KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 490 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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490 und Ehre Euch teuren Bundesbrüdern, die Ihr in kühler Erde schlummert! Wir kennen die Gesinnung, die Euch den Mut gestählt und die Kraft erhöht, wir sühlen die einigende Macht, die Euch mit bedenkenloser Selbstverständlichkeit zu underten freiwillig in die ersten Reihen deutscher ämpfer getrieben hat, um dem Zwange unserer treudeutschen Gesinnung folgend als deutsche Juden für Deutschlands Ehre und Größe zu siegen! Ja, ohne Überheblichkeit dürfen wir es heute bekennen, daß der K. C.-Gedanke mächtige Wurzeln geschlagen hat — allen Zweiflern und Nörglern zum Trotz seine Lebensfähigkeit, hart auf die Probe gestellt in langen schweren Jahren gegen Feinde außerhalb und' innerhalb des deutschen Judentums in herrlichster Form bewiesen hat. Verführt durch die Irrlehren Stöckers und Treitschkes, hatte die deutsche akademische Jugend den jüdischen Studenten aus ihrer Gemeinschaft ausgeschloffen. Nicht der Mensch, nicht die Persönlichkeit, nicht der Charakter, nicht der Wille, nicht die Kraft, nicht die Fähigkeit sollten fürder entscheiden über die Zugehörigkeit zum Freundschastsbunde deutscher Studenten, sondern Vorurteil, Haß, Verkleinerungssucht, Neid, Mißgunst, kecke Herausforderung, überheblicher Dünkel schufen eine Mauer zwischen Jud und Christ. Vergessen waren die Stunden trauten Sichkennenlernens, die die akademische Jugend 40 Jahre lang in dem ihr eigenen Idealismus jeden charaktervollen Mann, ohne die Frage nach der Religion, zu sich eingeladen hatte. Von den Pflegestätten deutscher Tugenden des Mutes, der Treue und der Anhänglichkeit an Kaiser und Reich, die die akademischen Verbindungen bildeten, wurden die deutschen Akademiker jüdischen Glaubens rücksichtslos, beleidigend und ohne Unterschied um ihrer Treue willen gegenüber Eltern und Voreltern ausgeschlossen. Zunächst schämten sich noch einzelne Verbände offen das Endziel der Aechtung aller deutschen Akademiker jüdischen Glaubens auszusprechen. Man nahm noch hie und da einen Renommierjuden auf, bald konnte auch dieser nur unter der Bedingung Zutritt erhalten, daß er die Taufe nahm. Und wie wir im bürgerlichen Leben auch sonst die bedrückende Beobachtung machen müffen, daß haltlose Menschen, deren Charakter nicht fester ist als ihr Glanbe, unbedenklich und ohne Hemmung Eltern und Voreltern verleugnen, um sich Vorteile zu erschleichen, an deren Erringung das Sichbekennen zum Judentum hinderlich ist, so fehlte es auch in der jüdischen akademischen Jugend nicht an ehrlosen Schwächlingen, die durch ihr Convertttentum die jüdische Gemeinschaft zu entehren und damit unseren Feinden neue Waffen in die Hand zu drücken versuchten. Ich will nicht die Geschichte des K. C. vortragen um zu zeigen, wie tapfer und wie erfolgreich die Gründer unseres Bundes zuerst den Kleinmut innerhalb der deutsch-jüdischen akademischen Jugend vernichteten, wie sie die Verzagenden aufrichteten, wie sie in harter, zäher Selbsterziehung die Schwankenden festmachten und die Unwissenden ausklärten, um ihnen den Weg zu zeigen, den einzigen zulässigen Weg: Festhalten am Ueberkommenen, Aneinanderschließen der Ueberzeugten, und durch Tun und Lassen beweisen, daß keine Tugend, weder Vaterlandsliebe noch Kaisertreue, wederMut noch Kraft, noch Sittlichkeit, noch Aufopferungsfähigkeit im deutschen Studenten christlichen Glaubens wohnt, die nicht zu gleicher Zeit im deutschen Juden sestwurzelt und zu höchster Vollendung gebracht werden kann. In gewissem Sinne haben wir deshalb auch allen Grund, unseren anttsemitischen Gegnern dankbar zu sein, daß sie uns zur Selbstbesinnung genöttgt haben. Nur so konnten wir allem würdelosen Strebertum in unseren Reihen mit Erfolg entgegentreten. Allzu verführerisch war es allezeit für wirtschaftlich und geisttg hochgekommene Juden die letzten Hemmungen, die sie bei der Erlangung des staatsrechtlichen Voübürgertums und' der gesellschaftlichen Höherschraubung störten, durch die Taufe zu umgehen. Gewiß können wir uns darüber beklagen, daß im allgemeinen die Zwecktaufe noch nicht als das geächtet und gewertet wird, was sie ist — ein nackter Betrug! — Wohl mehren sich die Sttmmen im feindlichen Lager, diewit uns den überzeugungstreuen Juden über den überzeugungslosen Täufling stellen. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß eine breite Schicht in dieser Frage anders denkt und geneigt ist, über das gesellschaftliche oder wirtschaftliche Ziel, das sich der Taufjude steckt, den Schleichweg zu vergessen, auf dem er es erreicht. Auch ist zu bedenken, daß die sogenannte mildere Form dieses Selbstbetruges, das Taufen der Kinder, nicht weniger makelfrei erscheint, wenn, wie es ganz gewöhnlich der Fall ist, die Eltern weit entfernt sind in diesem Schritt, den christlichen Glauben über die jüdisch-meffianische Idee stellen zu wollen. Meist wissen ja die Ueberläufer recht wenig von: Judentum. Das wird zu Unrecht von einigen Seiten zur Entschuldigung angeführt. Bestände die Taufe nur in dem Religionswechsel, so hieße es, eine Unbekannte durch eine andere Unbekannte ersetzen. Die treibende Kraft ist jedoch in 99 von 100 Fällen nicht religiöser, sondern gesellschaftlicher Natur. Ohne das Bestehen des Antisemitismus wäre der Schritt eine Lächerlichkeit, durch sein Bestehen wird er zum Verrat. Unkenntnis und mangelndes Vorbild, modernseinwollende Erziehung mit dürftig ästhetisch-ethisch tuender Ver-