KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 9 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 575 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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575 reichen Schriften zu beweisen. So ist z. B. in dem bekannten Antisemiten-Katechismus, der neuerdings unter dem Titel „Handbuch zur Judenfrage" erscheint, diesem Problem ein ganzes Kapitel gewidmet, in dem es u. a. heißt: „Die Kriminalstatistik weist nach, daß die Beteiligung der Juden an den Verbrechen in der Tat. eine im Verhältnis viel größere ist als die der Deutschen"(unterDeutschen versteht hier der Antisemiten- Katechismus natürlich die deutschen Christen). Daß der Vorwurf nicht neueren Datums ist, sondern schon ziemlich lange erhoben wird, beweist ferner ein Aussatz eines Pros. Michaelis, der im Jahre 1781 im 19. Band der Orientalischen Bibliothek erschien und in dem folgende Stelle enthalten ist: „Daß die Juden lasterhafter sind als wir Deutsche, zeigt sich am stärksten aus den Diebesinquisitionsakten. Vielleicht die Hälfte der zu den Diebesbanden gehörenden oder doch um sie wissenden sind Juden, und schwerlich machen die Juden den 25. Teil der Einwohnerschaft Deutschlands aus) gibt nun dieser 25. Teil ebensoviel Spitzbuben als die ganze deutsche Nation aufstellen kann oder gar noch mehr, so folgt, daß die Juden 25mal oder noch mehrmal lasterhafter sind als die anderen Einwohner Deutschlands." Seit dem Erscheinen der Reichskriminalstatistik, also seit dem Jahre 1882, pstegt der Antisemitismus seine Ansicht in einen wissenschaftlichen Mantel zu kleiden, da die Richtigkeit der von ihm beweislos ausgestellten Behauptungen nunmehr von jedermann nachgeprüst werden kann. Er sucht die sich aus der Kriminalstatistik ergebende stärkere Beteiligung der Juden an einzelnen Deliktsgruppen aus.die Verschiedenartigkeit der deutschen und jüdischen Rasse zurückzuführen. Daß die Juden an manchen Delikten stärker beteiligt sind als die Christen, an manchen schwächer, ist eine Tatsache, die sich klar aus der Kriminalstatistik ergibt und die auch von niemand geleugnet wird. Daß jedoch diese Verschiedenheit der jüdischen von der christlichen Kriminalitätszisfer ihren Grund in Rassenunterschieden findet, daß sie also Zeugnis ablege von einer rassischen Minderwertigkeit der Juden, ist entschieden zu verneinen. Welche Faktoren hier mitspielen, wie es also kommt, daß bei manchen Delikten die Juden, bei manchen die Christen überwiegen, soll weiter unten zu erklären versucht werden. Vorher möchte ich noch auf das Verhältnis zwischen Religion und Kriminalität mit einigen Worten eingehen. Liszt lehnt in seiner Arbeit „Das Problem der Kriminalität der Juden" die Religion als Ursache der Differenz der beiden Kriminalitäten ab. „Daß die Religion", sagt er dort, „als solche , nicht in Betracht kommen kann, hat die Reichskriminalstatistik wiederholt hervorgehoben. Es ist ja auch klar, daß«die äußere Zugehörigkeit zu dieser oder jener Religionsgesellschaft — und nur diese, nicht aber die innere Religiösität vermag die Statistik überhaupt sestzustellen — für die kriminelle Betätigung gleichgültig bleiben muß." Der Ansicht Liszt kann hier vollkommen beigestimmt werden. Man kann zwar gegen sie einwenden, daß doch sicherlich bei einer großen Anzahl von Juden die Religion Hemmungsvorstellungen gegen das Verbrechen auslöse und so als negativer Kriminalitätsfaktor wirke. Den gleichen Einstuß übt sie aber auch sicherlich aus alle Nichtjuden aus, und es ist wohl anzunehmen, daß der Prozentsatz derer, die sich in solcher Weise von religiösen Vorstellungen beeinflussen lasten, bei allen Konfessionen so ziemlich der gleiche ist. Wir können also, wenn wir die christliche Kriminalität mit der jüdischen vergleichen, den Einfluß der Religion ohne Bedenken ausschalten. Nach Erörterung dieses Punktes möchte ich die oben zurückgestellte Frage wiederholen: Ist die Verschiedenheit der jüdischen von der christlichen Kriminalität auf Rassenunterschiede zurückzuführen und wenn nicht, welche Faktoren sind es dann, die diese Verschiedenheit Hervorrufen? Die Antwort aus diese Frage können wir nur durch Massenbeobachtungen gewinnen. Die Unterlagen für eine solche bietet eben die Reichskriminalstatistik. Aus Grund dieser hat nun Ruppin in seinem Werke „Die Juden der Gegenwart" eine Tabelle zusammengestellt, aus der hervorgeht, an welchen Delikten die Juden stärker beteiligt sind und an welchen die Christen. ' Danach finden wir eine stärkere Beteiligung der Juden: 1. bei Wucher . 29,05 mal 2. „ Konkursdelikten.12,62 „ 3. „ Betrug.2,04 „ 4. „ Verbr. unz. Schr.2,04 „ 5. „ Erpressung.1,61 „ 6. „ Verletzung der Wehrpsl. . . 2,16 „ 7. „ Vereitel. d. Zwangvollst. . . 2,01 „ 8. „ Urkundenfälschung.2,33 „ 9. „ Beleidigung.1,31 „ 10. „ Zweikampf ..... 3,66 „ Die Christen übexmiegen bei folgenden Delikten: 1. bei Widerst, g. d. Staatsgew. . 3,63 mal 2. „ Raub und Erpressung . . . 5,55 „ 3. „ Diebstahl.2,84 „ 4. „ Hausfriedensbruch.2,— „ 5. „ Sachbeschädigung.4,55 „ 6. „ Tötungsdelikten.4,33 „ 7. „ Brandstiftung .2,67 „ 8. „ Körperverletzung.2,55 „ 9. „ Abtreib, d. Leibesfrucht . . 1,19 „