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KC-Blätter · 1916-01-01 · Heft 9 (Januar 1916) · p. Seite 568

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 9 (Januar 1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 568 (sequence 26)
Language
German
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568 wie -ie vadenia zustande kam. Bon vr.M axOppenheimer, Badeniae E.M., Spreviae. lFortsetzung und Schlntz.) Daß ein engerer Zusammenschluß mit der Viadrina von uns gewünscht wurde, war selbstverständlich. Aber für ebenso selbstverständlich erachteten es die alten Badenen, mit der Würzburger W. G. V. Fühlung zu nehmen. Nicht nur weil der ältere Mainzer, der eifrige Förderer unserer Bestrebungen, aus ihr hervorgegangen war, sondern weil die Korporation geographisch nahe von uns ihren Sitz hatte, und zu damaliger Zeit säst in jedem Semester mehrere ihrer Mitglieder in unserem Stammlokal, dem „Goldenen Roß", zu finden waren und die lebhafteste Anteilj nähme an unseren Fortschritten zeigten. Die schriftlichen Verhandlungen wurden alsbald ausgenommen, und schließlich fuhren wir zu dreien, Mainzer, Allen und ich, Eurz vor Ende unseres ersten Verbindungssemesters in den schönen Karnevalstagen nach Würzburg. Der Aufenthalt dort war sehr schön, Speise und Getränke schmackhaft, Wirte usw. sehr liebenswürdig, aber die Hauptsache, wegen der wir hinübergesahren waren, hatten wir nicht erreicht. Es war uns nämlich nicht gelungen, die W. G. V. zum Abschluß eines Kartells zu bewegen, in das auch die Viadrina einbegriffen war. Mit uns Badenen wollten die Würzburger gern Hand in Hand gehen, ja, sie wollten uns sogar durch Zuweisungen aus ihrer Mitgliedschaft unterstützen, aber ein Bündnis mit der Viadrina lehnten sie entschieden ab, und alles Zureden half nichts. Trotzdem schieden wir in voller Harmonie voneinander. Als wir abreisten, hatten sich die Mitglieder der W. G. V. wohl vollzählig auf dem Bahnhof versammelt, und von ihren freundlichen Abschiedsgrüßen begleitet verließen wir die Stadt. Das erste Semester war neben seinen großen Ereignissen auch noch durch die kleine Merkwürdigkeit interessant, daß es das einzige war, in dem unsere Einnahmen die Ausgaben überstiegen. Als ich' im Schlußkonvent von dem günstigen Resultat Mitteilung machte, schlug! Magnus Hirschfeld mit seiner uns alten Badenen so vertrauten todesernsten Miene vor, den Ueberschuß zu versaufen. Natürlich verteidigte ich den Bestand unserer Kasse, der von dem bösen Magnus bedroht wurde, wie eine Löwin ihr Junges. Und trotz der verzweiflungsvoüen Blicke Magni, der seiner Gewohnheit gemäß einfach unsere Zurechnungsfähigkeit bestritt, wurde sein Antrag mit großer Majorität abgelehnt. An den Beginn des zweiten Semesters kann J ich nur mit großer Wehmut denken. Täglich > holte Mainzer in aller Frühe unseren Erst- > chargierten Marxheimer aus dem Bett, um mit ihm auf den Bahnhof zu gehen, wo er Keilobjekte aufzugabeln hoffte, aber kein noch so bescheidenes Füchschen wollte sich einfinden. Ein bescheidenes Füchschen hatten wir auch nicht ergattert, als schließlich der kleine Strauß zu unserer Fahne schwor. Herrgott noch 'mal, hatte mein lieber Freund Richard Strauß ein Mundwerk! Wenn der begann, packte uns alle stummes Entsetzen. Zuerst fand Mainzer nach einer Weile die Sprache wieder und kleidete die Summe seiner Empfindungen in die Worte: Ich berufe einen Ehrenrat. Gewöhnlich fand der hochnotpeinliche Ehrenrat auf meiner Bude statt. Der Delinquent wurde i tüchtig heruntergeputzt, und während er draußen ganz ausgelöst des Urteils harrte, sprach ihrn meine brave Wirtin, die viel zu sehr in Vergessenheit geratene Badenenmutter Frau Link, Trost und Mut zu. Unsere auf Würzburg gesetzte Hoffnung erfüllte sich insofern, wie ein W. G.Ver herüberkam, dem wir die dritte Charge anvertrauen konnten, ferner war noch ein Fuchs aus Köln, Max Auerbach, bei uns aktiv geworden. Unsere Aktivitas bestand also aus den Chargierten Marxheimer, Mainzer, Heimann (W. G. V.j, dem Brander Halle und den Krassen Auerbach und Strauß. Außerdem wurde unsere Corona durch Konkneipanten und Verkehrsgäste wie Abel, Rosenberg, Sandler, Hendelsohn usw. etwas erweitert. Mit der W. G.V. waren wir zwar nicht durch ein festes Band verknüpft, jedoch waren unsere Beziehungen immerhin so nahe, daß, wie ich bereits erwähnt habe, einer ihrer AÄiven bei uns eine Charge bekleiden durste. Nebenher gingen die Verhandlungen mit der Viadrina weiter, aus deren günstigen Abschluß ich den größten Wert legte, da ich durch ihren Einfiuß den jüdischen Charakter des Dreibunds, auf den ich hinarbeitete, zu befestigen hoffte. Die W.G.V. sowohl wie auch der größere Teil unserer Mitglieder wollten nämlich in unseren Statuten die Möglichkeit offenhalten, daß auch ein Nichtjude, der sich zu unseren Prinzipien bekennt, in unseren Reihen Platz finden könnte, während die Viadrina an ihren klar und bestimmt ausgesprochenen Aufnahmebedingungen nicht rütteln ließ. Natürlich war mir der Standpunkt der Viadrinen im Grunde genommen viel sympathischer, und obgleich sich kaum ein Andersgläubiger gefunden hätte, der sich zum Kamps für Ehre und Recht des Judentums verpflichtet haben würde, so wäre anderer- J seits in unseren Statuten ein schwacher Punkt > geschaffen worden, an dem unsichere Kantonisten > einsetzen konnten.

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