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KC-Blätter · 1915-09-01 · Heft 7 (September 1915) · p. Seite 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 7 (September 1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 489 (sequence 27)
Language
German
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489 Viadrina sich dadurch erworben haben, daß sie vor allen anderen die Pflicht, für das bedrohte Recht der deutschen Juden als treue, vaterländisch gesinnte Deutsche, wie als selbstbewußte Juden selbst einzutreten, als sittliche Forderung allen unseren Glaubensgenossen vor aller OesfentlichkeiL verkündeten. Aber sie hatten das Mißgeschick, in ihrem engeren Wirkungskreis von denen, denen ihre Arbeit galt, verkannt und zurückgestoßen zu werden und bei eben diesen fast noch größeren Widerstand zu finden, als bei der feindlichen studentischen Umwelt. Eine verbitterte Stimmung, die sich noch lange Jahre nachher in einer fast mißtrauischen Zurückhaltung selbst solchen jüdischen Organisationen gegenüber kundgab, die ihren Bestrebungen nach von vornherein uns Freund sein mußten, hatte die ältesten Viadrinen erfaßt. Sie glaubten, nur noch einen ritterlichen, aber aussichtslosen Kampf der Verzweiflung zu führen, als Max Oppenheimer den Grundstein zur Badenia legte. Von der Badenia erst ist, dank Oppenheimers rastlosem Drängen, die umfassende studentische Organisation zielbewußt in die Tat umgesetzt und durch die Konstituierung des K. C. gekrönt worden. Ohne Badenin kein K. C., ja ohne Badenia kein Weiterbestehen der Viadrina! Die alten Badenen aber erkennen neidlos das unvergängliche Verdienst an, das sich Max Oppenheimer durch die Gründung der Heidelberger Verbindung und durch die von ihm in erster Linie inspirierte Weiterorganisation auch an anderen Hochschulen erworben hat. Unsere vielgeschüstige Zeit hat fiir solche Dinge offenbar ein kurzes Gedächtnis und mehr als einmal habe ich mit Bedauern wahrgenommen, daß die jüngere Generation des K. C. die Geschichte seiner Entstehung und die Verdienste seines intellektuellen Gründers nicht kennt. Mag daran der Umstand Schuld tragen, daß Oppenheimer, der bei Gründung der Badenia schon fast 28 Jahre alt war, sich von dem studentischen Treiben der Verbindungen früher als mancher andere zurückgezogen hat. Heute, wo die übrigen der Verbindung noch angehörenden Gründer der Badenia mit stolzer Freude auf die Gründung ihrer Verbindung und die ihnen folgenden Jahre der Arbeit zurückblicken, haben sie, die sie selbst die Entwicklung der Badenia und des K. C. mittätig erleben dursten, das Recht und die Pflicht, auch den jüngsten K. C.ern zu sagen, wen: der Verband Gründung und Leben verdankt. Im Interesse der historischen Wahrheit sei darum dem Manne Dank gesagt, dessen Feuereifer und dessen heiliger Optimismus auch uns übrigen einstmals Kraft und Mut gegeben hat, in Zeiten, wo sich das nicht von selbst verstand wie heute, Herz und Hand zu erheben, um zu zeugen für unser unverjährbares gutes Recht. Die Verbindung aber, die heute mit Genugtung auf 25 Jahre des Kampfes und der Arbeit zurückblickt, braucht nicht zu bangen, daß e§ ihrer Kampflust nach dem Kriege an Arbeit gebreche, und wenn, wie ich hoffe, in nicht zu ferner Zeit aus siegreich beendigtem Kampf inmitten der deutschen Heere unsere K. C.er ins Vaterland zurückgekehrt sein werden, wird man zu Heidelberg in einer Heidelberger Sitte entsprechenden Feier den Auftakt geben dürfen für die Arbeit des K. C. in den nächsten 25 Jahren. Möge der Ruf, der dazu ergehen wird, dann lauten Wiederhall bei allen K. C.ern finden! In der nächsten Kriegsausgabe der K. C.-Blätter wird noch eine ausführliche Denkschrift von vr. Max Oppenheimer, „Wie die Badenia entstanden ist", veröffentlicht werden können. (Anm. d. Schrift!.) Deutschtum und Judentum! Zum 25jährigen Jubiläum der Badenia. Bon vr. mecl. David Rothschild iBadeniae) Soden a. T. — Frankfurt a. M. Während unsere Brüder in Ost und West und weit hinten in der Türkei tagtäglich immer neue, immer gewaltigere Blutopser bringen, um vereint mit allen andern Söhnen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und des Osmanenreiches, Recht und Wahrheit über Vergewaltigung, Gewinnsucht und Ehrabschneidung triumphieren zu lassen, müssen wir Kämpfer hinter der Front es unsagbar bitter empfinden, wenn wir sehen, wie unsere inneren Feinde am Werke sind, um uns die Genugtuung unserer selbstlosen Hingabe an die Sache Deutschlands zu verkümmern. Bei aller Trauer um den Verlust so vieler treuer Bundesbrüder, die von echter Begeisterung hingerissen, leuchtenden Auges den Tod für Deutschlands Ehre und Größe gefunden haben, erfaßt mich ein Gefühl wahren Stolzes bei dem Gedanken: „Ihr lieben Helden des K. C., ich habe mich nicht in Euch geirrt!" Ich denke zurück an die schwere Judennot in Deutschland, aus der der K. C. mit logischer Notwendigkeit, .Kraft der Einsicht willensstarker, ehrbegeisterter und kampfesmutiger Männer geboren werden mußte. Wenn ich mir die Hoffnungen vergegenwärtige, die mich selbst zu einem überzeugten und zu jedem Opfer bereiten Mitgliede unseres Bundes haben werden lassen, so möchte ich mich fast freuen, daß ich den Tag erleben durste, an dem wir durch die Tat zeigen konnten, daß es uns heiliger Ernst ist, mit unserem Anspruch auf Gleichberechtigung als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, und daß wir bereit sind, die aus den Rechten folgenden Pflichten mit unserem Herzblut zu besiegeln. Darum Dank

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