KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 7 (September 1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 470 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2268830-2268895-2268896--1526-3523141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
470 Völkerringen. Wenige Tage nach Ausbruch öes Krieges bestand er die Referendarprüfung, und sofort trat er, obwohl seine Gesundheit niemals allzu fest war, als Kriegsfreiwilliger bei dem Bonner Husaren-Regiment ein. Monatelang blieb er dann noch in unserer schönen Universitätsstadt und widmete sich, soweit es sein Dienst ihm erlaubte, auch seiner Verbindung und seinen Bundesbrüdern, von denen die jüngsten, erst während des Krieges eingetretenen, mir oft mit großer Verehrung vom „Alten Herrn August" erzählten. Erst vor wenigen Monaten rückte er aus. Auch im Feindesland konnte August noch häufig mit seinen Verbandsbrüdern zusammen seinbei den K. C.-Zusammenkünften war er der Fröhlichsten einer. Als Offiziersaspirant wurde er dann zur Infanterie abkommandiert. Mehrere Wochen lag er in vorderster Feldwachedann, als er glaubte, sich von den großen Anstrengungen des Frontdienstes in der Reserve etwas erholen zu können, traf ihn am 27. August eine verirrte Schrappnellkugel. Tagelang schwebte er zwischen Leben und Tod. Mitunter schien es, als ob der grausame Schnitter, der auf blutgetränkten Feldern unermeßliche Ernte gehalten,' ihn uns laßen würde. Doch unser Hoffen war vergebens. Am Morgen des 31. August setzte der Tod dem jungen Leben unseres Bundesbruders Eugen August ein frühes Ziel. In seinen letzten Tagen hat unser Bundesbruder Alfred Alsberg häufig an seinem Schmerzenslager geweilt. Zwei K. Cer konnten ihm fern von der Heimaterde das letzte Geleite geben; an seiner Bahre widmete Feldrabbiner Dr. Baeck — für den Fall seiner Verhinderung hatte sich bereits der evangel. Divisionspfarrer zur Verfügung gestellt — unserem jungen Freunde herzergreifende Worte des Abschieds. „In Eurem Sterben soll noch Euer Geist und Eure Tugend glühen, gleich einem Abendrot um die Erde!" so lehrt der große Philosoph, der das Wollen über alles setzt. Heute ist die Stunde, da diese Forderung tausendfach erfüllt wird. Ein großes Sterben geht über die Erde. Jünglinge und Männer, zahllos, welken dahin. Aber in ihrem Tode noch lebt der Geist, der sie alle beseelt, die da hinausgezogen sind zum Kampf für ihr Vaterland, und dieser Geist wird durch die Jahrhunderte fortleben und noch Geschlechter mit seinem Feuer durchglühn. Vergessen wird keiner von Euch, die Ihr für uns gefallen seid! Und doch vermag dieser große Gedanke nur wenig Trost zu spenden denen, aus deren Kreise sie alle gerissen wurden. Am Grabe unseres Freundes klagt in namenlosem Schmerz ein Elternpaar, dem das einzige Kind, die Sonne seines Lebens, genommen wurde. In rührend kindlicher Liebe sprach er oft von seinen Eltern und suchte, als er längere Zeit erkrankt war, ängstlich jede Aufregung von ihnen sernzuhalten. Den größten Schmerz konnte er ihnen nicht ersparen. Und auch wir, seine Freunde, stehen tiefergriffen, leidersüllt an seiner Bahre. Nicht fassen können wir es, daß sein lachender Mund für immer verstummt ist, seine klaren Augen aus ewig geschlossen sind, daß soviel Jugend, ohne je sich entfalten zu können, ins Grab sinken mußte. Aber über alle Klage und über alle Trauer empor ringt sich das Gelöbnis, daß wir nie Dich, der Du kämpfend für Dein Vaterland, für uns gefallen bist, vergeffen werden, daß das Gedenken an Dich und Dein Heldentum für immer in unfern Reihen fortleben wird. Di*. Kurt Alexander. (Badeniae-Bavariae,Rheno-Silesiae.) Erich Urotoschiner. (Spreviae.) Bor mir steht sein Bild. Und wie ich diese lieben, feinen Züge änschaue, sein freundliches Auge zu mir hinblickt, da will ich es nimmer fassen: nie kehrt unser „Bubi" zu uns zurück, wir. werden uns seiner nicht mehr freuen können. Mir altem Philister würgt es in der Kehle. Mit Wehmut erinnere ich mich jenes Abends, den er auf Urlaub im Kreise mehrerer Bundesbrüder verbrachte. Seine übersprudelnde Laune und Fröhlichkeit riß uns andere mit. Wer dachte ans frühe Sterben? Oder war es doch eine gewisse Vorahnung, als er kurz vor seinem Ausrücken in das Kommersbuch eines Fuchsen „in Gedenken an die gefallenen teuren Bundesbrüder" die Worte schrieb: „Ich hatt' einen Kameraden, einen bessern findst du nit!"? Nun gehört auch er zu den Helden, die ihr Leben hingegeben für Deutschlands Ehr' und Größe. Im fernen Polenlande, vereint mit sechs seiner Waffengefährten, schläft er den ewigen Schlaf. Mit Erich Krotoschiner verliert der K. C., verliert dieSprevia einen tüchtigen, wackeren Menschen, mit studentischen Worten ausgedrückt einen „bierehrlichen Kerl." Nur klein war die Zahl der Semester, die es ihm vergönnt gewesen, in unseren Reihen zu weilen, doch groß waren die Liebe und Kameradschafllichkeit, die er sich erworben hat. Ich denke noch heute der Zeit, wo er, ein junger Pennäler, durch seinen Bruder mit mir bekannt geworden, zum ersten Male vom K. C., von der Sprevia hörte. Mit Begeisterung vernahm er von unseren Zielen, von unseren Erfolgen, und an demselben Abend versprach er mir in die Hand, unserer Fahne zu folgen. Seitdem hat er schon aus der Schule für unsere Sache gewirkt und unter seinen Mitschülern eifrige Propaganda getrieben.