KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 9 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 550 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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550 denn es war ganz dunkel geworden und eine Orientierung nur sehr schwer möglich. Dazu quälte mich der Durst. Zum Glück hatte ich mein Kochgeschirr bei mir, und ich ließ mir die gelblich-braunen Fluten der hochangeschwollenen Donau recht gut schmecken. Nach mehrstündigen Anstrengungen sah ich glücklich wieder in der Nabe die Lichter der Insel. Bor dieser Insel'ist im Süden noch ein kleines Jnselchen vorgelagert und die Donau bildet hier einen ganz schmalen Arm, etwa von der Breite unserer heimatlichen Lahn. Dieses Zipfelchen erwischte ich zum Glück noch und landete in stockdunkler Nacht auf dem äußersten Südende der Insel. Durch dichtes Weidengestrüpp und grundlose Pfade, denn ein starker Regen ging nieder, arbeitete ich mich dann mühsam, mich lediglich auf meinen Kompaß verlassend, der Stelle zu, an der die ... Kompagnie liegen mutzte. Als ich um Mitternacht: glücklich die Stelle fand, erwartete mich ein neuer Schreck. Die ... Kompagnie hatte ihren Srandort gewechselt und war nirgends mehr aufzufinden. Von einem andern Regiment hörte ich dann, daß sie weiter stromaufwärts gezogen sei und am äutzersten Nordende der Insel liegen müsse. Da ein Auffinden unmöglich war, blieb ich auf Rat eines Offiziers, eines Landsmannes, die Nacht bei ihm. Am andern Morgen zog auch dieses Regiment sich nach Norden und ich fand alsbald wenigstens die ... Kompagnie und bei ihr meinen Tornister und meine sonstigen Sachen wieder. Wäre es mir nicht gelungen, noch gerade das äußerste Südzipfelchen der Insel zu erreichen, so wäre ich unfehlbar an das serbische Ufer getrieben und säße wohl heute dort in Gefangenschaft. Statt dessen hoffe ich, in den nächsten Tagen in angenehmerer Weise Bekanntschaft mit den Feinden zu machen. Mit herzlichem Gruß Dein , den 12. Oktober 1935. Lieber Bruder! Aus den Tagesberichten hast Du inzwischen längst erfahren, daß wir den Uebergang über die Donau glücklich bewerkstMgt und schon weit in Serbien eingedrungen sind. Unvergeßliche Tage liegen hinter uns. Am Nachmittag des 6. Oktober ließ der Kompagnieführer uns antreten und teilte uns nrit, daß am nächsten Morgen die Donau überschritten werden solle. Nur Freiwillige sollten in den ersten Pontons übergesetzt werden. Ich meldete mich zum ersten Ponton. Nachts sollten wir an das Ufer rücken und in aller Frühe gegen 4 Uhr sollte der erste Nachen abstotzen. Kurz darauf aber schien der Plan geändert zu sein. Wir traten abermals an und der Zugführer gab uns folgende Erklärung: Die Serben hätten auf das andauernde Artilleriefeuer kaum geantwortet. Es solle festgestellt werden, ob wir nicht unnöttg Munition verschwendeten. ZudiesemZweckesolltenvonjederKompagnie drei Patrouillen in der Dämmerung übersetzen, die Nacht drüben bleiben, feststellen, ob überhaupt feindliche Kräfte uns den Uebergang verwehrten, wie stark sie seien und beim Morgengrauen Meldung zurückbringen, evt. unter Ueberschwimmen des Donauarms. Er setzte zu: ich führe die erste Patrouille, Freiwillige vor! Du wirst weiter nicht darüber erstaunt sein, daß ich mich als erster freiwillig meldete. Unter großer allseitiger Spannung und unter Begleitung zahlreicher Offiziere schlich sich die Patrouille ans Ufer und wartete, bis die Dämmerung völlig hereingebrochen sei. Es waren aufregende Augenblicke und ich muß gestehen, daß ich jetzt doch etwas an Frau und Kinder dachte, denn ich war mir darüber klar, daß wir kaum zurückkommen würden. Wir hatten selbst serbische Truppen am andern Ufer gesehen und es lag auf der Hand, daß uns diese mühelos am andern Ufer abtun würden. f nzwischen feuerte unsere Artillerie weiter, ohne Antwort zu erhalten. Nunmehr stieß, nachdem es dämmrig geworden war, an einer etwas oberhalb gelegenen Stelle ein Nachen ab, der die erste Patrouille aufnehmen sollte. Der brave Pionier, der ihn führte, f derte aus Leibeskräften, um das Boot möglichst nahe das diHte Weidengestrüpp an das dort seichte Ufer! heranzubringen, und wir stiegen unter größter Spannung! aller Offiziere, die im Hintergründe warteten, ein. Wir! waren jedoch kaum einige Meter abgefahren, als ein! wahnsinniges Feuer vom jenseittgen Ufer auf uns er. öffnet wurde. Aus einigen Hütten, die drüben standen, und von den Höhen wurden wir mit Jnfanteriefeuer überschüttet. Wir lernten dabei gleich die eigenartige Kampftveise des Serben kennen. Während wir fast immer richtiges Schützenfeuer unterhalten, schießen die Serben Salven. Solche Salven wurden dann auch aus uns. abgegeben und rechts und links von uns schlugen die 'Kugeln zu Dutzenden ins Waffer, durchlöcherten auch den Kahn, zum Glück über der Wafferlinie. Wir selbst wurden merkwürdigerweise nicht getroffen, da wir uns mit Ausnahme des Ruderers platt in den Kahn legten. In diesem Augenblick wurde uns auch schon vom Ufer zugerufen, daß wir zurückfahren sollten. Unser Zweck war erreicht, ohne daß wir unser gefahrvolles Unternehmen ganz durchzuführen brauchten. Die Serben, die uns klugerweise hätten ruhig abfahren laffen und dann in der Nacht hätten lautlos abtun können, hatten sich in der ersten Aufregung verraten, offenbar in der Meinung, daß ein Angriff bevorstehe. Wir wurden natürlich, als wir wieder anlegten, von unserem Kompagnieführer freudig ausgenommen und belobigt. Unsere Namen waren schon vorher zur Auszeichnung ausgeschrieben worden. Es blieb nunmehr bei dem ursprünglichen Befehl, daß am andern Morgen noch in der Dunkelheit die Ueberfahrt versucht werden sollte. Nach dem Empfang, der den Patrouillen zuteil geworden war, machten wir uns auf heftige Gegenwehr und starke Verluste gefaßt. Um 4 Uhr wurden wir leise geweckt und rückten nun Mann hinter Mann lautlos ans Ufer vor. Wir konnten das Zeichen zum Einsteigen kaum erwarten und drängten uns, als die Pontons kaum im Waffer waren, ungeduldig hinein. Leise tauchten die Ruder ins Waffer und glücklich langten wir drüben an, ohne daß anscheinend die Serben etwas gemerkt hatten, denn auf unfern Ponton, den ersten, war kein Schuß abgegeben worden und lautlos stiegen die ersten Deutschen drüben ans Ufer. Bald folgte der zweite Ponton und nach etwa einer halben Stunde war unsere Kompagnie vollzählig und ohne jeden Verlust übergesetzt. Sofort zogen wir uns in längeren Schützenlinien am Ufer auseinander, gruben uns ein und warteten auf den Befehl zu weiterem Vorgehen, sobald Verstärkung drüben war. Mittlerweile war es Heller geworden und wir waren vorerst in einer etwas ungemüüichen Lage. Wenn die Serben jetzt mit größeren Kräften uns angegriffen hätten, würden sie uns glatt haben in die Donau werfen können, denn unsere Infanterie und Arttllerie hätte uns vom anderen Ufer aus nicht unterstützen können, weil sie sonst die eigenen Leute getroffen hätte. Zum Glück blieb alles still und bald kam weitere Verstärkung. Die ... Kompagnie und danach die andern des ... Bataillons setzten links und rechts von uns über. Die folgenden Stunden blieben wir, ohne uns zu rühren, liegen, gegen feindliches Feuer durch dichtes Weidengestrüpp ziemlich gedeckt. Um 12 Uhr endlich kam der Befehl zum Vorgehen. Gleich hinter dem Gestrüpp steigen die Ufer allmählich an und bilden gar bald steile, etwa 200—300 m hohe Hänge, auf denen die Serben starke Stellungen hätten und die es jetzt zu nehmen galt. Auf steilen eingeschnittenen Pfaden zogen wir uns allmählich um diese Höhen herum. Nach etwa einer Stunde hatten wir die ersten Höhen erstiegen, aber noch nicht die