KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 475 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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475 daher intern suspendieren. Bei der Universität ist eine solche Suspendierung der Verbindung nicht angemeldet. So bedauerlich an sich dieses Ereignis ist, so stolz sind wir auch darauf, da fast alle unsere Bundesbrüder sich in den Dienst des Vaterlandes gestellt haben. Leider hat nun auch von uns der Krieg ein Opfer gefordert. Am 14. August starb in Rußland den Heldentod unser l. i. a. B. Fritz Ehrlich. Der Verlust dieses Bundesbruders, des feinen, stillen Menschen, der durch seine Klugheit, Güte und Treue seine Bundesbrüder sich zu Freunden machte, ist uns um so schmerzlicher, als wir in ihm einen unserer Gründer betrauern. Wir bitten die Bbr. Bbr., uns recht häufig Mitteilungen aus dem Felde zugehen zu lassen. Alle Verbindungsangelegenheiten erledigt stud. med. Curt Haas, Leipzig, Lampestraße 10, pari, (bei Schober). K. C.-Starmntisch, Frankfurt a. M. Während der Ferien veranstalteten die in Frankfurt anwesenden Mitglieder des StammtischS häufig gemeinsame Ausflüge in die schöne Umgebung. Wir machten uns dabei die Freude, die im Taunus zur Kur weilenden Äbr. Kbr. Speier (Ghib.l und Scharfstein Ghib.) auszusuchen. Auch mit Kbr. Schindler (Frib.l, der sich längere Zeit nach seiner Verwundung zur Erholung hier 'aufhielt, sowie mit den Frankfurter Kbr. Kbr. .Gottscho (Lic) und Oppenheimer (Bav.) kamen wir fast täglich zusammen. Regelmäßig am Mittwochabend vereinigten wir uns zu gemütlichein Beisammensein im Restaurant „Faust". Unsere auswärtigen Bbr. Bbr werden ausnahmslos, soweit sie nicht ins Heer eintreten, das Wintersemester wieder in Frankfurt verbringen, sodaß wir mit großen Erwartungen in das neue Semester eintreten können; zumal da unser Stammtisch noch neuen Zuwachs durch die Kbr. Kbr. Paul Einstein (Ghib.l und Lewinsohn >Sax.-Bav ) und durch die von einer I.K.B. ,/Licariae" uns überwiesenen Brandfüchse Hirsch und Levita erhalten wird. Auch haben wir begründete Aussicht, daß sich noch eine Anzahl von Kriegsfüchsen bei uns aktiv melden wird. So hegen wir denn die Zuversicht, daß unser Verbindungsleben auch weiterhin einen günstigen und erfreulichen Fortgang nehmen wird und daß die hoffentlich recht bald an die Oeffentlichkeit tretende Verbindung einen gut vorbereiteten Boden findet. Wir eröffnen das Semester am 23. Oktober mit einer Antrittskneipe um 9 h. c. t. im ersten Stock des Restaurant „Faust". Briefe sind bis auf weiteres zu richten an stud. med. Leo Seligmann, Frankfurt a. M, Friedrichstr. 29. " * * * Vncher- und Ktätterfchau Die Ostjudenfrage. Zionismus und Grenzschluß, Von Georg Fritz, Kaiser!. Geh.Regierungsrat. München 1915. I. F. Lehmann. Preis Mk. 1.—. Wenn sich in den letzten Jahren Nichtjuden mit jüdischen Problemen beschäftigt haben, so haben wir dieses Beginnen stets argwöhnisch verfolgt. Wenn aber gar die Sorge um das Judentum allzu stark betont wurde, dann wuchs unser Mißtrauen; denn in fast all diesen Fällen bestrebte man sich, die Judenfrage zu lösen in einem uns denkbar ungünstigen Sinne. Auch der Verfaffer der Ostjudenfrage gibt vor, sein Schriftchen im Interesse der deutschen Juden verfaßt zu haben. Aber auch hier wird es dem einsichtigen Beobachter nicht schwer fallen, herauszufinden, daß das Ganze von Haß und Abneigung gegen die Juden getragen ist. Das polnisch-jüdische Problem, das aufgerollt wird und mit dem wir uns in diesen Blättern bereits einmal beschäftigt haben, kann hier nur kurz gestreift werden. Fritz glaubt, daß nach einer Einverleibung polnischer Gebietsteile durch das Reich eine Maffeneinwanderung unkultivierter polnischer Juden einsetzen würde, die von den schwersten Schäden für unser Wirtschaftsleben begleitet und auch den deutschen Juden sehr wenig angenehm sein würde. Das Mittel, das den Zustrom der raffefremden Elemente hindern kann, ist nach Fritz einzig und allein die völlige Grenzsperre. Der Verfaffer ist überzeugter Raffepolitiker und als solcher unbedingter Anhänger der Lehre, daß nur die reingermanische Raffe sich um die Kulturentwicklung der Menschheit Verdienste erwerben könne. Was er im übrigen über den Raffebegriff sagt, ist nichts weiter als Phrase und von Chamberlain und ähnlichen Schriftstellern abgeschrieben. Daß Fritz unter diesen Umständen die Juden als Nichtarier nicht liebt, kann nicht wundernehmen. Wenn wir seine Ausführungen über das Wesen der Juden lesen (S. 13), iu denen er des länger» und breitern von unserm rein auf das Nützliche gerichteten Materialismus, unserm Geschäftssinn, unserer kapitalistischen Begabung redet und dann weiter seiner Freude darüber Ausdruck gibt, daß das »deutsche hochstrebige Wesen von der Zeit des goldenen Kalbes" — das ist die vergangene Wirtschastsperiode, in der die Juden dominierten — unberührt geblieben ist, dann wiffen wir, was wir von dieser Schrift zu halten haben. Des Verfassers Sympathie findet der Zionismus, den er aber ebenso oberflächlich zu kennen scheint, wie alle andern Richtungen innerhalb des Judentums. Seine Vorliebe für den Zionismus erklärt sich daher, daß er in dieser Bewegung das geeignetste Mittel sieht, um die Juden möglichst schnell aus dem Gebiete unseres Reiches wegzuschaffen. In diesem Sinne hat auch einmütig die zionistische Preffe die Ausführungen des Autors aufgefaßt und voll Entrüstung seine „Freundschaft" zurückgewiesen. Noch weniger als die Westjuden kennt er die Ostjuden, obwohl sich sein Schristchen doch eigentlich in der Hauptsache mit ihnen befaffen soll. Die Maffeneinwanderung unserer Glaubensgenoffen aus Polen nimmt er, da sie in der Vergangenheit geschehen ist, auch für die Zukunft als feste Tatsache an, ohne auch nur mit einem Worte nach dem Grunde der Emigration zu forschen. Hätte er das getan, so hätte er, bei allerdings objektiver Untersuchung, sofort finden müffen, daß die Abwanderung nur eine Folge der entsetzlichen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse war. Es hätte ihm aber auch nicht verborgen bleiben dürfen, daß der polnische Jude bei einer Aufbesserung seiner Lage — und unsere Regierung bestrebt sich ja bereits heute nach Kräften, eine solche zu erzielen, — nicht die geringste Neigung hat, sein Heimatland, das er trotz allem liebt, zu verlassen. Allerdings hätte zu dieser Beobachtung zum mindesten ein geringes Maß von Kenntnis der Psyche des polnischen Juden gehört. Und sie fehlt dem Verfasser durchaus. Völliger Abschluß unserer Grenzen gegen die Einwanderung der Ostjuden, Untersuchung der Fremden an den Grenzen nach raffemäßigen Gesichtspunkten, in diesen Forderungen gipfelt die Fritzsche Schrift. Wenn wir noch hinzufügen, daß Fritz in edler Menschenliebe die verstoßenen Ostjuden auf Palästina verweist, offenbar in der stillen Hoffnung, daß, wenn sie dort erst eine lebenskräftige jüdische Siedlung errichtet haben, die Westjuden bald Nachfolgen werden, dürften wir den Inhalt der Broschüre ziemlich vollständig widergegeben haben.