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KC-Blätter · 1916-01-01 · Heft 9 (Januar 1916) · p. Seite 570

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 9 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 570 (sequence 28)
Language
German
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570 anfänglich nicht viel von uns wissen wollte. Um sie zu ehren und auch um ihr Interesse für uns zu vergrößern, beschlossen wir, eine Philisterkneipe in den Weihnachtsferien zu veranstalten, an der auch die beiden Viadrinen Krause und Aronsfeld als Delegierte teilnahmen. Auch unser Marxheimer erfreute uns durch seinen Besuch, und viele andere, die zu uns Beziehungen hatten, waren erschienen. Der Verlauf des Abends brachte uns einen vollen Erfolg, und wie ich mein Erlebnis in Breslau immer als den trübsten Tag meiner Badenenzeit betrachtet habe, so gelten mir die schönen Stunden dieser Philisterttreipe als der hellste Lichtblick aus jener Periode. Die erwähnten Philister benutzten nachher jede Gelegenheit, ihrem Wohlwollen für uns Ausdruck zu verleihen, und ferner war der Abschluß eines Kartells mit der Viadrina ein gutes Stück nähergerückt. Sehr vermißt haben wir an jenem Abend unseren alten Bundesbruder a. D. Magnus Hirschfeld, der alle Semester einige Male in unserer Mitte austauchte und dann der Urfidulitas ein wahrhaft klassisches Gepräge verlieh. Wenn es nach ihm gegangen wäre, so hätten wir mit der Urfidulitös gleich nach der Eröffnung der Kneipe begonnen, doch mutzte er einige Zeit, die natürlich mit Rücksicht auf ihn möglichst abgekürzt wurde, trotz seiner Ungeduld warten, dann aber konnte er dem Strom seiner Mitteilsamkeit freien Laus lassen. Wie in längst vergangenen Tagen der Barde seinen Zuhörern die Beaebenheiten aus fernen Landen vorsang, wußte Magnus von vielen sonderbaren Dingen zu berichten, die sich nach seiner Behauptung im Wirtshaus an der Lahn zugetragen haben sollten, und von denen er in schönen, selbstverfaßten Versen Kunde gab. So brachte uns das dritte Semester, dessen Entwicklung wir angstvoll genug entgegengesehen hatten, neben erhebenden Stünden auch viele luftige Momente, und vor allen Dingen wußten wir, als es zu Ende ging, daß es nicht zwecklos verflossen war. Die Saat, welche wir gestreut hatten, fing an aufzugehen. Schon die Aussichten für das kommende Semester waren nicht so beunruhigeud wie für die früheren, und wenn sich auch später nicht alles so gestaltete, wie es unseren Wünschen entsprach, so haben wir doch niemals wieder so dicht vor dem Zusammenbruch gestanden, wie es nach unserem zweiten Semester der Fall war. Jetzt im Augenblick, wo die Todeswaffen der Völker ihr blutiges Werk verrichten, da ruhen ja mehr oder weniger die harmloseren, mit denen sich die rivalisierenden Korporationen das Gebiet streitig zu machen suchen. Aber sobald der äußere Friede geschlossen ist, da beginnt wieder der innere Kampf, und siegen wird, wer die Zeichen der kommenden Zeit am richttgsten versteht. Fehler sind immer gemacht worden und werden stets gemacht werden, aber oft waren die gröbsten, unschönsten Fehler nicht die verhängnisvollsten. Ich schließe mit dem Wunsch, daß wir .uns nicht durch die Fehler rivalisierender Korporationen in eine Stellungnahme hineinärgern lassen, die sich als ein verhängnisvoller Fehler für uns erweisen könnte. Disziplin und Organisation. Gedanken eines Feldrabbiners auf dem östlichen Kriegsschauplatz. Man hört es immer und immer wieder aussprechen, daß wir Deutsche unsere Erfolge in dieser Kriegszeit unserer überlegenen Organisatton zu verdanken haben: der Organisation des Heeres, der Organisatton des Wirtschaftslebens, der Organisatton auf allen Gebieten. Mag auch manches der spät — erst im Lause des Krieges — organisierten Gebiete nicht bald den vollen Ertrag gebracht haben, und mag deshalb auch mancher die Art und Weise dieser oder jener Organisatton nicht vollkommen finden: den Wert der Organisatton als solcher wird kein Deutscher bestreiten. Wir wußtens ja im Frieden schon, daß in unserem Heere alles klappt, daß man Generattonen hindurch Erfahrungen gesammelt und verarbeitet hatte, um die Tätigkeit und gemeinsame Arbeit unserer Truppenkörper auf die tunlichst höchste Leistung zu bringen. Und nun muß man einmal da draußen mitten drin gewesen sein bei Aufmärschen, Vorstößen, Umgruppierungen, wo Hunderttausende von Menschen, Pferden, Wagen, Geräten aller Art scheinbar durcheinander geworfen werden, — wir im Osten haben es ja manchmal erlebt — und muß gesehen haben, wie in der Stunde der Entscheidung jeder Mann und jede Sache an den rechten Platz gestellt war nach genauem Plan und auf erwogenem Wege, und wie für den Bestand und die Erhaltung des Planes auf tausend Strömen Nahrung und Kraft zugeführt wird: da denkt man kaum den Gedanken, daß diese Organisatton einmal versagen könne, man bangt nicht um das Aussetzen einzelner Menschenkräfte, es wird in unseren Augen fast wie ein unabänderliches Naturgesetz, von dem die Einzelwesen, die sich nicht fügen, ausgestoßen oder geschleift werden. Organisatton ist wirklich Gesetz, in dem ein überlegener Geist und Wille die kleinen Einzelkräfte zum bewußten Zweck oder Ziel zusammenfaßt. Aber kein Gesetz wird wirksam bleiben ohne die Kräfte, durch die es verwirklicht werden soll.

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