KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 498 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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498 sich restlos und rnit dem ganzen Maß seiner Kräfte in den Dienst einer guten. Sache zu stellen. K. C.er sein heißt, mehr wie alles andere ein Kämpfer sein, und wo fänden wir die Kraft, unfern schweren Kamps durchzusühren, wenn wir nicht in uns die Begeisterung hätten, die Berge zu versetzen vermag? Wir können keine Halbweisen brauchen, wir fordern und müssen den ganzen Menschen haben mit all' seinem Können und all' seinem Wollen. 25 Jahre oft bitterer Erfahrungen liegen hinter uns, und schier unüberwindlich schien der Gegner, der sich uns entgegenstellte. Aber wir haben doch etwas erreicht, weil mit uns die Begeisterung war und drüben nur der Hast. Die Begeisterung ist stets die Schwester der Liebe, wer könnte sie da besiegen! Und so muß es bleiben. Glaubt nur nicht, daß dieser Krieg alles restlos glücklich für uns gelöst hätte. Das wäre ein falsches geschichtliches Denken. Jahrhunderte alte Mißachtung, die sich nicht aus Tatsachen, sondern nur auf Vorurteile stützt, läßt sich auch nicht durch das größte Ereignis mit einem Schlage beseitigen. Es stehen uns noch schwere Kämpfe bevor, vielleicht noch härter als bisher. Aber auch jeder neue Ansturm unserer Gegner wird zerschellen an der eisernen Mauer unserer Idee, aus der unsere Begeisterung die Banner gehißt hat. -r- So ist es ein Dreifaches, das ich meiner lieben Verbindung zu ihrem 25. Geburtstag für immer wünsche: Die frohe Schönheit der Jugend, Die heilige Macht der Idee, Die lautere Kraft der Begeisterung, canä. rer. pol. Fritz Mayer (Bavariae) z. Zt. kriegsfreiw. Vizefeldwebel im Kgl. Bauer. Res.-Jnf.-Reg. Nr. 17. llriegssommer in Heidelberg. Von Hans Grünwald lBavariae). Heidelberg, du Jugendbronnen, Zauberin am Neckarstrand, Solchen Fleck, uns warm zu sonnen, Gab der Herrgott keinem Land. Schläger schwirren, Gläser klingen, Alles atmet Froünatnr, Selbst im Laub die Vöglein singen: Ormckeamus igitur! — Studentenfrohsinn und Jugend tust: Dein- Name war Heidelberg! Und wenn einmal die Kanonen aushören werden zu donnern, wenn Krieg und Kriegsgeschrei in kommenden Zeiten wieder den Gesprächsstoff von Sonn- und Feiertagen bilden werden, und es kommt einer und fragt dich, wo es schön ist zu leben, so ruf ihm mit klingender Stimme entgegen: Heidelberg! Und er wird den von der Natur mit allen Schönheiten geküßten Ort liebgewinnen wie Tausende vor ihm. Aber alle echte Liebe bewährt sich in Treue. Wer Heidelberg liebt, der liebt es jederzeit, auch jetzt im Kriege, wo es soviel eingebüßt hat von dem, was ihm in Friedenszeiten Glanz verlieh. Das Schwirren der Schläger ist verstummt, die Gläser klingen nicht in übersprudelnder Fröhlichkeit, sondern nur gedämpftes Lachen erinnert an das übermütige Getriebe von sonst. Aber wenn auch Jugendlust und Frohsinn dem gewaltigen Ernst der Stunde Raum gemacht haben, eines ist geblieben: die wundersame Pracht, die uns in herrlichen Sommertagen unser Heidelberg erscheinen läßt wie ein köstlicher Edelstein, der leuchtet in vieltausendfarbigen Strahlen. Auf dem Heidelberger Schlosse hat der Sommer das Leben auch im Krieg wieder erstehen lassen. Nur ist es natürlich viel nationaler geworden: es fehlen die vielen Fremden. Man sieht hauptsächlich die Krieger, die Heidelberger- Gesellschaft und vereinzelt nur noch Studenten. Wenn man nun unter den hohen, alten Bäumen sitzt, das Orchester stimmt eine klangvolle Weise an, und die Berge gegenüber prangen im schüchternsten Hellgrün des Frühlings, während die Sonnenstrahlen auf den Wassern des Neckars ihr goldenes Spiel treiben — dann kommt man sich entrückt vor in das Reich des Friedens. Und die Erinnerungen weben leise Schleier um die rotleuchtenden Ruinen des Schlosses, vom Efeu unter warmer, weicher Hülle zugedeckt, die alten Bäume siüstern sich, vom sanften Windhauch gebeugt, Geheimnisse zu, und in der Lust schwingt es von allerlei Leid und Freud, das die hohen Hallen hier erschaut haben. Und all das vereinigt sich in dem Blick von der Scheffelterrasse, wenn wir über die Dächer Heidelbergs einen Blick tun in die fruchtbare Rheinebene, d'rin der Strom im Silberkleide leuchtet und in grüner Pracht die Felder um ihn, wenn wir zu den Bergen des Odenwaldes schauen, d'rin in schwarzen Wäldern das Schweigen wohnt und die Einsamkeit ihre Herrschersitze hat. Und dann freuen wir uns wieder des pulsierenden Lebens um uns und über die Kraft eines Volkes, das im schwersten Kampf seiner Geschichte ein Bild bietet wie in den Zeiten des Friedens, nur eine Färbung ernster . . . $ $ * Abend ist's. Die Dämmerung schwebt noch zwischen Hell und Dunkel,' doch, die Schatten werden mählich tieferes sinkt der Tag. Aber oben am Schloß, wo sonst um diese Zeit das nächtliche Dunkel seine Schwingen breitet, glühen Lichter auf und Lampion an Lampion entzündet