KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 8 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- Seite 510 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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510 Beobachtungen unter dem uns als K.C.er besonders interessierenden Gesichtswinkel mitgeteilt und dabei eine erfreuliche Klarheit des Urteils an den Tag gelegt. Der Tod so vieler Bundesbrüder ging ihm jedesmal nahe, besonders der unseres jungen Bundesbruders Fritz Kahn. Er selbst aber verachtete die Gefahr als wackerer Soldat, und als solcher wurde er auch von seinen Vorgesetzten gewürdigt. Das mag das nachfolgende Schreiben beweisen, das sein Batteriechef nach Neumanns Tod an die schwergeprüften Eltern richtete. „Soeben aus der Feuerstellung zurückgekehrt, drängt es mich, Ihrer Familie und Ihnen zugleich im Namen der Batterie-Offiziere, sowie auch sämtlicher Batterie- Kameraden unser herzliches Beileid auszusprechen. Ich bin stolz gewesen, Ihren Sohn Karl in meiner Batterie gehabt zu haben, denn er war für die Batterie ein leuchtendes Beispiel treuester Pflichterfüllung. Sowohl der Bataillonskommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 12, als auch Leutnant Kaufmann aus unserem Regiment, die Gelegenheit hatten, Ihren Sohn am 30. bei dem Angriff zu beobachten, stellen ihm ein glänzendes Zeugnis aus. Leutnant Kaufmann frug sofort nach der Verwundung an, ob Karl Neumann bereits zum Eisernen Kreuz eingereicht war, sonst würde er das Weitere veranlaffen. Aber die Batterie hatte schon daran gedacht, Ihrem Sohne dieses hohe Ehrenzeichen zu übergeben, leider konnte er es nicht mehr erleben. Zum 3V. Oktober war er Leutnant Kaufmann als Telephonist zugeteUt, nachdem er sich freiwillig zu diesem Posten gemeldet hatte. Während des Angriffes hat er mitten im Kugelregen dreimal die durch Schöffe verletzte Leitung geflickt und beim dritten Mal mutzte ihn die tödliche Kugel treffen. Als Karl auf dem Rande eines Grabens satz, schlug ihm eine feindliche Kugel in das Knie, durchlief den Oberschenkel und drang vis in die Bauchhöhle, um hier wohl schwerere Verletzungen hervorzurufen, an deren Folgen er am 30. abends im Lazarett zu H. . . . verschieden ist. Auf dem dorttgen triedhof ist er am 31. Oktober neben den anderen ameraden, die bei diesem Angriff den Heldentod erlitten, beigesetzt worden. Die Batterie hat dafür ge. sorgt, datz das Aeutzere des Grabes Zeugnis davon ablegen soll, welcher Wertschätzung Karl sich bei allen erfreute. Ich werde veranlaffen, datz auch eine photographische Aufnahme der Ruhestätte gemacht wird, die ich Ihnen dann später übersenden werde. Möge Ihnen allen in erster Linie der Allmächtige in dieser schweren Zeit Trost spenden. Aber möge Ihnen auch der Gedanke Ihren Schmerz erleichtern, datz die 6. Batterie des Feldarttllerie.Regiments Nr. 27 Ihren Sohn Karl als ein leuchtendes Beispiel echter Soldatentugend in Erinnerung hat und ihm in diesem Sinne ein treues Andenken bewahren wird." Ein eigenartiger Zusaü hat es gefügt, daß unseren Freund der Soldatentod ereilte ganz nahe Her Stelle, an der ein Jahr vor ihm auch der von ihm besonders verehrte Fritz Kahn den Heldentod fürs Vaterland gefunden hat. Sein Verhalten vor dem Feinde, das übrigens auch von dem in vorstehendem Briefe erwähnten Leutnant Kaufmann hervorragend' gerühmt wird, entspricht ganz dem, was jeder, der ihn gekannt hat, von ihm erwartete. Die Verbindung und die Bundesbrüder haben in ihm einen treuen, anhänglichen, mutigen und überaus pflichtbewußten Bundesbruder verloren, und wenn wir einst wieder Heerschau in Heidelberg halten werden, wird auch Karl Neumanns in Ehren gedacht werden, der als jüngster seiner Bundesbrüder seine Liebe zum Vaterlande und die Treue zu unseren Idealen mit dem Tode besiegelte. Dr. Max Mainzer. (Badeniae, Spreviae, E.M.) vr. Hermann Lindner. (Biadrinae.) Der große Weltkrieg, der aus allen Kreisen der Bevölkerung seine Opfer forderte, hat auch in den Reihen der alten Viadrinen ttefe und empfindliche Lücken gerissen. Nach Magen und Julius Cohn hat nun auch einer der liebsten und besten unserer „ganz Alten" im Dienste für das deutsche Vaterlano sein Leben gelassen, unser braver, lieber Bombe. Tiefstes Mitgefühl wird alle Viadrinen und viele, sehr viele K.C.er bei der Nachricht von feinem Ableben ergriffen haben, bei dem Gedanken, daß der Mund für immer verschlossen fein soll, der durch seinen ft'öhlichen, goldnen Humor — Lindners hervorstechendste Eigenschaft — uns gar so oft trübe Gedanken verscheucht und viele fröhliche Stunden bereitet hat. Lindner war keine komplizierte Natur, kein Mensch von weltstürmenden Ideen. Er war ein gerader, biederer, einfacher, bescheidener Charakter, ohne Falsch und ohne Hehl. In dieser Schlichtheit und Geradheit der Gesinnung erkannte er bei der Gründung der Viadrina im Jahre 1886 den Gedanken als richtig an, er nahm ihn ohne große Seelenkämpfe auf und blieb ihm treu bis zum Tode. In seinem dritten Semester trat er als Fuchs in die neugearündete Verbindung ein, der er durch seine versöhnende Natur und vor allem durch seinen schlagenden, doch nie verletzenden Witz und feinen fröhlichen, nie versiegenden Humor ein wertvolles, überall gerne gesehenes Mitglied war. Lindners Bierreden waren berühmt, weit über den Kreis seiner engeren Bundesbrüder hinaus. ' Nach seinem Staatsexamen und Absolvierung seiner Dienstpflicht ließ sich Lindner in Ratibor, O.-Schl., nieder, wo er eine segensreiche Tätigkeit als Arzt ausübte und eine angesehene Stellung in Stadt und Gemeinde einnahm. Ein schweres körperliches Leiden veranlaßte ihn, vor einigen Jahren als Stabsarzt der Reserve seinen Abschied zu nehmen, doch stellte er sich sofort nach Ausbruch des Krieges der Militärbehörde in seiner Heimatstadt für ein Reservelazarett zur Verfügung, wo er bis kurz vor seinem Tode tättg war.