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KC-Blätter · 1915-09-01 · Heft 7 (September 1915) · p. Seite 496

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 7 (September 1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 496 (sequence 34)
Language
German
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496 je mehr ich versuchte, etwas von seinem Geiste in mich aufzunehmen, um so inniger wurde meine Ueberzeugung, daß, wenn irgendwo, so hier sich der wahre Glaube der Freundschaft offenbaren müsse, daß alle diese Verbindungen, die seit Jahrzehnten unlöslich mit Heidelberg verwachsen sind, nicht etwa einer zufälligen Sucht nach Vergnügen ihr Entstehen verdanken, sondern echte Kinder Heidelbergs sind, das selbst strahlende Jugend die Jugend zueinander führt, damit im trauten Freundeskreise, beim Becherklang und Frohsinn, wie beim Austausch ernster Gedanken und der gegenseitigen Vermittlung edler Begeisterung für das Gute und Wahre, das tieffte Geheimnis der Jugend offenbar werde: Das Hand-in-Hand-Gehen durch die Schönheit des jungen Lebens. So wurde ich aktiv und so wurden es vor mir Tausende und werden es nach mir Tausende werden. Es gibt überall einen Genius und der heißt für Heidelberg: Verbindung. Geht nur einmal hin zu einem jener weißköpfigen Alten, die einst in unsagbarem Hochgefühl in Band und bunter Mütze durch Heidelberg getollt sind. Geht hin und fragt sie, die doch in Wahrheit jetzt das Recht haben, von sich als einer Individualität zu sprechen, soweit Lebenserfahrung imstande ist, eine solche zu erzeugen, nach ihrer Heidelberger Studentenzeit. Und dann schaut, wie ihre Äugen strahlen, wie sich ihr Körper strafft und wie ihre müde Stimme aus einmal wieder froh und hell wird, wenn sie euch von ihrer Jugend erzählen: von den frohgemuten Kneipen, vom jubelnden Eilen durch die Pracht des Heidelberger Landes, von den nächtlichen Fahrten auf dem alten Neckar, von wackern Stunden auf der Hirschgasse, von dem neckischen Liebreiz der Heidelberger Mädels und den vielen kleinen und doch so großen Tollheiten eines Studentenlebens. Die Sonne der Jugend scheint in das Fenster des Alters. Und wißt dann: Die Erfahrung eines Lebens sitzt hier zu Gericht über die Gefühle der Jugend und gibt ihnen Recht. Und wir selbst, denen die Zeit, die uns von Heidelberg trennt, so unendlich lang erscheint, was verdanken wir nicht alle dem Gedenken an die frohen Stunden, welche die Zugehörigkeit zu einer Verbindung uns in Heidelberg geschenkt hat. Wohl wäre uns auch der Gedanke an Heidelberg allein eine Erinnerung an Schönes, aber erst dadurch, daß wir wissen, daß dieser Zauber Heidelbergs ständig lebendig ist und sich auswirkt in unserer Verbindung, in einer Vereinigung fröhlicher, gleichgesinnter Kameraden, die auch jetzt noch alle die verbindet, welche vor kurzem oder langem geeint durch Freundschaft und gemeinsame Begeisterung in Heidelberg jung waren, erhält unser Verhältnis zu Heidelberg jene lebendige, persönliche Note, die fortdauernd in uns klingt und die Harmonie eines Lebens bedeutet. 4- * * Aber nicht allein das Genießen des Schönen, das Erleben froher Stunden ist es, was unsere akademische Jugend zusammengeführt hat. Der ist schlecht unterrichtet, der in den deutschen Verbindungen nur Gelegenheiten sieht, um der Vergnügungssucht unbeÜimmert die Zügel schießen lassen zu können. Freilich sind wir jung und keine Duckmäuser und verachten das Vergnügen nicht etwa deshalb, weil es eben ein Vergnügen ist. Aber neben, der Freude am Leben steht in unfern Korporationen der Wille zum Leben, und der bedeutet den Willen, emporzuwachsen, um des Lebens würdig zu werden, in ernster Selbsterziehung und gegenseitiger brüderlicher Belehrung sich vorzübereiten für die Aufgaben des Lebens, die man berufen ist, als einer der Führer des Volkes zu bemeistern. Und dieser Wille zum Leben bedeutet auch, das Leben nicht in Kleinlichkeiten zerrinnen zu lassen, bedeutet, sich eine Lebensaufgabe zu schaffen, nicht für die eigene winzige Persönlichkeit, sondern für die Arbeit im Dienste des Volkes. Und so tritt in unfern Freundeskreis neben die jugendliche Lust, und sie ganz erfüllend, die Macht der Idee. Denn erst das ist die rechte Freude, wie sie der Jugend geziemt, die getragen wird von dem Untergrund eines edlen Strebens und die sich nicht selbst in sich erschöpft, sondern hervorquillt aus einem Leben, das beherrscht wird von einer wahren Idee. Ist dieser Gedanke gewahrt, dann schadet es auch nichts, wenn einmal die Jugend überschäumt. Sie hat ein Recht dazu. Nur verlieren darf sie sich nicht, sondern sie muß sich immer zurücksinden zum Ernst ihrer Lebensaufgabe. Die aus wahrem Idealismus erstehende Fröhlichkeit ist der wahre Grundzug unserer Verbindungen. Gibt es dafür ein besseres Zeugnis als die Deutsche Burschenschaft in ihren Anfängen, als der jugendliche Idealismus ihrer Gründer, der sich herausarbeitete aus dem Wulst von überlieferten Lügen und sich eine schöne große Lebensaufgabe schuf, deren Erfüllung er mit Einsetzung alles dessen, was seine Jünger besaßen, erstrebte und doch dabei nicht des Frohsinns vergaß. Mögen auch später manchmal Schlacken dieses Urbild deutschen Studentenlebens verdüstert haben, es bleibt das getreueste Spiegelbild unserer Verbindungen, und nie hat sich seine Wahrheit besser erhellt, als in dieser unserer schweren Zeit. Ist es ein Wunder, daß gerade in Heidelberg dieser Zwieklang des Verbindungslebens stets besonders hell war, daß dort, wo in der > Schönheit der Natur der Frohsinn der jugend- > lichen Seele seine beste Stätte gesunden hat,

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