KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 486 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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486 Ende des ersten Semesters kein Zweifel mehr, wie er bei Oppenheimer auch nie bestanden Hai Noch schien die zarte Pflanze der jungen Verbindung den Stürmen des Lebens nicht gewachsen, als das zweite Semester, das uns verhältnismäßig zahlreiche Füchse gebracht hatte, zu Ende ging.' Oppenheimer benutzte daher das fünfjährige Stiftungsfest der Viadrina, zu dem er als Delegierter der Badenia erschienen war, um die Entsendung wenigstens eines Burschen für das kommende Semester zu erbitten, da nur Mainzer und Auerbach, der im Sommer 1891 als Fuchs eingesprungen war, im Wintersemester wiederkehren zu wollen erklärt hatten. Er stieß auf taube Ohren und fand ziemlich kühle Abweisung, die persönlich nur durch den tröstenden Zuspruch einzelner jüngerer Viadrinen, — aus seinen Briefen zitiere ich Samosch, Pick und Türk — leichter gemacht wurden. Er berichtete tief betrübt nach Heidelbew, daß alle Glut seiner Beredsamkeit fruchtlos verflogen und daß ihm in nicht eben zarter Weise von dem temperamentvollen, leider allzufrüh dahingegangenen Krüger bedeutet worden sei, er hätte besser getan, von vornherein Viadrine zu werden, anstatt seine Zeit mit einer Verbindung zu vergeuden, die doch nur ein totgeborenes Kind sei. Auch die Viadrina hatte freilich keinen Ueberfluß an Mitgliedern. War uns die ersehnte Hilfe aus Breslau versagt, so verließ uns doch nicht unser unverwüstlicher Optimismus. Außer Oppenheimer, der inzwischen ins Philisterium übergetreten war, und dem im Sommer eingetretenen, schon im Staatsexamen stehenden Sklarek kamen Mainzer und Auerbach und im letzten Augenblick, entgegen seiner ursprünglichen Absicht, Halle im Wintersemester 1891/92 wieder. Zu ihnen traten nun zwei neue Füchse, darunter Fritz Frank, außerdem aber Siegfried Oppenheimer (Senf), der damals in Oestringen, nicht weit von Heidelberg, als Landarzt praktizierte. Aber gerade jenes dritte Semester war mehr noch wie das zweite Semester für die Entwicklung der Verbindung von entscheidender Bedeutung. War es im ersten Semester schon im Hinblick auf die hohe Semesterzahl der meisten an der Gründung beteiligten und im Laufe des Semesters hinzugetretenen ebenfalls ausnahmslos hochsemestrigen Bundesbrüder — sie standen meist dicht vor dem Examen — nicht möglich gewesen, für die Fechtausbildung mehr als einen Kursus der vier jüngsten Semester, Marxheimer, Mainzer, Allen und Halle, auf dem Universitätsfechtboden zustande zu bringen, so hatte darin bereits das zweite Semester Wandel gebracht. Zwar standen uns zunächst keine erheblichen Mensurerfahrungen zu Gebot, um so stärker aber war unser Wille, uns dasjenige auf fechterischem Gebiet durch scharfe Beobachtung und unermüdlichen Eifer anzueignen, was anderen Korporationsstudenten durch Tradition und vieljährige Erfahrung älterer Semester zuteil wurde. Nkichstdem für den inneren Ausbau der Verbindung zu sorgen, war unsere zweite Ausgabe. Zu Hilfe kam uns hierbei der glückliche Umstand einer gründlichen Kenntnis des gesamten Komments, insbesondere des Bierkomments, die auch die jüngsten der Mitglieder von der Penne mitbrachten. Und wenn noch im zweiten Semester es manchmal dem Kneipwart schwer gefallen sein mochte, die Geister, die die Kneipe gerufen hatte, zu bannen, so sorgte das dritte Semester, gerade weil es nur einen kleinen Kreis in der Heidelberger Verbindung vereinte, definitiv für die Durchführung jener eisernen Disziplin, der die Verbindung ihre späteren Erfolge auch im Kampfe nach außen verdankte. Das bedeutungsvollste Ereignis des dritten Semesters war die Festkneipe vom 20. Dezember 1891. Sie vereinigte uns dank in erster Linie der Anregung des Herrn Max Maier mit einer größeren Anzahl Mitglieder der Heidelberger- Gemeinde und einigen angesehenen Mannheimer- Herren und schuf die Grundlage für die Stellung, die die Verbindung seitdem und heute noch in der Heidelberger jüdischen Philisterschaft einnimmt. Aber noch bedeutungsvoller war der Abend nach einer anderen Richtung: Außer unseren Heidelberger und Mannheimer Gästen waren unterschweren Opfern einige Bundesbrüderaus der Ferne herbeigeeilt und nach dem Vorgang des Sommersemesters, wo uns von Würzburg aus die Viadrinen Davidsohn, Friedmann und Ehrlich besucht hatten, eine Deputation der Viadrina, bestehend aus Aronsfeld und Krause, die damals in Würzburg studierten. Ich entsinne mich noch enau des Jubels, der herrschte, als Oppeneimer in packenden Worten uns und alle unsere Gäste zu gemeinschaftlichem Kampf gegen die Zurücksetzung und für die Ehre unserer Gemeinschaft aufrief. Alle Bundesbrüder und die anwesenden Viadrinen fielen ihm begeistert um den Hals, und die Stimmung konnte kaum noch eine Steigerung erfahren, als Aronsfeld in klaren, kernigen Worten und in seiner harten Sprache der Genugtuung über den Geist Ausdruck gab, den er bei uns'konstatieren konnte. Das Sornmersemester 1892 kam, eingeleitet durch die ersten Säbelmensuren der Verbindung, deren Ausgang uns sehr befriedigen durfte. Von den verhältnismäßig zahlreichen Füchsen, die sich damals uns zugesellten, -seien Marttn Ballin und Max Abel, jetzt Rechtsanwalt in Essen und nach einem Beschluß der vorjährigen Generalversammlung wohl bald wieder der unseren einer, genannt. Das Semester brachte den definitiven