KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 9 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 557 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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557 gleichender Gerechtigkeit, besonders im Hinblick auf die Hinterbliebenenfürsorge, Rechnung trägt. Der Akademische Hilfsbund hat uns um die Veröffentlichung der nachstehenden Stellungsnachweise gebeten. Es werden gesucht kriegsbeschädigte Akademiker für offene Stellen: Für Verband im Rheinland wird zur Vertretung eingezogener Beamter ein Herr verlangt, der über schriftstellerische Gewandheit und Organisationstalent verfügt und mit Registratur Bescheid weiß. Stellung bei entsprechenden Leistungen dauernd. Für Versicherungsgesellschaft werden einige Herren zur Erledigung der Korrespondenz verlangt. Arbeitszeit 8—4 Uhr. Gehalt nach Uebereinkunft. Eisenkonstrukteure. Konstrukteure für Kranbau, Martinöfen, Blöcke, Rohre, mit guten theoretischen Kenntniffen und gründlicher Werkstattpraxis für ein Werk im Rheinland gesucht. Gehalt 250—300 Mark monatlich. Naturwissenschaftler oder Historiker, der den Beruf eines Schriftleiters ergreifen will, für Württemberg verlangt. Bevorzugt werden Bewerber' mit einigen Kenntniffen in Strategie und Taktik. Jurist oder Volkswirtschaftler von Handelskammer als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter gesucht. Anfangsgehalt monatlich 200 Mark. Für Verkehrsbüro einer rheinischen Stadt Beamter zum Verkehr mit dem Publikum gesucht, Anfangsgehalt 150 Mk., steigend bis zu 200 und 250 Mk. Nahrungsmittel- und Agrikulturchemiker als Vorsteher eines Nahrungsmitteluntersuchungsamtes in Ostpreußen gesucht. Antritt 1. April. Anfangsgehalt 4220 Mark. Fragebogen für die Stellenvermittlung sind bei der Geschäftsstelle des Akademischen Hilfsbundes, Berlin SW 11, Prinz Albrechtstratze 5, Abgeordnetenhaus, einzusenden. Die deutschen Universitäten im dritten Kriegssemester. Der „Frankfurter Zeitung" entnehmen wir die nachstehende Aufstellung über den Besuch unserer Hochschulen in diesem Wintersemester. Insgesamt sind an den 22 Universitäten des Reichs in diesem Winter 53306 Studierende eingeschrieben gegen 52604 im Vorjahr und 61200 im Sommer 1914. Die Jahres-Zunahme von rund 800 beruht ausschließlich auf der Vermehrung der Studentinnen, und der Rückgang gegenüber dem Stand vor Kriegs-Ausbruch ist in der Wegweisung von etwa 2500 feindlichen Ausländern, dem Wegbleiben von etwa 900 Angehörigen des befreundeten und neutralen Auslands, sowie darin zu suchen, daß eine beträchtliche Anzahl Studierender im Felde steht, ohne einer Universität zuzugehören. Von der augenblicklichen Studentenziffer sind nur etwa 1400 gegen 4800 zu Friedenszeiten Angehörige des Auslandes und 4820 sind Frauen gegen 4000 im ersten Kriegswinter. Von größerem Interesse ist, wie viele Studierende in den Universitätsstädten anwesend sind und tatsächlich studieren, und wie viele als „beurlaubt" im Felde, im Sanitätsdienst oder sonstiger militärischer Verwendung stehen. Die Zahl der Anwesenden (einschl. 4656 Frauen und etwa 1400 Ausländern) beläuft sich auf 15140 gegenüber etwa 22500 (4000 und 1500) im Winter 1914/15 und 16800 (4300 und 1200) im letzten Sommer, sodaß nur etwa 9200 deutsche männliche' Studenten zurückgeblieben sind. In vaterländischen Diensten stehen insgesamt 38000 Männer und etwa 200 Frauen (vorwiegend Medizinerinnen). Da vor Kriegsausbruch etwa 53000 männliche deutsche Universitätsstudenten gezählt wurden, kann aber angenommen werden, daß die Zahl der Kriegsteilnehmer größer ist und zwar so hoch etwa wie die Differenz zwischen ihrem Friedensbestand und der Zahl der Anwesenden, was eine Beteiligung von 40000 — 83,01 v. H. ergibt, gegen etwa 38000 im ersten und etwa 42000 im zweiten Kriegshalbjahr. Das Verhältnis der eingeschriebenen, zum Militärdienst Eingerückten zu den zurückgebliebenen Männern - gestaltet sich an den einzelnen Hochschulen verschieden, * wobei an den einzelnen Universitäten von einigem Einfluß ist, ob die Zahl der Ausländer wesentlich ist; auch ob am Kriege teilnehmende Abiturienten immatrikuliert werden, was insbesondere bei der nach Kriegsausbruch eröffneten Umversität Frankfurt der Grund ihrer relativ geringsten Kriegsbeteiligung ist. Im Reichsdurchschnitt g sind 78,37 v. H. der eingeschriebenen Männer ausgezogen. In Kiel sind 90,4 v. H. fort, nämlich 1645 von 1818, am nächsten steht Freiburg mit 89,5 (1878 von 2098), Greifswald mit 87,0 (841 von 966), sodann Tübingen mit 85,9 (1677 von 1952), Marburg mit 85,0 (1426 von 1678), ihnen schließen sich an Jena mit 84,9 (1235 von 1454), Erlangen mit 81,9 (978 von 1194), Heidelberg mit 81,8 (1520 von 1558), Münster mit 80,4 (1594 von 1982), München mit 80,3 (4461 von 5552), Halle mit 79,4 (1488 von 1872), Bonn und Gießen mit 78,7 (3164 von 4019 und 902 von 1146), Leipzig mit 77,7 (3206 von 4121), Rostock mit 77,1 (578 von 749), Göttingen und Königsberg mit 76,1 (1545 von 2029 und 873 von 1147), Breslau mit 74,4 (1853 von 2490), Berlin mit 71,8 (5286 von 7360), Straßburg mit 71,5 (1028 von 1437), Würzburg mit 62,0 (439 von 708) und zuletzt Frankfurt mit 45,0 <385 von 856». Hinsichtlich der Zahl der anwesenden Studierenden steht Berlin weitaus an der Spitze mit 3244, an zweiter Stelle steht München mit 1555, an dritter Stelle Bonn mit 1292, und erst an vierter Leipzig, das sonst immer die dritte Stelle inne hat, mit 1173; Breslau zählt 840 Anwesende, Göttingen 735, Frankfurt 662, Münster 625, Heidelberg 596, Halle 517, Marburg 514, Stratzburg 466, Königsberg 408, Freiburg 368, Jena 339, Tübingen 332, Würzburg 319, Gießen 277, Erlangen 250, Kiel 247, Rostock 204 und Greifswald 177. Die augenblicklich günstige Stellung von Bonn gegenüber Leipzig, von Jena gegenüber Tübingen und Kiel, von Marburg gegenüber Straßburg, und Frankfurt gegenüber einer Reihe niittlerer Universitäten beruht auf dem stärker entwickelten Frauenstudium an jenen Hochschulen. Die im Herbst des letzten Jahres eröffnete Universität Warschau ist von 1125 Studierenden besucht, so daß an den nun vorhandenen 23 deutschen Universitäten zur Zeit 16265 Studierende anwesend sind. Dazu kommen noch insgesamt 4353 Gäste (2878 Männer - und 1475 Frauen), die zu einzelnen Vorlesungen zugelaffen sind. Die einzelnen Fakultäten und Studienfächer zeigen weder gegenüber dem Vorjahr, noch im Vergleich mit der letzten Friedenszeit wesentliche Veränderungen. Evangelische Theologen sind es 3772, katholische Theologen 1874, Juristen 8689, Mediziner 13951, Zahnärzte 785, Philologen und Historiker 12782, Naturwissenschaftler und Pharmazeuten 7926, Kameralisten 2882, Forstwirte 260 und Tierärzte 385. Zur Frage des Studiums der Ausländer au den preußischen Hochschulen. Die Studentenausschüffe der preußischen Hochschulen beschäftigten sich bereits jetzt wieder mit der Frage der Zulassung der Ausländer zu unfern Universitäten. Nachdem zunächst die Göttinger Studentenschaft Leitsätze zu dieser Frage ausgearbeitet hatte, nimmt jetzt auch der Ausschuß der Berliner Studentenschaft zu ihr Stellung. Es wurden Leitsätze angenommen, die eine sehr starke Beschränkung des Ausländerstudiums forderten. Voraussetzung für die Zulassung der Ausländer soll nicht nur ein wiffen- ' schaftlicher Befähigungsnachweis sein, der den Anforde- ■0