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KC-Blätter · 1915-09-01 · Heft 7 (September 1915) · p. Seite 477

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 7 (September 1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 477 (sequence 15)
Language
German
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477 des Trivialen und des spielerischen »Witzes«. Wir trauen dem Verfasser zu, daß er diese Mängel zu überwinden vermag. Allein wir begrüßen den Abdruck aus einem andern Grunde. Das Schriftchen ist, grade weil es nicht zu diesem Zwecke geschrieben wurde, vorzüglich geeignet, Juden in die Hand gedrückt zu werden, die vielleicht nahe daran sind, Morija mit Golgatha zu vertauschen. Hier kann ihnen eindringlich zum Bewußtsein gebracht werden, was sie aufgeben und wofür sie es aufgeben. Der Verfasser hat das Schriftchen dem Andenken seines Bruders, der ein Opfer seines ärztlichen Berufes wurde, gewidmet. Dortmund, 37. Oktober 1915. B. Jacob. „Die Juden der Türkei" von Davis Trietsch Verlag von Veit & Co., Leipzig 1915; erschienen in den Schriften des Deutschen Vorderasien-Komitees. Die türkische Judenfrage gewinnt täglich an Wichtigkeit, da sich im Laufe des Weltkrieges sehr enge Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei angebahnt haben, die auch für viele Tausende von unseren Glaubensgenoffen von entscheidender Bedeutung sein können. Vor allem sind zum Ausbau der Handelsbeziehungen viele Menschen nötig. Menschen werden aber nach diesem männermordenden Krieg von jedem der kriegführenden Staaten zum Wiederaufbau der eigenen Volkswirtschaft so nötig gebraucht werden, daß an eine größere deutsch-österreichische Auswanderung nach der Türkei wohl nicht gedacht werden kann. Hier, meint Trietsch, stelle sich zur rechten Zeit das jüdische Element Osteuropas ein, das von Hause aus deutschsprachig sei und überdies seiner Abstammung nach auch mit den vorderasiatischen Türken harmoniere. In der Türkei leben zurzeit, meist in den großen Städten, etwa 120090 Juden. Sie sind entweder eingeboren, oder sie sind spaniolischer Abstammung (namentlich in Saloniki und Smyrna), die größte Masse bilden aber die seit den 1881 ausgebrochenen russischen Judenverfolgungen geflüchteten aschkenasischen Glaubensbrüder. Namentlich in Palästina, wo die jüdische Einwanderung so gut wie die einzige ist, wird durch die Juden der deutsche Handel, wie die Konsularberichte zeigen, außerordentlich zu ungunsten des englischen gefördert. Die jüdischen Einwanderer sind, wie nicht leicht andere, geeignet, Industrien und Verkehrsinstitute ins Leben zu rufen. Die Türkei ist bis jetzt fast lediglich Agrarstaat, daher wäre eine Millioneneinwanderung von Juden, die für die Industrie mobilisiert werden könnten, nur wünschenswert. Die im allgemeinen große Anspruchslosigkeit der Ostjuden und die guten Beziehungen zwischen Türken und Juden im Laufe ihres mehrhundertjährigen Zusammenlebens verbürgen einen guten Erfolg der jüdischen Einwanderung. Der Verfasser meint dann, der Weltkrieg stelle Deutschland vor die drei folgenden Fragen: Wie sind die deutsch-türkischen Beziehungen auszubauen, um allen deutschen Interessen in der Türkei eine sichere Grundlage zu schaffen? Wie kann die Türkei unter deutscher Mithilfe auf die Dauer vor dem Einfluß der Staaten bewahrt werden, die an ihrer Schwächung intereffiert sind? Wie hat Deutschland sich nach dem Kriege den osteuropäischen Juden gegenüber zu verhalten, die, durch die Kriegsereigniffe schlimmer entwurzelt als je zuvor, vor einer ungeheuren Wanderbewegung stehen? Trietsch glaubt diese schwerwiegenden Fragen alle durch die Ansiedlung der russischen Juden in der Türkei lösen zu können und meim, es könnte sich so mit der Zeit eine Art deutsches Protektorat über die Judenheit Herausbilden, ähnlich wie es die Alliance israelite universelle oder Lord Palmerston auf französischer bezw. englischer Grundlage sich erträumt hatten. Die kleine, sehr hübsche Schrift bietet eine Menge interessanter Tatsachen. In mancher Hinsicht scheint sie mir aber viel zu optimistisch, namentlich mutz meiner Ansicht nach eine deutsch-türkische Kulturgemeinschast nicht in erster Linie durch eingewanderte russische Juden, sondern durch Deutsche und Türken selbst herbeigefiihrt werden, wenn auch die Mitwirkung dieser jüdischen Elemente natürlich zu begrüßen ist. Wie wir betonten, haben. wir mancherlei Ausstellungen an der Schrift zu machen und auch den Vorschlägen des Verfassers vermögen wir nicht in allen Punkten zuzustimmen. Nichtsdestoweniger können wir der Arbeit Verbreitung wünschen, vornehmlich weil sie eine große Menge intereffantes statistisches Material gibt und weil manch beachtenswerter Fingerzeig in ihr enthalten ist. Dr. Lothar Dessauer (Saxo-Bavariae). Raffe und Raffefragen in Deutschland. Bon Otto Hauser. Vereinigung Heimat und Welt (Alexander Duncker, Weimar». Preis Mk. 1,—. Daß auch ein Dichter einmal in die Tiefen der Raffenwiffenschaft. hinabsteigt, ist nicht erstaunlich. Denn Dichter besitzen bekanntlich viel Fantasie, und Fantasie und dichterische Gestaltungskraft gehören in reichem Maße dazu, um gerade heute ein Buch zu schreiben, in dem man Raffetheorien aufftellt. Otto Hauser, der uns durch zahlreiche poetische Arbeiten und insbesondere Romandichtungen bekannt ist, bekennt sich in seiner jüngsten Schrift zur Lehre der unbedingten Vorherrschaft der germanischen Raffe Für einen Dichter würde es nun zu prosaisch sein, wenn man den Raffebegriff nach nüchternen anthropologischen Merkmalen festlegen wollte, er sucht nach einem klangvolleren Symptom und findet es in der Haarfarbe. Nur Blondheit — die Lichtsarbe — verbürgt Siegertum, verbürgt Genie. Wer das Unglück hat, mit einer andern Haarfarbe zur Welt zu kommen, täte also gut daran, sofort wieder von ihr zu scheiden, denn er würde ja doch nur zu den Parias der Menschheit gerechnet werden können. Nun ist es aber unstreitig, daß es auch ganz fähige Menschen gegeben hat, wie z. B. Goethe, die keineswegs so begnadet waren, um sich der blonden Haarfarbe erfreuen &u können. Das hat denn auch zur Folge, daß Goethe nach Hauser nicht immer gute Verse geschrieben hat. Aber einen blonden Schimmer im Haar hat er doch wenigstens gehabt, und diesem Schimmer verdanken wir seine Größe. Auch mit der Judenfrage beschäftigt sich Hauser, wie es ja garnicht anders zu erwarten war. Es muß ihm lobend nachgesagt werden, daß er sich von allen persönlichen Angriffen und Ausfällen fernhält, wenn auch seine Kenntnis des Judentums nicht gerade tiefgründig genannt werden kann. Sein Urteil stützt sich allein auf die Ausführungen Otto Weinigers, dessen Werk «Geschlecht und Charakter« vier Seiten lang zitiert wird. Das Ergebnis ist, daß uns wieder einmal nach, gesagt wird, es fehle uns die Individualität, das Genie, das eigentlich Schöpferische, und daß wir auf Palästina verwiesen werden; denn dort würden wir das Verlorene wiederfinden. Hausers Endforderung ist: Zurück zum nordischen blonden Deutschtum, das sich am reinsten im preußischen Adel erhallen haben soll. Im Gegensatz zu andern Raffelehrern vermeidet Hauser alle tendenziösen und partei-politischen Erörterungen. Seine Arbeit ist aber auch nichts anderes als ein Dichterwerck, das als solches und feinem ganzen Inhalte nach keinen Anspruch auf wissenschaftliche Bewertung erheben kaum K. A. Hiob, Erzählung aus dem jüdischen Leben von Gertrud Epstein, 3. Auflage, Heinrich Minden in Dresden. Preis geh. 1,80 Mk. In aschgrauer Vorzeit lebte im Lande Uz ein Mann namens Hiob; in seiner alttestamentarischen Frömmigkeit ertrug er alle Prüfungen des Erdenlebens

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