KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 471 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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471 Ein Mann, ein Wort — das Examen war bestanden, und Erich Krotoschiner konnte nun mit der roten Mütze auf dem Kopf und dem Säbel in der Hand, seine Ideale verfechten. Mit eisernem Willen überwand er die Schwierigkeiten, die das Sicheinfügen in eine festumschlofsene Gesamtheit jedem jungen Korporationsstudenten bereitet. Bald konnten wir ihn zu den Burschen rechnen, auf die sich die Verbindung stets und sicher verlassen durfte. Das Studentenleben sog er mit allen Fasern seiner jugendlichen, begeisterten Seele in sich auf und pflegte den guten Geist der Verbindung durch willige Disziplin und treue Kameradschaftlichkeit. Von ruhiger Natur war er einer von denen, die nur ungern öffentlich das Wort ergriffen. Doch ganz anders, wenn es galt, im Einzelgespräch unsere Tendenz auseinanderzusetzen oder gar der abweichenden Anschauung eines Dritten entgegenzutreten. Im Geiste sehe ich den Kleinen vor mir, wie er dann mit glühenden Wangen und blitzenden Augen dastand und seine Stimme vor Erregung kaum meistern konnte. Wahrhaft vorbildlich war sein Eifer auf dem Fechtboden. Dünkte in späteren Semestern einem der krassen Füchslein die Kunst des Schlägers allzu schwer und wollte es verzagen, dann wies Fechtmeister Krinen berechtigt auf Krotoschiner hin, der es durch seine sprichwörtliche Ausdauer dazu gebracht hatte, einer der strammsten auf diesem Gebiete zu sein. Neben dem regen Interesse für die Verbindung versäumte er doch keineswegs sein Studium. Schon auf der Schulbank, die er als primus omnium verließ, war ihm das Lernen leicht geworden. Nun auf der alma mater erwarb er sich in der Juristerei bald solche Kenntniffe, daß oft und gern die jüngeren und auch manch älteres Semester ihn um seinen Rat bat. Vor dem Eintritt ins Heer bestand er noch sein Referendarexamen. Was das Wesen Krotoschiners aber wohl am deutlichsten kennzeichnete, das war seine, ich möchte sagen, geradezu rührende Bescheidenheit. Der junge Mensch mit den glänzenden Anlagen und Fähigkeiten zeigte eine Anspruchslosigkeit in allen Dingen, wie man sie wirklich selten findet. Nirgends gab es auch nur das leiseste Sichvordrängen oder Hervortun. Und dieser Zug, diese fast schüchterne Zurückhaltung machte uns Bubi ja so lieb, machte ihn eben uns allen zu unserem Bubi. So leb' denn wohl, mein wackerer Junge! Dein Bild wird nie in unserm Herzen verblassen. Durch Dein Leben und Dein Sterben hast Du uns höchste Ehre gemacht — ein Held getreu den Worten: „Furchtlos und treu." l)r. Martin Sternberg (Spreviae). Siegfried Rosenthal. lBavariae.) Vor mir liegt ein Brief unseres A. H. Mainzer: „Unser braver Bundesbruder stuci. med. Siegfried Rosenthal ist am 20. 9. im Festungslazarett in B. . . an Scharlach, den er sich im Dienst zugezogen hatte, gestorben und aus dem dortigen Friedhof mit militärischen Ehren beigesetzt worden. Er war das einzige Kind seiner Eltern und hing mit großer Liebe an seiner Verbindung." Ich kann es noch nicht glauben, daß er jetzt unter dem kühlen Rasen ruht, und allen, die mit ihm zusammen in Heidelberg aktiv waren, mag es gleich mir ergehen. Auch ihnen wird noch das stets lustige Gesicht vor Augen stehen und das etwas überlaute Lachen in den Oyren liegen, womit er stets die ganze Corona übertönte und sie mit seiner Heiterkeit ansteckte. Da ist eine Karte, die er noch vor 8 Tagen schrieb. Mit seinem Konfuchsen Paul Wolff, den er durch Zufall im Feindesland traf, verlebt er in B... beim Weine feucht-fröhliche Stunden. Er schreibt von Heidelberg, von Menzers Weinstube in Neckargemünd und vom frohen Wiederseyen. Aus diesen Zeilen atmet noch ganz seine sorglose, lebensfrohe Art, seine ttberströmende Liebe zu Heidelberg und seine treue Anhänglichkeit an die Verbindung. Er ist immer noch der alte geblleben. Im Dienste des Vaterlandes holte er sich nun schon so bald den Keim des Todes und eine heimtückische Krankheit setzte jäh seinem sonnenhellen Leben ein Ziel. Ich weiß es, daß er mit eisernem Pflichtbewußtem seinen Dienst bis zum letzten Augenblick versah. Dieses ausgeprägte Pflichtgefühl war ein hervorstechender Zug in seinem Charakter und setzte jeden, der seine leichte, lebenslustige Art kannte, zunächst in Erstaunen. Er kostete alle Freuden des Studentenlebens in vollen Zügen, erfüllte pünktlich alle seine Verpflichtungen gegen die Korporation und war trotzdem schon von Beginn des ersten Semesters ab stets im Colleg zu finden. Zuletzt sah ich ihn kurz vor seinem Ausrücken nach Rußland. Er war nach Heidelberg gekommen und hatte auch mich dorthin bestellt, damit wir noch einmal in dem lieben, alten Nest recht fröhlich zusammen sein könnten. Wir waren es auch, so weit es das drückende Gespenst der Kriegsereigniffe gestattete, und als er leuchtenden Blickes davonsuhr, da dachte keiner daran, daß es ein Abschied für immer war. Wir haben in ihm einen lieben Bundesbruder verloren, und der K. C. ein treues Mitglied. Ihn wird keiner, der ihn kannte, je vergessen können. Ehre seinem Andenken und Friede seiner Asche! ' , Albert Srmons. (Bavariae.)