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KC-Blätter · 1915-09-01 · Heft 7 (September 1915) · p. Seite 499

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 7 (September 1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 499 (sequence 37)
Language
German
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499 sich. Die Schloßanlagen bevölkern sich, aus allen Richtungen strömt es herbei: es ist Patriotischer Volksabend. Bald sind alle Tische besetzt, so dicht, daß kein Plätzchen mehr srei ist. Das Stadtorchester beginnt zu spielen: „Deutschland, Deutschland, über alles" und wortlos, in stillem Uebereinkommen erhebt man sich von den Sitzen und singt gemeinsam das Lied: ein heiliger Schwur, eine Bekräftigung dessen, was das deutsche Volk in den historischen Augusttagen erlebt hat. Dann kommen Reden, kurze und lange, von Empfindung getragene und sachlich-kühle' — dazwischen die Klänge des Orchesters. Aber auf einmal erhebt sich einer und beginnt zu sprechen, leise erst, wie berichtend, dann mit immer stärkerem Pathos und glühenderen Farben malend. Jetzt wird alles aufmerksam: ein leichtes Zittern fliegt durch die Sinne der Tausende, die hier versammelt sind) die Ereignisse von 1689 und 1693 feiern in den plastischen Bildern des Redners Auferstehung. Man hört von den Raubzügen Ludwigs XIV. in die Pfalz, von den Zügen Turennes und Melacs nach Heidelberg und von der Sprengung der Neckarbrücke und des Krautturmes aus dem Schlosse. Und das Wort „Krieg" bekommt Sinn und Gestalt und Bedeutung: das, was die planmäßige Kunst der Verwüstung vermag, hat ja hier noch seine stumm redenden, ewig anklagenden Zeugen und Gebärden. Ja, wie mit einem Ruck empfindet jeder, wie hoch die Wellen der Dankbarkeit an unsere Krieger gehen müssen, die in diesem unerhörten Ringen einen festen Wall bilden, der dem Feinde den Einmarsch in die schönen deutschen Gaue verwehrt. So fühlen es nun alle, was sie an den Gärten haben, die sich ringsherum breiten, an den Ebenen, die im Sonnenmittagsglanze blühen, an den Burgen, Schlössern und Hügeln der Bergstraße, die das Land mit frohem Blick grüßen. Und ein stilles Freuen zieht durch die Herzen, daß Heidelberg in Ruhe und in den Reizen seiner nie versagenden Natur einem glücklichen Frieden entgegenblühen und entgegenträumen darf, so wie Hölderlin singt: Aber schwer in das Tal hängt die gigantische Schicksalskundige Burg; nieder bis auf den Grund, Von den Wettern zerrissen, Doch die ewige Sonne gießt Ihr verjüngendes Licht über das alternde Riesenbild, und umher grünt der lebendige Efeu; freundliche Wälder Rauschen über die Burg herab, Sträuche blühen herab, bis wo im heitern Tal An den Hügel gelehnt, oder dem Ufer hold Deine fröhlichen Gassen Unter duftenden Gärten ruhn. q- * * Aus dem Heidelberger Leben. „Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten, Wie Ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt!" Am alten Dörffel vorbei, wo Walter Friedemann mit Wotan aus dem Fenster schrie, schlenderte ich gegen Abend durch die Plöck, als hinter mir eine Stimme ertönte, die mir halb atemlos zurief: „Ich darf aktiv werde, mei Mutter hat's erlaubt." Es war Alfred Kirschbaum. Stolz und begeistert zog er mit mir durch die Hauptstraße zum Fechtboden, wo Curt Friedmann den Fuchsen die Filzmasken verpaßte, und wo man stehen — stehen um jeden Preis lernte. Wer erinnert sich nicht aus dieser Zeit des „reichen Albert" (Herz) mit seinem humorvollen, herzerfrischenden Lachen, des schönen Enschen (Oberländer), der sich überall auskannte, und des dicken Holländer mit seiner Spezialeinteilung von Tag und Nacht? — In diese Zeit gehört auch der brave, getreue Vechta (Heinemann), der ursprüngliche Besitzer des Lumpen vom Dilsberg, der über Kirschbaum in jenen Tagen in den dauernden Besitz seines Namensvetters mit y überging und acht Jahre seines ruhmreichen Daseins dem letzten Herrn getreu verblieb, bis er zu Bingen am Rhein im hohen Philisterium das Zeitliche segnete. Mit „Lump" verbindet sich ein Stück Heidelberger Verbindungsgeschichte. Wie oft lag er knurrend in der alten Weinstube beim perfidus caupo, wenn dieser noch eine Flasche Wachenheimer Odinenthal oder Förster Gerumpel ankreidete. Wie geringschätzend blickte er Pulle Gutmann an, da er gegen Mitternacht noch beim ersten Schorle saß, wie erst, als Lump erfuhr, daß der „Schöne" den Gegenbauer rückwärts auswendig konnte! — Lump soll damals vorübergehend schwermütig geworden sein und seinen alten Frohsinn erst wiedererlanat haben, nachdem durch Adalbert Sachs und L.H. die weißen Anzüge mit Pfingstrosen im Knopfloch zur Einführung und damit in Heidelberg zu hohen Ehren gebracht waren. Unser O. V. G. Neustadt brachte in richtiger Erkenntnis der Sachlage zur nächsten Kneipe eine Sonnenblume für das Knopfloch des Präsiden mit. Lump war gerührt und betrank sich an jenem Abend, unmittelbar, als der Fax die letzten Töne von „Hoch Badener Land" hatte verklingen lassen. — Bei den Nachttouren nach Mückenloch mit Leo Spiegel, nach Speyer und Hockenheim, auf den Katzenbuckel durfte Lump nicht fehlen, und er könnte vom „Kollegen Lubbel" viel erzählen, wenn er nicht gar so diskret gewesen wäre. Lump war auch Zeuge, als Kollege „Verrzig" (Dannenbaum) bei seinem Besuch im Großherzoglichen Schlosse zu Karlsruhe eine neue

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