KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 9 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 551 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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551 feindlichen Stellungen, die etwas weiter zurücklagen, genommen. Wir wurden hier in den Maisfeldern und Weinbergen von feindlichem Infanterie- und Maschinengewehrfeuer verschwenderisch überschüttet, hatten aber nur geringe Verluste, da unsere Gegner uns offenbar nicht sehen konnten. Mittlerweile waren auch einige Maschinengewehre übergesetzt und hatten in Bäumen Stellung genommen. Gegen 3 Uhr nachmittags kam dann der Befehl, die vor uns liegende Stellung zu nehmen. Wir zogen uns weiter auf die Höhe heran und gingen schließlich in breiter Schützenlinie über den Kamm vor. Dabei machten wir die ersten Gefangenen. Wir hatten anfänglich starkes Feuer, erhalten, das aber plötzlich, als wir auf dem Gipfel waren, etwas nachließ. Wir waren seitwärts in einen seindlichen Schützengraben geraten und ich war im ersten Augenblick ziemlich erschrocken, als plötzlich vor mir etwa 8—10 Kerle aufsprangen. Ich warf mich sofort hin und rief den Kameraden, die hinter mir waren — da ich am linken Flügel war, war ich der erste, der in die feindlichen Schützengräben hineinkam — zu, sich ebenfalls hinzuwerfen. Da faßten die Kerle vor mir mit beiden Händen ihre Gewehre und schmissen sie so weit wie sie konnten, kamen dann auf uns zu, der vorderste küßte mir die Hände und rief: „Makedonier, Makedonier." Sehr stolz rief ich dem Kompagnieführer, der etwas hinter mir war, zu: ,^5err Leutnant, die ersten Gefangenen!" Als wir sie abtransportierten, sagte der Führer, der Unteroffizier, der unter ihnen war: „Deutsche! Deutsche! Serbien verlorren!" Gar bald hörten wir auch von anderen Seiten lebhafte Hurrarufe und nach etwa einer Stunde hatten wir die ganze feindliche Stellung genommen, ohne selbst nennenswerte Verluste zu haben. Wir staunten über die außerordentliche Stärke der seindlichen Stellung, die glänzend und offenbar seit über einem Jahr ausgebaut war. Sie war völlig von Schlingpflanzen, die man angelegt hatte,, überwachsen, durch Korbgeflecht und Erde wind- und .regendicht, und recht gemütlich eingerichtet. Wir fanden Lebensmittel die Menge und sogar eine vollständige Hühnerzucht. Hier sah ich auch die ersten feindlichen Gefallenen, und namentlich blieb mir das Bild eines serbischen Offiziers in Erinnerung, eines jungen, hochgewachsenen, bildschönen Jünglings, der ohne sichtbare Verletzung friedlich dalag. In der linken Hand hielt er eine Photographie, und als ich sie näher betrachtete, sah ich das Bild einer jungen Frau mit einem Kind auf dem Arm. Hier konnte man sich übrigens überzeugen, wie unsere schwere Artillerie gewirkt hatte. Wo eine Granate eingeschlagen hatte, waren tiefe kreisrunde Löcher und weithin waren die Unterstände zufammengefallen. Nur so war es zu erklären, daß diese feste Stellung, deren schnelles Aufgeben uns in nicht geringe Verwunderung versetzte, von den Serben so schnell verlassen worden war. Schnell wurde jetzt die ganze Umgebung vom Feinde gesäubert. Der erste Sieg war erfochten und namentlich für uns junge Truppen war es ein unvergeßlicher Augenblick, als wir die letzten Höhen genommen halten und weithin ins feindliche Land schauten. Bor uns die breite Donau, rechts von uns das fruchtbare Tal der M ... , links von uns.das M . . .-Tal, in dem wir bereits ein Nachbar-Regiment vorrücken7und das erste Dorf besetzen sahen, und weiter südwärts^.schon die ersten höheren serbischen Gebirgszüge. EsRwar ein Bild, das uns in seiner Lieblichkeit überraschte. War das das rauhe und unfruchtbare Serbien, 'von dem man immer gehört hatte? Nicht weit "von uns an den Hängen der M . . . wären blühende Gärten, in denen Trauben von einer Größe hingen, wie ich sie noch nicht gesehen hatte. Dem schönen Tag folgte eine fürchterliche Nacht. Zwar blieben wir vom Feinde, von einem starken Angriffsversuch am rechten Flügel abgesehen, ziemlich' ungestört. Dafür setzte aber ein Regensturm ein, der uns bis auf die Haut durchweichte. Solcher serbischen Nächte, bei denen man vollständig durchnäßt und halb erfroren mit Schmeißen den Tag erwartet, sollten es noch manche geben. Ein Glück, daß einem die Tage die Strapazen kaum empfinden ließen, denn es ging immer vorwärts. Am anderen Tage blieben wir zwar noch bis nachmittags liegen. Ein großer Teil der Komvagnie hatte sich gerade entfernt, um an der etwa IVo Stunde weit entfernten Feldküche, die mittlerweile übergesetzt werden konnte, Essen zu holen. Offenbar hatten das die Serben gesehen und falsch gedeutet. Ob sie geglaubt haben, wir seien auf dem Rückzuge oder was üe sonst in uns Essenholern vermutet haben, weiß ich nicht. Jedenfalls bekamen tvir plötzlich an der Feldküche mörderisches Jnfanteriefeuer von den entfernter liegenden Höhen und auch starkes Schrapnellfeuer. Schleunigst ließen wir uns an der Feldküche die Essgeschirre füllen, da wir nicht mit leeren Händen zurück wollten, und eilten dann im Lauffchritt querfeldein auf dem kürzesten Wege zu unserer Stellung zurück. Es war die höchste Zeit. Die Serben waren recht nahe herangekommen und wir sahen bereits von weitem unsere Kompagnie, das Regiment und die Nachbarregimenter im Aufbrechen.' Die Zelte wurden abgebrochen und dem Angriff durch einen Gegenangriff entgegengetreten. Gar bald hatte der Serbe, die Nase voll und in scharfem Tempo verfolgten wir ihn noch ein gutes Stück, bis die einbrechende Nacht ein Ziel setzte. Das war der einzige Angriff, den bisher die Feinde auf uns gemacht haben. Wir scheinen ihnen die Lust daran gründlich genommen zu haben. Auch am folgenden Tage wurde die Verfolgung des Feindes fortgesetzt. Am folgenden Tage harrte unserer eine besonders interessante Aufgabe. Der Befehl lautete: „Bor uns liegt die Festung P . . . . Damit unsere schwere Arttllerie in Stellung gebracht werden kann, ist es notwendig, das Borgelände zu säubern und die in der Nähe liegenden Ortschaften zu besetzen. Unserer Kompagnie fällt die Aufgabe zu, das Dorf K . . . zu besetzen, Aus- und Eingänge stark zu verbarrikadieren und gegen jeden möglichen Angriff zu hallen." Alsbald brachen wir auf, besetzten das vom Feinde verlassene Dorf, brachten die Zivilbevölkerung in dem Gemeindesaal unter und verschanzten uns. Zu einem Angriff des Feindes kam es nicht, jedoch verlohnte sich die Besetzung des Dorfes in anderer Weise. Mit Vergnügen hatte ich beim Einzug die zahlreichen serbischen Gänse und Hühner beobachtet, die, wie ich bemerkte, auch bei den Kameraden lebhaftes Interesse erweckten. Am andern Morgen ging es gegen P. . . vor. Wir kamen nur schrittweise vorwärts, da die Straßen von deutschen Truppen wimmelten. Es war ein unvergeßlicher und uns mit Stolz erfüllender Anblick, wie von allen Seiten, auf allen Straßen, durch alle Täler und über alle Höhen hinweg die Waffen aller Truppengattungen vorwärts getragen wurden. Einige Kilometer vor P... schwenkten wir links ab, um uns auf Seitenwegen der Festung" zu nähern. Während einer kurzen Rast, die wir im schönsten Sonnenschein auf einer Wiese machten, erhielten? wir!die Meldung, daß die Festtmg selbst geräumt sei und nur noch die umliegenden fHöhen von den Serben gehalten würden. Wir'zogen in die herrlich gelegene, ganz in Gärten und Weinbergen gebettete Stadt ein 'und lagerten auf einem großen freien Platze. Da entwickelte sich eines der eindrucksvollsten Kriegsbilder.-"Auf den Höhen''tobte die^ Schlacht, wir^ lagerten bei zusammengestellten Ge-