KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 485 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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485 der ich ebenfalls an den Gründungsversuchen im Sommersemester teilgenommen hatte, durch Moses, der ehemals Fuchs der Berliner Ghibellinia, einer nur aus Juden bestehenden, durch ihre Fechtschneidigkeit berühmten Verbindung, gewesen war, angeregt, bei Semesterbeginn meinerseits die Verbindung mitbegründen zu wollen erklärte, war der Plan zur Ausführung reif. Noch entsinne ich mich der Eile, mit der ich meinen vormaligen Kompagniekameraden Hirschfeld und Hamburger, ein Mitglied der Würzburger W.G.V., mit dem ich im vorangegangenen Semester häusig zusammengekommen war, am Sonntag, den 26., nachmittags und abends vom Bahnhof abholte und, eifrig im Sinne einer Teilnahme an der Gründung auf sie einredend, ins „Goldene Roß" schleppte, wo inzwischen die anderen mit Halle, der als erstsemestriger Mediziner von mir gekeilt worden war, sich ebenfalls eingefunden hatten. Es war ein kleines, nach Alter, Temperament und Wesen durchaus nicht einheitliches Häuflein- und so kam es, daß von den Gründern einer, Hamburger, bald aus persönlichen Griinden ausschied, ein anderer, Moses, nach zwei Semestern gestrichen werden mußte, dieweil er nicht die ungeheuer strenge Auffassung der materiellen Verpflichtungen der Verbindung gegenüber hatte, in der wir, und insbesondere ich als gestrenger Kassenwart, damals befangen waren, und wieder ein anderer, Magnus Hirschfeld, nach einigen Jahren austrat, weil er als prinzipieller Gegner der Couleur bei aller Gemeinschaftlichkeit der Auffassung in den prinzipiellen Fragen der Verbindungsziele den Beschluß, Couleur zu tragen, für seine Person nicht mitmachen wollte. Selbst in Fragen der Taktik waren die acht keineswegs geschlossen. Oppenheimer selbst als „radikaler Jude" wünschte von allem Anfang an eine rein und ausgesprochen jüdische, d. h. exklusive Verbindung. Und wenn trotzdem im ersten und zweiten Semester je ein W.G.V.er der Badenia angehören konnte, ja, von Heidelberg aus eifrige Bemühungen einsetzten, die Würzburger W. G. W. ebenfalls auf den'Standpunkt der Exklusivität zu bringen, so war das begründet einmal dadurch, daß in den Reihen der W. G. V., die übrigens als orthodoxjüdische Verbindung gegründet, wenn auch von diesem Standpunkt zurückgekommen war, eine beträchtliche Strömung im Sinneeiner ausgesprochenen Exklusivität bestand, vor allem aber in der optimistischen Ueberzeugung Oppenheimers, daß es ihm gelingen werde, die W. G. V. zu seinem Standpunkt herüberzuziehen. Die Konstituierung der Badenia wurde auch der „Freien Verbindung Viadrina" zu Breslau offiziell angezeigt. Aus die Mitteilung von der stättgehabten Gründung kam aus Breslau ein Schreiben, worin der Freude darüber Ausdruck gegeben wurde, daß nach vierjährigem schwerem, scheinbar aussichtslosen Kampf aus dem fernen Westen nun Aufmunterung zur Weiterarbeit durch gleichgesinnte junge Akademiker nach Breslau gelange. Alsbald begannen die Verhandlungen zwischen Viadrina und Badenia, die eine Klärung des Standpunktes der Badenia hinsichtlich ihres exklusiven Charakters, d. h. des Prinzips, nur Juden aufzunehmen, zwecks eventuellen Abschlusses eines Kartells zum Ziel hatten. Man muß Oppenheimers Plan gekannt haben, um zu verstehen, daß er die bisher zwar nur aus Juden bestehende, aber nicht ausgesprochen exklusive W.G.V. zu Würzburg, wie die von jeher exklusive Viadrina zu Breslau mit der Badenia zu einem Kartell zusammenschließen wollte, das die Grundlage für eine durchgreifende Organisation der gesamten jüdischen Studentenschaft an den deutschen Hochschulen bilden sollte, und nun bei den Verhandlungen der W.G.V. gegenüber absolut den Standpunkt der Viadrina und der Viadrina gegenüber zwar nicht den Standpunkt der W.G.V., aber immerhin den Standpunkt einer gewissen taktischen Rücksichtnahme vertrat, wie er in ähnlicher Weise noch im Jahre 1905 von unserer K.-V. Rheno-Silesia in einem Antrag zum Heidelberger K. C.-Tag vertreten wurde. Er selbst, das muß sestgestellt werden, und diejenigen aus dem kleinen Kreis der acht, die von vornherein zielbewußt mit ihm zusammen arbeiteten und in den kommenden Semestern die Badenia zu dem gemacht haben, was sie wurde, waren sich keinen Augenblick über Oppenheimers und ihr Ziel unklar. Oppenheimers Meinung ging dahin, daß es vor allem notwendig sei, den äußeren Rahmen zu schassen und daß es ihm dann unschwer gelingen werde, aus dem Kartell das zu machen, was er wollte, einen exklusiv jüdischen Verband mit den Bestrebungen, die ich einleitend als die seinen bezeichnet habe. Daß sein Verhalten und das von ihm letzten Endes vollkommen beherrschte Verhalten der Verbindung im ersten und in einem Teil des zweiten Semesters Mißdeutungen bei unseren Breslauer Freunden ausgesetzt war und daß sie geglaubt haben, ja vielleicht glauben mußten, daß ihrem Einfluß die Ende des Wintersemesters 1890/91 prinzipiell und bald darauf definitiv beschlossene Exklusivität der Badenia zu verdanken sei, ist begreiflich, aber irrig. Oppenheimer und wir brauchten Unterstützung, um die Verbindung, die mit ganzen drei Aktiven, darunter einem Biersoldaten, ins zweite Semester ging, über Wasser zu halten. Das war natürlich nicht ohne Bedeutung für unsere Taktik gegenüber der W.G.V. Ueber die endgültige, auch statutarische Stellungnahme der Verbindung bestand aber bereits seit