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KC-Blätter · 1915-09-01 · Heft 7 (September 1915) · p. Seite 487

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 7 (September 1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 487 (sequence 25)
Language
German
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487 Abschluß des Kartells zwischen Viadrina und Badenia. Das Schriftstück, das, wie leider säst das ganze Archiv und mit ihm auch das Gründungsdokument, bei einem Kneipbrand Ende 1896 verloren gegangen zu sein scheint, war unterzeichnet von dem leider allzufrüh entschlafenen Julius Cohn (Tetz) als Vertreter der Viadrina und mir als Vertreter der Badenia. Nach diesem Ereignis war das wichtigste Ereignis der Weggang Oppen-. heimers, der die zwei letzten Semester nur der Verbindung zuliebe in Heidelberg verbracht hatte und, nunmehr zum Dank für seine Verdienste um die Badenia zum Ehrenmitglied ernannt, nach Berlin übersiedelte in der festen und ausgesprochenen Absicht, auch dort eine Kartellverbindung zu gründen. Er konnte uns beruhigt verlassen, denn die Verbindung stand auf festen Füßen. Das bewies das darauffolgende Wintersemester 1892/93. Gleich zu Beginn des Semesters kamen, veranlaßt durch Kontrahagen, mit der Burschenschaft Alemannia, deren Bedarf an Schlägerpartien durch die nicht ebenso zahlreiche, wenn auch starke Frankonia nicht gedeckt werden konnte, eine Reihe von Verabredungspartien tFormalkontrahagen) mit der Alemannia zustande, die uns Gelegenheit gaben, zu zeigen, daß wir auch auf fechterischem Gebiet unseren Mann stellten, und definitiv das Renommee begründeten, dessen sich die Verbindung dann allezeit erfteute. Die Herrlichkeit der Verabredungen war zwar nicht von langer Dauer, letztere genügte aber immerhin, um uns denjenigen Respekt zu verschaffen, dessen eine Verbindung wie die unsere benötigte. Es sei diesbezüglich auf Seite 21 der Festschrift zum 50jährigen Stiftungsfest der Burschenschaft Alemannia verwiesen, von der mir vor 9 Jahren ein Exemplar von einem inzwischen verstorbenen Gründer der Alemannia mit einer ehrenvollen Widmung übersandt wurde. Jenes Semester war auch sonst angestrengter Arbeit gewidmet. Sie erschöpfte sich nicht in dem rein korporativen Betrieb, der dabei die Fachausbildung der Bundesbrüder nicht einen Augenblick behinderte, sondern äußerte sich auch in politischer Betätigung einzelner Mitglieder. Mit Behagen entsinne ich mich der antisemitischen und antiantisemitischen Versammlungen in Spechbach und Waldwimmersbach, bei denen nicht immer bloß die Ueberzeugunaskrast der Worte entscheidend war, oder einer Reise, zu der ich Hals über Kopf aus dem Arnoldschen pathologisch-anatomischen Kolleg heraus nachmittags geholt wurde, um mit einem gerade abgehenden Zug in Begleitung anderer handfester Männer in die Gegend von Neidenstein zu gelangen, woselbst Herr Bösenberg, damals ein jugendlicher antisemitischer Agitator, nachmals Mitglied der damals schwarzen Verbindung Vineta, die Lande unsicher machte. Er schloß uns zwar von der Versammlung aus/ dafür hielten wir im gleichen Haus eine eigene, schleunigst einberufene, mußten aber, um das Feld zü behaupten, den letzten fahrplanmäßigen Zug versäumen und auf ungeheuerem Umweg über Jaxtfeld nach Hause gondeln. Die Gelder, die ich und die mitgekommenen etwa 20 Männer mit uns führten, reichten zu dieser großen Reise j nicht aus. Auf gut Glück pumpte ich spät nachts i einen mir begegnenden Neidensteiner Glaubensgenossen an und auf mein ehrlich Gesicht hin erhielt ich das Geld, mit dessen Hülfe wir die ganze Heimreise begleichen konnten. Meines eigenen Seins in Heidelberg war nun auch nicht länger. Jüngere Kräfte übernahmen im Sommersemester 1893 nach dem Weggang der Gründer die Führung der Verbindung. Es folgte im Wintersemester 1893/94 die Anschaffung der eigenen Waffen, die angesichts der sich ständig mehrenden antisemitischen Rencontres und der gänzlichen Verständnislosigkeit mancher Korporationen, bei denen wir Waffen belegt hatten, für bestimmte antisemitische Beleidigungen zum unmittelbaren Bedürfnis geworden war, und im 10. Verbindungssemester die Anlegung der Couleur. Es kamen weiter jene Jahre schwerster Anfechtungen und Kämpfe, die heute noch den Stolz und den Ruhm der Verbindung bilden und wie kaum etwas anderes dazu beigetragen haben, das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen allen Bundesbrüdern, auch den entferntest wohnenden, mit der Aktivitas lebendig zu erhalten. Es kam schließlich als Erfolg einer Denunziation von vier Heidelberger Korporationen, zu deren Ruhmesblättern diese Tat wahrlich nicht gehört, Ende des Sommersemesters 1901 die temporäre und nach einer Denunziation des B. D. St. zu Darmstadt, der sich nicht scheute, die Tatsache, daß die suspendierte Badenia ihn unter ihrem Namen zum Austrag einer vor der Suspension zustande gekommenen und ehrengerichtlich genehmigten Säbelforderung trat, dem „Bierrichter" anzuzeigen, die definitive Suspension der Badenia am Ende des Sommersemesters 1902. Ueber die Begründung der Suspension mit dem Hinweis darauf, daß die bloße Existenz einer farbentragenden jüdischen Verbindung den akademischen Frieden gefährde, soll heute nicht gerechtet werden. Daß damit das Jnkorporationsrecht der jüdischen Studenten von der Gnade oder Ungnade antisemitischer Studenten abhängig gemacht wurde, bedarf keiner Darlegung. Zugunsten der akademischen Behörden wollen wir heute annehmen, daß ihnen eine gewisse Bequemlichkeit und das verständliche Bedürfnis nach Ruhe die Suspension selbst und

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