliebe erfüllte, und rührend sind die Zeilen, die er, von Todesahnungen getrieben, an seine Braut richtet. Mutig geht er dem sicheren Tode entgegen und läßt mit innigen Worten sein Liebstes zurück. Mutig und stark zog Baumgart, der sich sofort bei der Mobilmachung freiwillig gemeldet hatte, im Januar 1915 mit den Kürassieren ins Feld. Der Winterseldzug in den Karpathen brachte ihm reichlich Gelegenheit sich heroorzutunseine. Vorgesetzten hielten den strammen Soldaten zum Offizier geeignet. So wurde er im Sommer 1915 zum Offlzierkursus abkommandiert. Ende März ging Baumgart zum zweiten Male ins Feld; als Vizefeldwebel führte er jetzt einen Maschinengewehrzug vor B. . . Hier traf ihn die feindliche Kugel, kurz vor seiner Beförderung. Einen unserer Besten haben wir fürs Vaterland hingegebenes würde dem Wesen unseres teueren Toten widersprechen, wollten wir ob seines Verlustes laut trauern. Möge ihm die Ruhe in fremder Erde werden! Wir, seine Bundesbrüder, werden sein Andenken hochhallen. Voll Stolz und Freude wird der Name Friedrich Baumgart in der Thuringia fortleben. Richard Engel (Thuringiae, Sax.-Bav.) a k. Zeldpostpriefe aus Serbien. Bon Rechtsanwalt 0r. Ignaz Rosenthal, Wiesbaden (Bad.),z.Zt. Kriegsfreiwilliger in einem Jnfanterie-Reg. lSchlutz.) . . . , 24. Oktober 1915. Lieber Bruder! Seit meinem letzten Brief haben wir viel Interessantes erlebt. Von P. . . aus zogen wir uns auf die südwärts gelegene Höhe hinauf und säuberten diese. Hier kam es noch zu heitzen Kämpfen. Nachdem wir einen Tag lang an einem Waldrand eine ziemlich starke Stellung ausgeworfen hatten, wurde uns abends die Mitteilung gemacht, datz morgen eine südlich von uns liegende stark ausgeoaute feindliche Stellung angegriffen werden sollte. Mit einem kräftigen Hurra wurde diese Mitteilung von uns beantwortet. Punkt 4 Uhr am andern Morgen standen wir angriffsbereit. Unser Zug bildete an diesem Tage die zweite Linie. Als es hell geworden war, hatten wir uns unmittelbar vor der feindlichen Stellung eingebuddelt und ich konnte deutlich durch meinen Feldstecher die feindlichen Linien sehen, darin auch eine serbische Eselsbatterie, die uns noch tüchtig zu schaffen machen sollte. Denn als wir nach einiger Zeit Vorsingen und die vorderste Linie eben hinter einer natürlichen Deckung, einem mit starken Pappeln bestandenen Damm, Stellung genommen hatten, während wir uns etwa 10V Meter dahinter eingraben wollten, erhielten wir kräftiges Artilleriefeuer. Unglücklicherweise lag unser Zug auf einer Wiese, die ein ausgetretener Bach vollständig überschwemmt hatte, sodaß wir im Waffer lagen und an ein Eingraben nicht zu denken war. Da die Schrapnells fortwährend in unserer allernächsten Nähe platzten, so mutzten wir uns platt hinlegen. Unsere Artillerie" hatte die feindliche Stellung noch nicht vollständig sturmreif geschossen und so mutzten wir mehrere Stunden lang im Waffer liegen, ohne uns ausreichend gegen das feindliche Feuer decken zu können. Das feindliche Feuer verursachte kaum Verluste, trotzdem die Schrapnell- und Granatsplitter oft in allernächster Nähe niedergingen. Nach einigen Stunden konnte auch unser Zug aus seiner ungemütltchen Lage befreit werden. Wir zogen uns in die erste Linie heran und nahmen gegen Nachmittag die erste feindliche Stellung, um in ihr zu übernachten und am anderen Tage den Angriff fortzusetzen. Der folgende *) Vgl. 9. Knegsausgabe, S. 548 ff. Morgen sollte den schwersten Kampf bringen, den ich überhaupt mitgemacht habe. In aller Frühe begannen bereits unsere Geschütze zu donnern. Die Höhe, auf der wir lagen, gewährten einen großartigen Blick auf das gesamte Schlachtgelände. Der Kampf tobte namentlich rechts von uns und auf den jenseitigen Höhen. Durch meinen Feldstecher konnte ich beobachten, wie unsere schrvere Artillerie arbeitete. Ueberall auf den Höhen sah ich unsere Granaten einschlagen und namentlich ein hoher, stark bewaldeter Berg stand vollständig in Rauch und Flammen. Deutlich sah ich, wie die Serben sich dort eiligst zurückzogen. Gar bald konnten auch wir vorgehen und bereits um 10 Uhr vormittags hatten wir die feindliche Hauptstellung, die stärkste, die ich im ganzen Feldzug gesehen habe, genommen. Es war gleichzeitig der höchste Punkt der ganzen Gegend, und ein prachtvoller Blick bot sich gegen Norden über die Donau hinweg weit nach Ungarn hinein, südwärts tief ins M. . . tal, während man westlich schon die hohen Berge von Montenegro und östlich die schneebedeckten Gipfel der Gebirge gegen Rumänien sah. Noch aber war unsere Tagesarbeit nicht beendet. Weiler südlich befand sich ein steiler Gipfel, den die Serben ebenfalls besetzt hielten. Unser Bataillonsführer ritt heran, beriet kurze Zeit mit dem Kompagniesührer und sagte dann: „Wir greifen an!" Im raschen Vorgehen warf ich einmal einen Blick südwärts und es bot sich mir ein prachtvolles Schauspiel: Auf den Höhen, die wir genommen hatten, tief unten im M. . . tal, auf den jenseitigen Hängen, überall, so weit das Auge reichte, gingen unsere Truppen vor in mehreren Schützenlinien hintereinander, jede Schützenlinie breit auseinander gezogen. Nicht lange blieb mir Zeit zu dieser Betrachtung, denn im selben Augenblick, als wir uns aus der Deckung erhoben, schlug ein fürchterliches Schrapnell, und Granatfeuer vor uns ein Das waren ungemütliche Augenblicke. Die feindliche Artillerie schien ganz nahe zu stehen, denn man hörte fast gleichzeitig das Abschietzen und Einschlagen der Geschosse. Der Feind scheint vortrefflich zu beobachten und das Feuer glänzend zu leiten. Im gleichen Augenblick aber zogen wir uns, ohne erst lange auf Befehl zu warten, noch weiter auseinander und liefen im Sturmschritt den Hang herunter, um durch das Artilleriefeuer durchzukommen. Ohne nennenswerte Verluste gelang uns dies. Schnell hatten wir eine Schlucht, die sich zwischen den beiden Höhen hinzog, erreicht, kletterten sofort den gegenüberliegenden Hang herauf und