KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 9 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 566 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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566 von Staatsgesetzendie Kämpfer des Leonidas sind bei uns wieder erstanden, aber der Geist Spartas ist doch nicht mehr der Geist Deutschlands. Freiwilligkeit aus dem Geiste der Liebe heraus ist etwas ganz anderes. Zu Beginn des Krieges haben sich bei uns an die zwei Millionen Freiwillige ins Feld gemeldetwieviel jüdische Deutsche darunter waren, steht noch nicht fest; aber wir zweifeln keinen Augenblick daran, die Zahl wird die berühmte, uns zustehende Prozentzisfer übersteigen. Dazu hätte es kaum oes Ansporns des Zentralvereins bedurft, dessen Aufforderung, mehr als unsere Pflicht zu tun, von j Feinfühligeren schmerzlich empfunden wurde. Sie! erinnerte zu sehr an die Auffassung von dem Stiefkinde, das doppelt artig sein müsse. Für; das Vaterland im Augenblicke seiner Not nur; eben genau die Pflicht zu tun, wäre ein bej leidigend er Gedanke. Da reicht die Pflicht eben! soweit, als die Kraft; ja, es werden neue, un- ■ gekannte Kräfte entbunden, und sie alle stehen der heiligen Sache zur Verfügung. Solche Höchstleistungen nun gilt es, für den Frieden zu verwerten, diesen neuen Besitz zu einem dauernden zu machen. Man sage nicht,! der Friede bedürfe dessen nicht. So manche Erscheinungen des langen Friedens konnten dahin! ausgelegt werden, daß Hand in Hand mit dem j obenerwähnten, geistigen Subjektivismus ein ethischer Individualismus ging, wobei bej ruflich-bürgerlich volle Pflichterfüllung bis zu j kantischem Rigorismus gepflegt und gerühmt wurde — die gute Tat um ihrer selbst willen, hieß das Schlagwort — während man innerlich von dem halb öder viertel verstandenen Nietzscheschen Herrentum erfüllt war. Zur Grundsatzbildung kam es selten- und vielleicht war dies ein Glück. Was die sittliche Grundrichtung trotz allem war, hat erst der Krieg leuchtend an den Tag gebracht. Bon hier aus wird zweifellos der ethische Idealismus ungeahnte Kräfte gewinnenwir werden überall die höheren Interessen der Gemeinschaft, des Hauses, der Familie, des Berufs, der Gemeinde, des Volkes als die eigentlichen Ziele und Objekte des sittlichen Handelns anerkennen und ihnen im Konfliktsfalle die selbsteigenen unterordnen. Eine nationale, deutsche Gesinnung aber wird auch unserer Ethik die Richtung geben müssen. Das sagen wir nicht etwa, weil wir mit dem Siege, also dem Anschwellen gehobenen Nationalgefühls rechnenauch wenn das Geschick unseren! Vaterlande eine minder glänzende Stellung als vor dem Kriege Vorbehalten hätte, dann gälte es um so mehr. Denn auch der Gesamtwille unseres Volkes war vor dem Kriege, wie während des Krieges, von hoher Sittlichkeit getragen. Der Gesamtwille ist etwas anderes, als der Einzelwilleauch die deutsche Volksseele stand der Verleitung offen. Es hat auch bei uns fropheten des Völkerhasses, Lobredner des cieges, Hetzer und Verleumder in nicht geringer Zahl gegeben, darunter manche einflußreiche. Aber nicht nur das Volk, sondern die Regierenden waren energisch auf den friedlichen Äusbau nach innen bedacht, und haben nach außen jede aggressive Tendenz vermieden. Diese Ueberzeugung haben wir uns gebildet, ohne sie andern aufdrängen zu »vollen. Das Argument von einer Bedrohung durch unsere Rüstungen halten wir für falsch. Aber dem sei, wie ihm wolle: ich stütze meine Ansicht zumeist aus das Verhalten Deutschlands während des Krieges. Unbeirrt durch alles Geschrei der Feinde, können wir daran festhalten, daß Deutschland sich trotz der schwersten Bedrohung seiner Existenz als die festeste Stütze, der treueste Garant des Völkerrechtes erwiesen habe. Es hat seinerzeit im Haag die weitgehenden Vorschläge zur sogenannten Abrüstung aus der Hand des weißen Zaren nicht annehmen könnenaber es hat, um nur einiges zu erwähnen, die Genfer Konvention geschützt, verwundete Feinde ebenso gepflegt, wie Volksgenossen, Gefangene menschlich behandelt. Von Pogromen gegen feindliche Ausländer hat man nichts gehört. Während hinter der russischen Soldateska Vernichtung und Grauen zurückblieben, blüht noch unter den Schrecken des Krieges hinter den deutschen Legionen überall neues Leben aus den Ruinen. Das ist auch in sittlicher Hinsicht bezeichnend! Der Deutsche schreckt zurück vor der Verletzung geheiligter Rechte selbst des Feindes; er hütet sich vor der Zertrümmerung der Stützen menschlicher Kultur und Gesittung, er verleugnet nicht den Zusammenhang aller menschlichen Interessen und Aufgaben, kurz, in ihm schlägt das Menschheitsgewissen. Damit aber erhält unsere nationale Ethik ihren Zug ins Freie und Großeuniversale Humanität oder humaner Universalismus ist die befriedigende und erhöhende Ergänzung unseres nationalen Strebens. Der Begriff der Menschheit ist uns heiliger ist besonders dem Juden unentbehrlich. Fordert heute die eigene Nation viel, so verbietet sie uns doch keineswegs, fremdes Volkstum, fremde Leistung, fremde Art anzuerkennen und zu ehren. Vor Uebertreibung und Ueberschätzung sollen wir uns hüten, das wird dem Deutschen so schwer, wie dem Juden. Das messianische Ideal der Bibel und das Humanitätsideal von Herder, Lessing, Goethe und Schiller — sie sind keine politischen Ideale; ethisieren wir unsere nationale Politik in steigender Richtung, und wir dienen so auch der Gesamtheit der Menschen am besten. Solches Streben ist zuletzt kaum noch ein