KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 479 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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lieben Tip, der mir sehr nahe ging. Noch zwei Tage vor der Mobilmachung satzen wir zusammen mit noch einigen Bbr. Bbr. im Kaffee Krall; er machte Hon ein so ernstes Gesicht, als ob er ahnte, datz er einer der ersten sei, der aus dem Kreise der K.Cer sürs Vaterland fallen sollte. Auch die Nachricht vom Heldentode meines lieben Bbr. Kahn erschütterte mich tief, er war ein so guter Kerl, der einem stets mit Rat und Tat beisprang, wenn man ihn bat. Es interessiert Sie vielleicht, einiges von meinem Tun und Treiben aus dem Felde zu hören: Ich hatte vergebens versucht, als Kriegsfreiwilliger unterzukommen in Frankfurt, Darmstadt, Hanau, Koblenz und Mainz, bis ich endlich angenommen wurde.... Ich kam zur 6. Batterie, wurde anfangs als Munittonskanonier verwandt, später als Ladekanonier; ich hatte in dieser Eigenschaft die Kanone abzuziehen. Am 4. November, als die Franzosen am hellen Mittag, punkt 13 Uhr, einen Angriff auf A. unternahmen, schlugen wir sie so tüchtig, datz ihre Verluste gegen 2—3000 waren, unsere dagegen blotz 10 Leichtverwundete und 3 Tote. „Unsere" heitzt hier „der Deutschen". Die Artillerie hatte damals so gut gewirkt, datz die Infanterie keinen Schutz abzugeben brauchte und wir vom Brigadegeneral eigens gelobt wurden. Seit dieser Zeit Haben die Franzmänner hier auch nichts mehr unternommen, sie haben wahrscheinlich die Nase voll. Inzwischen bin ich zum berittenen Telephonisten avanciert und gondle abwechselnd zwischen Feuerstellung, Schützengraben und Abteilungsgeschäftsstelle herum. Die erste Abteilung unseres Regiments gehört zur — Landwehrbrigade. Wir haben zwei verschiedene Feuerstellungen, eine rechts und eine links von V... Eine im Schützengraben eingerichtete Beobachtungsstelle muh auch von zwei Telephonisten besetzt sein, so datz ich durchschnittlich alle 3 5 Wochen in der vordersten Linie bin. Ist die Batterie in Ruhe, werden wir alle 8 Tage auf 4 Tage abgelöst, dann übe ich mein Amt in der Geschäftsstelle der Abteilung aus. Sie sehen also, datz ich ein recht „bewegtes" Leben führe, aber ich tue es gerne. Mein gröhter Wunsch ist nur der, datz es recht bald weiter vorgeht. Seitdem ich hier bin, liegen wir sozusagen an einem Fleck, da sehnt man sich auch einmal nach Abwechselung, und wenn man die Kameraden von der Zeit der ersten Verfolgung reden hört, dann bekommt man ordentlich Lust, auch einmal bei einer offenen Feldschlacht mitzuwirken, und es ist nur zu wünschen und zu hoffen, datz der eintönige Stellungskrieg bald zu Ende geht. Gestern wurden wir lebhaft beschaffen, ein Flieger leitete das Feuer. Die Geschosse kamen sehr nahe heran, aber es wurde kein Schaden angerichtet. So, lieber Alter Herr, jetzt bin ich zu Ende mit meiner Weisheit. Leben Sie wohl! Sie und Ihre Frau Gemahlin herzlichst grüßend, verbleibe Ihr Sie hochschätzender Karl Reumann. L. M.! Das ... und ... Regiment stehen heute nebeneinander. Der erste K.Cer, den ich so im Felde begegne, ist Boll-Simon. Die Freude ist groß, trotz des schlechten Wetters. Es geht weiter. Herzliche Grütze Dein Arnsdorfs. L. M! Nicht mit unserer Autzenquart, doch mit güten Haübitzaeschossen haben wir einige Tausend ins Jenseits befördert. In alter Liebe Dein Ludwig Simon. Mein lieber Mainzer! Im Galopp eine Meldung machend, zog ich mir eine Unterschenkelverletzung zu, wurde nach W. ins Lazarett geschafft, wo ich mich freute, sorgsame Behandlung und Pflege zu genießen und auch von Dir sprechen zu können. Alte, freundliche Bilder traten mir vors Auge. — Heute geht's wieder zur Front. Herzliche Grütze Dein Richard Asch. Herzlichen Grutz _ Löwisohn (Thur.) L., 24.9.15. Lieber Mainzer! Ich stehe noch in Deiner Schuld. Für das schöne, ausführliche Rundschreiben vom Juni mutz ich danken. So manches hast Du da hineingelegt, soviel Inhalt aus unserer lieben, kleinen K.C.-Welt. Und wie Du selbst auch meintest: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Inzwischen kam nun auch die Feriennummer der K.C.- Blätter, die plauderte so manches aus von Ost und West in der Briefecke und gab viel Treffendes in den Aufsätzen, datz ich trotz meiner monatelangen Einsamkeit mich wieder in Gesellschaft fühlte, während ich las. Du wünschest mehr Persönliches; da ist bei mir nicht viel zu erzählen, denn nach dem intereffanten Bewegungskrieg kam ich vor nunmehr vollverflossenen 9 Monaten in dieses früher ganz zerschoffene, jetzt von deutschen Soldaten fast wieder neugebaute Nest. Hier wird exer- , ziert, es spielt mehrmals in der Woche die Regiments- ' musik. Ich sah Karlchen Löwenstein, Ernst Hahn, Fritz; Frank lLicariael hier, bin nun aber fast v, Jahr allein auf meiner Station, der Korpsfernsprechabteilung, wo - wir ausschlietzlich Betriebsdienst haben. Ich wache momentan jede 3. Nacht. Meine Dienstreisen erledige! ich auf meinem Dienstpferd, einem treuen Rappen, der hübsch aussieht, aber nur einigermatzen „geht". Seit einiger Zeit ist die Ortschaft sogar elektrisch beleuchtet. Dir selbst wünsche ich in Deinem Wirken.nach allen Seiten hin Erfolg und auch vor allem unserm jungen Frankfurter Stammtisch ein frisches: Vivat crescat kloreat. Mit bundesbrüderlichem Grutz Dein Erich Auerbach (Sprev. Viadr.) L., 21.9.15. Lieber Alexander! Mein monatelanges Schweigen wird Dich hoffentlich nicht zu sehr befremdet haben, ich habe hier seit geraumer Zeit ein unbeneideies Kommando, das viel Läuse einbringt. Die praeadamitischen Verhältnisse, unter denen sich also mein Dienst abspielt, haben mir alle Lust und Zeit zum Schreiben genommen. Ansonsten will ich Dir mittetten, datz ich unter dem Druck der Ereignisse ungeahnte Fähigkeiten entwickle. Ich beteilige mich mit Erfolg abwechselnd als Kanonier, Geschützstandbauer, Munitionsfahrer, Erdarbeiter und ganz nebenbei auch als Einj.- Gesreiter. Mit den K. C.-Blättern hast Du mir eine große Freude gemacht, sie sind wirklich ein Ehrenmal für uns, das später einmal nicht zu unseren schlechtesten Kamps- und Beweismitteln gehören wird. Denn Kampf, heißer denn je, wird es ja wohl noch geben, und die Probleme häufen sich, anstatt weniger zu werden. Leider fehlt mir die Ruhe, um mich eingehend mit all diesen Fragen zu beschäftigen. Vielleicht gelingt es mir aber, wie ich Dir schon m meiner letzten Karte schrieb, zu Semesterbeginn nach Bonn Urlaub zu bekommen, dann langt es vielleicht auch zu einem Abstecher nach Crefeld. Bis dahin mit besten Grützen Dein treuer Bb. Erich Blumenthal. Lieber Mainzer! Gerne sende ich Ihnen die Aufnahme eines selten schönen, gemüttichen und anregenden K.C.-Nachmittags und -Abends in L., den wir einer Anregung von Alsberg und Guttmann verdanken, und zu dem Feldrabbiner Or. Italiener seine Räume zur Verfügung gestellt hatte. Wir schlemmten feine Torten bei ihm, und abends war in einem sehr schönen Raume des Weinstübchens in L. bei allerlei unbewohnten Delikatesten und guten Weinen eine sehr launige Stimmung.