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KC-Blätter · 1916-01-01 · Heft 9 (Januar 1916) · p. Seite 571

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 9 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 571 (sequence 29)
Language
German
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571 Kein Ziel ohne Kräftedie Kraft-ist die unerläßliche Voraussetzung für das Ziel. Und damit sind wir bei der Grundlage unserer Erfolge angelangt: das gehorsame Bereitsein, das willige Gehorchen, die Disziplin ist die Quelle der Erfolge. Man hat zwar auf böswilliger oder unverständiger Gegnerseite von unserer Organisation als dem „Militarismus" gesprochen und von der Disziplin als dem „Kadavergehorsam". — Daß Disziplin im Heere wie in der Schule falsch verstanden werden kann, wissen wir, aber ebenso wissen wir, daß Disziplin, das sich Unterordnen, sich fügen Wollen in das Ganze notwendige Grundlage ist für Organisation, für gesetzmäßiges und zielbewußtes Zusammenwirken. Die wahrhaft Großen und Ganzen wissen auch, daß ihrem — oft mißverstandenen — Individualismus nicht Abbruch getan wird durch Disziplin und Organisation. Aus der Geschichte wissen wir, daß die Gehorsamen und Zusammengefaßten die Schaffenden und Wirkenden waren: die Lebenden. Schmerzlich und wahrhaft bekümmernd ist es darum, aus der Nähe der Gegensätze heraus wahrzunehmen, wie gerade die Juden im Osten für das jüdische Schaffen aus dieser Erkenntnis die Folgerung nicht gezogen habensie sind an einzelnen Orten zahlreich genug äußerlich beisammen, daß bei einem Zusammenschluß zahlreiche Kräfte sich fänden, aber da vermißt man Disziplin und Organisation. Ob der Individualismus des Juden,'oder ein „demokratischerSinn" daran schuld hat? Jeder Jude ist ein „Chochem", ein Selbstgescheiter und dem Juden gegenüber ein Skeptiker. Daß es besser Wissende, Tüchtigere und Stärkere gibt, ist dem Juden noch nicht ganz glaubhaft,' und doch wäre das Glaubhaftmachen dieser Tatsache der Anfang der Lösung der Judensrage. Wären die russisch-polnischen Juden diszipliniert und organisiert, so wäre eine Grundlage zu unmittelbarer Verhandlung gegeben und damit eine Möglichkeit zu zielbewußtem Schaffen. So hallt jedes Wort an taube Ohren und jedes Bild trifft blinde Augen: eine Herde ohne Hirten, zersprengt und zerstreut, erst jetzt habe ich die Wahrheit in den Bilddarstellungen der russischjüdischen Künstler erkannt, aus denen — selbst bei großen Gruppen dargestellter Juden — kein Zusammenhang der Massen erkenntlich ist, sie muten an wie Massenporträts, jeder Dargestellte zieht seinen Weg, jeder ist in sich versunken, jeder kennt nur sein Leid. Die Geschichte der Judenheit ist ^zumeist schuld an diesem Zustand, die passive Geschichte im eigentlichsten Sinn: die Leidensgeschichte der Minderheit. Aber die Geschichte soll die Lehrmeisterin der Menschheit sein. „Die Bücher der Chronik (die Geschichtsbücher der Bibel) — sagen unsere Alten — sind uns gegeben, um daraus zu forschen und zu lernen." Wir deutsche Juden haben gelernt, daß Ziele sich nur erreichen laffen durch „Gehorsam" und „Zusammenschluß". Daß wir uns im allgemeinen vaterländisch-deutschen Leben gehorsam und willig unter- und einordnen, ist müßig, zu beweisen. Doch wie ist's im jüdischen Leben? Ich meine, da wirken die Kräfte häufig nicht nur nicht zusammen, sondern gegeneinander. Es herrscht, nachdem wir deutsche Juden einmal auch dazu ausersehen und berufen sind, an der Lösung der osteuropäischen Judenfrage mitzuwirken, keine Klarheit und kein geschlossener Wille für die Aufgabe. Wir Juden sind trotz dem Alter unserer Gemeinschaft noch jung nach dieser Hinsicht. Ob wir doch noch eine befriedigende Lösung für die osteuropäische Judensrage finden werden, bleibe dahingestellt. Aber wir werden immer wieder vor Aufgaben gestellt werden, zu deren Lösung Disziplin und Organisation erforderlich sind. Wir werden auch nach diesem Kriege nicht leichtere Zeiten erleben als vor dem Kriege. Darum müssen wir unsere Kräfte stärken. Wenn nun auch Gehorsam und Zusammenschluß im Kreise wirkende zusammengehörige Kräfte sind, so ist doch der Gehorsam das Primäre. Und Gehorsam ist Erziehungssache in der Kinderstube, in der Schule, im Heere, im Leben. Die akademische Jugend hat vor einem Jahrhundert mit an erster Stelle die deutsche Freiheit geschaffen, die deutsche Welt gerettet. Die jüdische akademische Jugend hat an unserer jüdischen Aufgabe an erster Stelle mitzuwirken. Studentenverbindungen sind keine jugendliche Spielerei, „Fuchs" und „Bursche", „Präside" und „Corona" haben einen Sinn, sie sind das Spiegelbild des Lebens. Das wissen wir Akademiker. Wir sollen gehorchen und dienen lernen. Wir sollen „Diener" sein (nicht Sklaven!). Von Dienern wird die Tat geschaffen und durch die Tat das Ziel erreicht. Wo richtiger Gehorsam waltet, da stellt der Zusammenschluß sich von selber ein. Ich hoffe darauf, daß einmal ein Zusammenschluß aller jüdischen Korporationen gefunden wirdmögen die Einzelziele der Verbände noch so verschieden sein: es gibt große gemeinsame Aufgaben. Armeerabbiner vr. S. Levi. A.O.K.X. Zur Gstjuüensrage. In der November/Dezember-Nummer 1915 der Kriegsausgaben der K. C.-Blätter behauptet Herr vr. Felix Goldmann: Ich gäbe mich

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