KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 9 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 552 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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552 wehren. Infanterie und Artillerie zog an uns vorbei, um in den Kampf einzugreifen und kurz darauf fuhr unsere Feldküche auf, um uns zu verpflegen und gleichzeitig die langersehnte Feldpost, die wir seit Verlassen Ungarns nicht mehr erhalten hatten, abzuliefern. Kampf und Not waren vergessen. Als einer der Kameraden gar eine Ziehharmonika zum Vorschein brachte und zum Tanz aufspielte, umfaßten wir uns und tanzten auf deni Marktplatz von P . . . Walzer, während auf den Höhen die Schlacht weiter tobte und wir jeden Augenblick gewärtig sein mutzten, in den Kampf einzngreifen. Die Rast zog sich länger hin, wie gedacht, und ich benutzte die Zeit, um einige intereflante Beobachtungen zu machen. Wir lagen, wie gesagt, vor dem Gymnasium. Ich betrat die Räume und fand Briefe an französische und englische Aerzte. Das Gymnasium war bisher ein serbisches Lazarett gewesen und wurde jetzt ein deutsches. Zu meinem Erstaunen sah ich, wie wohl eingerichtet die Lehranstalt gewesen sein mutz. Ich fand eine vorzügliche Bibliothek vor, in der alle möglichen französischen und englischen, daneben aber auch unsere deutschen Dichter vertreten waren, z. B. Goethe, Schiller, Klopstock, Lessing, Herder. Ich sah ein glänzend eingerichtetes Phystkzimmer und ein naturhistorisches Museum, das jedem deutschen Gymnasium Ehre gemacht hätte. Dem Gymnasium gegenüber lag ein stattliches Gebäude, das ich nunmehr besuchte. Es stellte sich heraus, datz es das Büro und Wohnhaus eines Rechtsanwalts war, und ich erbat von dem dort befindlichen Regimentsftab die Erlaubnis, als Kollege des Eigentümers das Büro besichtigen zu dürfen. Mein Erstaunen war grotz, als ich ein Wartezimmer mit Granitfliesen und den kostbarsten Perser Teppichen belegt fand, ein prachtvoll eingerichtetes Sprechzimmer, in dem sine stattliche Bibliothek stand, und eine Wohnung, die dem entsprach. Etwas seitwärts von dem Hauptgebäude stand in dem Gärten ein einstöckiges Haus, das allein als Küche eingerichtet war. Hatte ich in der Wohnung des Herrn Kollegen viele wissenschaftliche Werke und eine schöne Steinsammlung gesehen und daraus erkannt, datz der Kollege ein Mann von Bildung sein mutz, so mutzte ich aus den zahlreichen Töpfen und Töpfchen, Gläsern und Gläschen schlietzen, datz er auch materiellen Genüssen nicht abhold gewesen ist; eine Vermutung, in der mich ein herrlicher Obstgarten bestärkte. Auch hier die köstlichsten Trauben. Früchte und Blumen aller Art. Auch die übrigen Gebäude in P... machten einen vorzüglichen Eindruck. In einem Privathaus fand ich übrigens noch, was nicht unintereffant ist, ein Bild von Schiller. Ueber das serbische Land und seine Bevölkerung ein andermal. Jetzt ist es Zeit, mich zur Ruhe zu begeben. Das Loch, das für heute Nacht mein Schlafgemach bildet, ist mit trockenen Maisblättern fein ausgelegt, das Zeltdach übergespannt, mit Maisstauden und Erde beworfen, sodatz Wind und Regen der Zutritt einigermatzen verwehrt ist, und ich hoffe, datz dre Serben auch heute Nacht schön artig bleiben. Gesundheitlich geht es mir gut. Meine Haut ist zwar durch Wind und Wetter gegerbt und meine Hände sind durch die ungewohnte Arbeit etwas zerrissen und blutig, aber sonst fühle ich mich wohler als je. Ich hoffe, datz es auch Dir recht gut geht und verbleibe mit herzlichen Grützen Dein*) *) Die Briefe werden in der nächsten KriegSauSgabe fortgesetzt werden. (Die Schristl.) G K Aus unserer Feldpost-Briefmappe. Pegolu7, mein alter kappe. Das halt du dir nickt geträumt, Datz du für die Feldpoftmappe Doch einmal wirft aufgezäumt. Warft ja früher nickt zu zügeln, Warft ein feurig Dichterrofj — Setzt gehockt du, lahm an klügeln, Grade wie dein ßerr zum Trotz. 3n dem grotzen Weltenkriege hängft dein alter Ruhm zerann, 3n den (lüften feiern Siege Kölke nur und Smmelmann. Dich warf man zum alten Eilen, Hrmer ßippogryphe, du, Über heut’ loilit du beweifen, Datz du noch nicht ganz D.U. Komm, wir fdiwingen miteinander Uns hinauf in Hefhers ßöh’, Danken wird’s uns HIexander Sn den Blättern des K. E. Denn fo ftand’s in Dummer lieben: «Dein, wir tun es nicht mehr, nein! Wenn nicht mehr uns wird geschrieben. Geht die Feldpoftmappe ein. Eingehn — untere Feldpoftmappe, Die uns allen wuchs ans ßerz Von der Front bis zur Etappe, Unermeßlich wär' der Sckrnerz. Denn die Feldpoftmappe tft es, Die uns aneinander rückt Und die uns trotz manchen (Dilles Sedesmäl aufs Deu’ entzückt. 0, verzeiht, ich bin geholpert, Dock das kommt beim Reiten vor. Und wenn’s foult auch noch mal holpert, ’S ift halt Krieg ~ fragt’s mit ßumorl Und bedenkt, nur um zu retten Untrer Blätter schönste Zier, Dicht um Ruhm, um eitlen, fetten, Stieg ich auf das Flügeltier. Will auch nicht in hohen Dänen, Bis üyrfäus stolz drapiert, Singen, was von Deutschlands Söhnen Wird in Oft und West vollführt. Denn es dünkt rnick fast Blamage, Wenn die ßeldenleier schlägt. Wer, wie ich, bei der Bagage ßäufig hinten fick bewegt. Doch es gibt auch andere Dinge, Die da heischen Sängerlohn — - baut mein Dankeslied erklinge Unferer lieben Redaktion. Ob wir an der Bisne häufen, Sn den Bählen tief versteckt, Ob im Oft wir uns entlausen, Ob in Flandern wir verdreckt. Ob wir schlürfen Siegerwonnen, Mehrend Deutschlands Ruhm und Kraft, Oder ob wir bei Kolonnen Dienen mehr der bandwlrtfckaft. Ueberall wo ein K. E. er Wandelt auf dem Kriegespfad, Schlägt das fierz ihm hoch und höher. Wenn fein beibblatt lieh, ihm naht. Wie nack Spätzlen lechzt der Schwabe, Wie der Bayer lechzt nach Bier, HIfo, liebe Kriegsausgabe, Keckz' ich jedes Mal nach dir. Du umfchlinglt mit feiten Banden Unterer Brüder liebe Schar, Und du hall den Geilt verstanden, Den die schwere Zeit gebar, ßaft begriffen auch das Eine; Wer am Feinde hält dte Wacht, . Will vergasten all das Kleine, Deid und ßatz und Diedertracht. Wiffen’s wohl, da hinten lauern Beiden fdion vom Ontenfafj, Hufzurichlen alte Mauern, flufzufchfiren alten ßatz. Sei es drum — die reinen Waffen, Die erprobt im Weifenbrand, Sollen auch das Recht uns Ichafien, Unter Recht am Vaterland. Wer da vorne fick geschlagen Brav als Deuffcher und Soldat, Der wird auch in Friedenstagen Diedermähen die Giftzahnfaat. Bber bis, ins Knie gezwungen, Deutschlands Feind damiedetbricht. Bis der grotze Sieg errungen, Gibt’s für uns nur eine Pflicht; Feindwärfs ichaun, den Blick geweitet — Dicht erwägen neunmalklug, Was man hinten uns bereitet; Deutsch-Sein, das ift bohn genug, baut durch unsere Reihen schall' es Wie der Würfel uns auch fällt: Deutschland, Deutschland über alles, Ueber alles in der Welt! ßeilig, wie die Fahne, schreitet Dies Bekenntnis vor uns her, 3hr, die unter Blaff geleitet, Babt’s begriffen, ernst und schwer, ßabt gemahnt uns stets auf’s Reue Bn das alte Ideal. Hn den alten Geilt der Treue. Dafür Dank Euch taufend Mall Adolf Alsberg.