KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 494 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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494 Judenproblems ist durch diesen Krieg entbehrlich geworden. Wie sollte auch ein jüdisches Staatsgebilde — von der Welt durch Sprache und Sitte abgeschlossen - zur Bereicherung und Veredlung der Menschheit beitragen? In gewissem Sinne versündigt sich der Zionismus genau so an der optimistischen Grundauffassung der jüdischen Religion wie das Taufjudentum. Das Letztere teilt mit dem Zionisten den Pessimismus und den Zweifel, sich allen Anfeindungen zum Trotz zum Wohle des Ganzen an der Stelle und in der Form durchzusetzen, die uns Geschichte und Traditton zugewiesen haben. Jude sein, heißt Kämpfer sein. In diesem Sinne steht der K. C.er zeittebens auf Mensur. Wir kämpfen zur Ehre unsrer selbst, zur Ehre unsrer Eltern, zur Ehre Deutschlands und zum Siege der Menschlichkeit. Dann werden wir auch dereinst dazu beitragen im Sinne Cohens, für den religiösen Fortschritt Aller zu wirken, stir die Welterlösung, für die Läuterung und Erhöhung des Menschengeschlechtes von seinen geschichtlichen Sünden, und zum Frieden der Menschheit in Gottesfurcht, Treue und Gerechtigkeit! M-Heidelberg im Krieg. Denkt Ihr noch, JhrHelden in Polen, Flandern, an der eisernen Mauer rings um uns, an jene Julinacht am Neckar, da angesichts der flammenerglühenden Ruine unseres Schlosses zum ersten Male die drohenden Blitze des Weltbrandes sich am Horizont abhoben? Denkt Ihr daran, wie Ihr in Ahnung der kommenden großen und schweren Tage noch einmal den Becher des Frohsinns tränket, wie Ihr all' die Lieder fanget von der alten schönen Stadt? Denkt Ihr der aufrauschenden Begeisterung, in der sich die ungeheure Spannung jener Tage entlud, denkt Ihr der Rede von Tröltsch, mit der er — ein zweiter Treitschke — die Heidelberger Studentenschaft am 2. August zum Schutze des bedrohten Vaterlandes aufrief und als Ziel des Kampfes das neue Deutschland und die deutsche Freiheit zeigte? Eure Stadt ist nicht mehr wie Ihr sie zuletzt eschaut. Nicht leuchten mehr die bunten Mützen urch die Straßen, nicht klingen die Schläger auf der Hirschgasse. Verschwunden sind die vielen Korporationen und geblieben nur die Konvente der Untauglichen, niedergedrückt durch ihre soldattsche Unbrauchbarkeit und stolz darauf, daß sie so wenige sind gegenüber der Zahl ihrer im Felde stehenden Bundesbrüder. Von den Verbindungshäusern wehen nicht mehr die vielfarbenen Fahnen. Das rote Kreuz auf weißem Grunde zeigt überall, wie klein all die so stark betonten Verschiedenheiten des Friedens waren. Heute im Krieg herrscht ob Korps, ob Burschenschaft, ob K. C. oder ob Wingolf überall nur der Gedanke: Was kann die Heimat ihren tapfer« Söhnen tun? Die Stadthalle, der Ort Eurer frohen Kommerse, sie hat sich zum Lazarett gewandelt wie Dutzende öffentliche und private Gebäude. Das alte Cafe Imperial wurde zum „Kriegernachmittagsheim", wo mit Musik und Vortrag Eure filiae hospitales wunden Kriegern die Stunden der Genesung verkürzen. Ueberhaupt die Heidelberger Mädels! Mlt Recht habt Ihr sie so gern gehabt. Heute zeigen sie, daß sie das Herz am richttgen Flecke haben. Draußen an den Verpflegungs- und Verbandsstellen des Bahnhofs, in den Lazaretten und Kliniken arbeiten sie als freiwillige Helferinnen Tag und Nacht. Beim „Kreuz von Eisen" im Cheliusschen Haus reichen sie dem Opferwilligen die Nägel, aus deren Erlös die Kriegsfürsorge reiche Mittel zieht. Doch ähnlich ist's wohl überall im Reich. Aber sie tragen den Namen unserer schönen Stadt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Zuerst in T., dann im eisigen Karpathenwinter in V.hat die „Heidelberger Statton" Rühmliches geleistet. Mit der deutschen Südarmee zog sie durch ganz Galizien und waltet noch heute ihres schönen Amtes. Auch eine unserer Bundesschwestern hat sich dabei die Rote-Kreuz-Medaille verdient. — Die alte Ruperto-Carola ist verwaist. Zwar pulsiert draußen im Bergheimerviertel reges Leben. Die Kliniken, die orthopädischen Anstalten, die Einarmigenschule bringen zahlreiche Verwundete hierher und viel, sehr viel wird zur Linderung menschlichen Unglücks getan. Aber die Stätten am Ludwigsplatz sind leer. Nur 8tucli08i iemimni §eneri8 bevölkern die Hörsäle. Die Lehrer gehen darum nicht müßig. Soweit sie nicht mit ihren Schülern draußen die Waffen führen, schmieden sie trotz ihrer geringen Hörerschar Waffen des geistigen Kampfes für die kommende Friedenszeit. Die Bürgerschaft Heidelbergs wird schwer vom Kriege betroffen. Außer den Studenten mit dem losen Geldbeutel sind die vielen Fremden der Friedensjahre verschwunden, die russische Kolonie, das englische »College" und die reichen Amerikaner. Was draußen vor der Stadt das Gefangenenlager füllt, kann keinen Ersatz bieten. Aber patriotischer Sinn erhebt sich über solches Ungemach. .Gelungene vaterländische Volksabende mahnen an die große Zeit und erst vor wenigen Wochen einte der badische Opfertag in einer großarttgen Feier auf dem alten Marktplatz die anze Stadt im Zeichen der Gebefreudigkeit und er werktätigen Kriegshilfe.