KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 472 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2268830-2268895-2268896--1528-3523143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
472 □ Akademische und Mlgrmeine Nachrichten. Sermann Cohens goldenes Doktorjubiläum. Geh. lat Prof. vr. Hermann Cohen konnte am 27. Oktober fern Svjähriges Döktorjübiläum begehen. Anläßlich dieses Tages war er der Gegenstand mannigfacher Ehrungen. Eine Abordnung der Kantgesellschaft überreichte eine Adresse, in der Cohens Fortsetzung der Lehre Kants m seinem neuen System der Philosophie rühmend gewürdigt wird. Professor vr. Ludwig Geiger hielt dann im Namen des Kuratoriums für die Lehranstalt des Judentums eine Ansprache, in der er Cohen als »die Seele und das Gewissen« des Judentums feierte. Nach einer kürzen Erwiderung Hermann Cohens, in der der Name Beit Simons mit Dankbarkeit genannt würde, trat Paul Natorp vor deü Jubilar, um ihm die Grütze und Glückwünsche der Universität Marburg zu überbringen Unter den zahlreichen Glückwünschen und Telegrammen, die von Schülern, Freunden und Anhängern der Marburger Schule eingegangen waren, befand sich auch eine Depesche des Kultusministers v. Trott zu Solz. Vaterländischer Studentendienst. Vor kurzem hatte in den Burschenschaftlichen Blättern (Jahrgang 29, Sommer 1915, Nr 9s Geheimrat Haupt über die an verschiedenen Hochschulen geschaffenen Vereinigungen zu vaterländischer Arbeit und über die für die Studentenschaft hinter der Front in Betracht kommenden Gebiete der Betätigung im Dienste des Gemeinwohls sich verbreitet. .Der geschäftsführende Ausschutz der Deutschen Burschenschaft hat sich mit diesen Anregungen in einer Sitzung vom 12. September d. I. beschäftigt und ist zu dem Beschlüsse gelangt, die Einrichtung des vaterländischen Studentendienstes an allen deutschen Hochschulen nach Möglichkeit zu fördern. Zu diesem Zweck hat der geschäftsführende Ausschutz an die Rektoren aller Universitäten und technischen Hochschulen des Deutschen Reiches das Ersuchen gerichtet, alle Kreise der Studentenschaft, soweit dies nicht schon geschehen ist, durch Bildung von Ortsausschüssen zur Teilnahme an gemeinsamer vaterländischer Arbeit, für die in dem erwähnten Aussätze allgemeine Richtlinien gegeben sind, zusammenzuführen. Gleichzeitig wurde durch, Rundschreiben an die Bereinigungen alter Burschenschafter, an die einzelnen Burschenschaften sowie an alle andern akademischen Verbände für die Teilnahme an diesen Bestrebungen geworben. Durch einen solchen Zusammenschluß aller akademischen Parteien und Richtungen würde zweifellos die deutsche Studentenschaft zur Stärkung der inneren Kraft Und Geschlossenheit unseres Volkes während .des Weltkriegs wirksam beitragen. Aber auch für die künftige Friedenszeit würden die angestrebten studenttschen Bereinigungen eine hohe Bedeutung dadurch gewinnen, datz durch eine solche vaterländische Arbeitsgemeinschaft der bisherigen Zerissenheit und Zerklüftung der Studentenschaft entgegengewirkt, und der Boden für die Entfaltung eines starken akademischen Gemeingeistes und Zusammenhaltes bereitet würde. Anfragen und Mitteilungen in der Angelegenheit des vaterländischen Studentendienstes wird Herr Geheimrat Haupt in Gietzen gerne entgegennehmen. Auch der K. C. wurde seitens des geschästsführenden Ausschusses der Deutschen Burschenschaft gebeten, die Bestrebungen nach Kräften zu unterstützen. Daraufhin hat der Vorsitzende des G.A. die Kartellverbindungen in einem RmwschreibeN darauf hingewiesen, dich eine Beteiligung an de» Arbeiten des Vaterländischen Stüdentendienstes Pflicht der Zurückgebliebenen sei. An dieser Stelle seien unsere Verbandsbrüder nochmals dringend gebeten, der Bewegung ihr Interesse und ihre Mitarbeit nicht zu versagen. Mitteilung des Mademischen Hilfsbundes. Es sind Fälle bekannt geworden, wo knegsbeschädigte Akademiker, um möglichst schnell aus dem Militäroerband entlassen zü werden, eine voreilige Zustimmung oher Unterschrift zu einer Ber^ichtleiftung auf Renten usw. gegeben haben, ohne dass ihre Ansprüche vorher geprüft worden sind. Wir richten an die Akademiker die dringende Bitte, mit diesen Zustimmungen nicht voreilig zu sein, weil sie sich dadurch ihrer Ansprüche begeben. Der Akademische Hilfsbund ist imstande und bereit, durch seine Zentrale oder Ortsausschüsse die Renten, ansprüche zu prüfen und zu vertreten. Das preutzische Kriegsministerium hat durch einen besonderen Erlaß gestattet, datz verwundete oder in der Genesung begriffene Heeresangehörige, deren Studium durch den Krieg unterbrochen würde, zur Fortsetzüng ihrer Studien in Lazarette oder Genesungsheime der Hochschulstädte übergeführt werden können. In erster Linie kommen solche Studierende in Frage, deren Wiederherstellung zur Felddienstfähigkeit nicht zu erwarten ist, sodann solche, deren Genesung nach der Art ihres Leidens ohnehin besonders lange Zeit beanspruchen. Universitätsstädte, die gleichzeitig Grenzfestungen sind, (z. B. Königsberg und Stratzbürg) scheiden dabei aus. Das Frauenstudium im Kriegssemefter. In der vorigen Rümmer der K.C.-Blätter (6 Kriegsausgabe S. 488) konnten wir interessante stittistische Mitteilungen über den Besuch der deutschen Hochschulen im Kriegssemester und über die Kriegsbeteiligüng der deutschen Studenten veröffentlichen. Nunmehr geben wir nachstehend eine heute besonders bemerkenswerte Zusammenstellung über das Frauenstudium im Kriegssemester. Der Zugang der Frauen zu den Universitätsstudien, der in Deutschland, wie bekannt, schnelle Fortschritte gemacht hat, war auch im zweiten Kricgssemester anhaltend. Vor sieben Jahren, als den Frauen sämtliche Universitäten des Reiches geöffnet würden, waren erst 1108 Studentinnen vorhanden, zwei Jahre später war ihre Zahl bereits üuf 2418 gestiegen, und in diesem Sommer zählt die studierende Frauenwelt Deutschlands 4575 gegen 41.30 im Vorjahr. Dazu, kommen noch 680 Frauen, die als Hörerinnen zugelassen sind und einem eigentlichen Studium nicht obliegen, so datz derzeit im ganzen 5255 Frauen am deutschen Universitätsunterricht teilnehmen. Der verhältnismäßige Anteil der immatrikulierten Studentinnen am Universitätsstudium stieg in den letzten drei Jahren von 4,9 auf 8>5 v H., wogegen in Frankreich bei einer Studentinnenziffer von etwa 4200 die Frauen bereits 1V Prozent der gesamten Studentenschaft erreichen. Bon den heutigen Studentinnen ist die große Mehi^ahl,nämlich etwa 4400, reichsangehörig, der Rest kommt vom Ausland und zwar, nachdem den Russinnen unsere Universitäten verschlossen sind, aus Amerika, der Schweiz und den Balkänländern. Dem Religionsbekenntnis nach sind die Protestanten und Juden weit stärker beteiligt als die Katholiken, auf die nur etwa 22 v. H. entfallen. Der statistische Ueberblick über das Frauenstudium an den Technischen Hochschulen weist allerdings noch nicht die hohen Ziffern auf, die das Frauenstudium an den Universitäten des deutschen Reiches selbst in diesem Kriegsjahr zu verzeichnen hat. Trotzdem ist auch hier ein Steigen der Ziffer zu beobachten gewesen. In diesem Sommer sind an den Technischen Hochschulen des Reiches 106 Frauen als Studierende ausgenommen worden gegen 82 im letzten Friedenssemester und 68 vor zwei Jahren. Wissenschaft und Beamtentum. Um das Interesse der Wissenschaft an den Fragen des Beamtenmms zu