KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 8 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- Seite 517 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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517 mich stets mit den lieben K. C.-Blättern freue. Man bleibt doch so wenigstens indirekt in steter Fühlung mit allen Bundes- und Kartellbrüdern. Durch Veröffentlichung der Feldpostbriefe erfährt man sogar mancherlei über die persönlichen Erlebniffe vieler Verbandsbrüder, für die man stets größtes Intereffe hatte und deren Schicksal selbst zu verfolgen einem aber die Zeit fehlte. Mir wenigstens ist es so ergangen. Erst in Rußland kam ich Ende März in die Karpathen, nahm an all den schweren Kämpfen dort teil, denen dann die unaufhörlichen Verfolgungskämpfe folgten. Anfang Oktober fanden wir dann im Stettungskampf endlich Ruhe und Erholung. Dabei lasten wir uns die gute Laune durch das gewaltige Sumpfgelände hier ringsum und durch die schon jetzt eingetretene sehr große Kälte nicht nehmen. Leb wohl und sei herzlichst gegrüßt von Deinem Ernst Gans. Lieber Mainzer! Habe heute eine kleine Reise zu Einstein und mit ihm zusammen weiter nach S... und Ch... gemacht. Von dem hochgeschichtlichen Orte, wo ich eben auf Bismarcks Stuhl saß, sende ich Dir und Deiner lieben Frau herzliche Grüße! Dein Cäsar Hirsch. Herzliche Grüße von unserer ersten wohlverdienten Urlaubsreise. Ich habe es in M. . . gut getroffen: Jntereffante Arbeit, angenehme Kollegen, gute Verpflegung, viel freie Zeit usw. Dein Einstein. Lieber Mainzer! Der K. C.-Tag der Armeeabteilung G. findet eben programmäßig statt. Der erste Punkt der Tagesordnung: Gemeinschaftliches Mittageffen mit anschließender von vr. Lekisch gespendeter Zigarre wurde soeben zur allgemeinen Befriedigung abgewickelt. Mit K. C.-Gruß! vr. Hochschild-Kolmar. Mit K. C.-Gruß! vr. Lekisch. Besten Gruß! EichengiÄn (Lic.). Walter Grün (Lic.). Bruno Feilchenfeld (Ghib.). Lieber Mainzer! Wenn wir auch manche Würdenträger militärischer und geistlicher Art in unserer Mitte verunffen müssen, so geht es uns doch gut. Herzliche Grüße vr. Marcus Maier. . . ., 6. Dez. 1915. Mein lieber Mainzer! Tatsächlich, ich muß es auch sagen: die K. C-Blätter nehmen einen besondern Platz ein in all dem Schönen, das uns die Feldpost bringt. Liest man sie, so sitzt man auch gleich wieder in unserem traulichen Frankfurter Fauststübchen und bleibt dann viel länger sitzen, als man gemeinschaftlich dort geseffen hat. Auch Freiburg ist plötz. lich wieder da, mit dem Fechtsaal, der so aufregend nach neuem Pauitzeug, und der biederen Kneipe, die so gemütvoll nach altem Tabak roch. Und wer die Erinnerung ebenso zur steten, lieben Begleiterin hat, wie ich, den schauen aus den K. C.-Blättern sogar — ernster zwar, als sie einstens waren — all die lieben, lustigen, lockigen Mädels an, die uns, je mehr wir ins Philisterium hineinsteigen, umsomehr unverwelkbare Blumen scheinen m jenem Lande, das doch das schimmenchste war von allen, durch die unsere jungen Jahre gejagt sind. Hier herrscht, in tiefverschneiter Gegend, der Stellungskrieg. Ab und zu nur zerreißt ein Mörserschuß oder eine Rollsalve die Ruhe des Tages, ein Schwur für hüben und drüben, daß man auf der Hut ist und bleiben will. Auf Weg und Steg, Stoppelfeld und Nadelwald liegt eine dicke weiße Decke. Meterhoch noch hängt der Schnee am mißmutig-vergrämten Himmel. Schnee. Hühner und Schneehasen überall, auch manch anderes Getier, das man bei uns zu Hause nicht mehr sieht. So der graue Fuchs und der mächtige Kolkrabe. Dünne Rauchsäulen hier und zu mehreren weit weg verraten uns Dächer unter der Schneelast, die dann beim Näherkommen zu Häusern werden, die sich schließlich wiederum zu armen und armseligen Dörfern zufammenfügen. Solange es Tag ist, sitzt man im dicken Schafspelz in dem mit drei flinken, schellenbehängten Russenpferdchen bespannten Schlitten. Und wenn man dann in dem klingelnden Gefährt durch die Landschaft fliegt, die in Weiß endlos vor uns darliegt, und die Kälte sich in die Pelzhandschuhe einschleicht und in die martialischen Schuhe und man von oben und unten minütlich mehr in den Pelz hineinschauert, dann erlebt man während der Sausefahrt ein gut Stück von Selma Lagerlöfs Gosda, bis man zu den Gutshöfen kommt, in deren behaglich durchwärmten Räumen zurzeit feldgraue Offiziere, die in Petersburg oder Moskau weilenden Feudalen aufs gastfreundlichste vertreten. Interessant sind die Bibliotheken. Sie verraten zwar nicht wissenschaftliche Vertiefung, wohl aber epikureisches Verheiratetem der Eigentümer. Abends, d. h. von mittags al4S, herrscht der Kienspan und Kerze, Del- und Petroleumlämpchen, knisternder Kamin und surrender Smnowar. Dann litaneien die Weiber ihre melancholischen Lieder und man selbst liest, schreibt oder sinnt nach rückwärts und in die Zukunft hinein. Häufig kommen aber auch die vorerwähnten Gutsbesitzer zum Abendessen herüber, was dann gleichbedeutend ist mit dem Frühstück des nächsten Tages. Der Wölfe wegen vermeidet man Reisen über Land, wenn es dunkel ist. Zwar glauben die Panjes zu wissen, man könne sie schon durch Anbrennen eines Streichholzes von sich fernhalten. Aber ob's auch die Wölfe wissen? Jedenfalls redet man dann bei den endlosen Menden über alles und verteilt zum Schluffe die Welt. Nur über den Zeitpunkt der Teilung weiß man nichts Gewisses. Mit den besten Grüßen für Dich und Deine Frau bin ich Dein Ludwig Jaffe. Lieber Mainzer! Zwei alte Badenen, die sich seit ihrer Aktivität im Sommersemester 1897 nicht mehr gesehen haben, haben sich hier in G. getroffen und feiern alte Erinnerungen. Mit herzlichem Gruß! Dein Jakubowskr. Lieber Mainzer! Wir sprechen bei unserer Freude des Wiedersehens natürlich auch von unserm lieben Mainzer. Herzliche Grüße Dein Kahn. . . ., 27. Okt. 1915. Lieber Gans! Mit Deinem l. Brief, den ich heute erhielt, habe ich mich herzlich gefreut. So lange habe ich nichts mehr von Dir gehört, ich wußte gar nicht, wo Du überhaupt stecktest. Daß Du nun nach so vielen Monaten des Schweigens meiner in so beglichen Worten gedacht hast, dafür danke ich Dir wirklich. Mit besonderer Freude entnahm ich Deinen l. Zeilen, daß es Dir selbst noch gut gecht. Ich wünsche Dir, daß auch weiterhin der Krieg Dir keinen Schaden zufügt. Hoffentlich wirst Du mir in Deinem nächsten Schreiben näheres über die Einzelheilen Deiner Kriegserlebniffe berichten; dieser Brief galt ja vor allem der Erinnerung an unfern lieben, toten, kleinen Meyer. Auch ich 8abe bei dem Lesen Deiner Zeilen aufs neue tiefes Weh empfunden über den Verlust dieses lieben, lustigen Menschen, mit dem wir so manche fröhliche Stunde zusammen verbracht haben. Ost, sehr oft, taucht sein Bild in meinem Geiste auf, und dann denke ich mit Trauer und Schmer der glücklichen sorglosen Zeit, in der noch der kleine Meyer in unserer Mitte weilte und uns durch seine geistreichen Witze so manches herzhafte Lachen entlockte. Ich kann mir's noch gar nicht vorstellen, daß er und manche