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KC-Blätter · 1915-09-01 · Heft 7 (September 1915) · p. Seite 469

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 7 (September 1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 469 (sequence 7)
Language
German
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469 über Land streifte, dann war er glücklich wie selten ein Mensch. Und anderseits, mit wächem Verständnis nahm er die Darbietungen der Kunst, die er hier in Berlin auf dem Gebiet des Theaters und der Musik in reichem Maße genießen konnte, in sich auf, wie vertraut war er mit allen Erscheinungen auf dem Gebiete der Literatur. Dieses herrliche Menschenleben ist nun mit einem Schlage vernichtet. Anfang Juli zog er hinaus ins Feld, nachdem er mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit die militärische Ausbildung durchgemacht und auch in diesem Wirkungskreis sich die Anerkennung seiner Vorgesetzten verdient hatte. Mehrere Gefechte bestand er glücklich, bis ihn am 14. August sein Geschick ereilte. Wir, seine Freunde, haben unermeßlich viel an ihm verloren, geblieben ist uns nur die wunderschöne Erinnerung an diesen prächtigen Menschen. Dr. Siegfried Fraenkel (Thuringiae). Eugen August. (Rheno-Silesiae.) In seinem dritten Semester — im Winter 1912/13 — wurde Eugen August bei uns in Bonn aktiv. Noch sehe ich ihn vor mir, wie er, nachdem ich ihn als jüngsten Bundesbruder begrüßt und auf die Pflichten des K. C.ers hingewiesen hatte, entgegen aller Sitte, mit ein paar humoristischen Worten antwortete, die aber das Gelöbnis der treuen Arbeit für den Verband enthielten. So war er immer: übersprudelnd lustig, aber sein Humor war nicht gehaltlos, sondern hinter jedem Scherzwort verbarg sich ein ernster Sinn. Kaum einem, der nach einigen Semestern völliger Ungebundenheit in eine studenttsche Korporation eingetreten ist, ist es leicht gefallen, sich an die. mitunter beengenden Formen des Verbindungslebens zu gewöhnen. Auch mein lieber Leibsuchs, der die beiden ersten Semester in Genf und München verbracht hatte, hat manchen Kampf auszufechten gehabt, bis er sich abgefunden hatte mit dem, was die Verbindung von ihm verlangen mußte. Ihm hat es vielleicht noch größere Opfer gekostet als vielen andern. Er war unbedingter Idealist, und die Korporatton bedeutete für ihn ein Ideal. Wie jeder Idealist konnte er aber nur schwer verstehen, daß das Ideal selbst nie Wirklichkeit sein, sondern immer nur erstrebt werden kann. Und es war für ihn jedesmal eine herbe Enttäuschung, wenn erfühlte, daß der Weg zum Idealen wie alle Wirklichkeit reich an Unvollkommenheit sein mußte. Doch niemals ließ er sich von einer solchen Enttäuschung übermannen. Hatte er die Krise überwunden, so gab er sich mit Feuereifer an die Lösung der Ausgabe, die er sich gestellt. Dieselbe Erscheinung beobachteten wir in seiner Stellung zur Verbindung wie in der Auffassung seines Berufes. Auch hier galt es für ihn, zunächst Herr zu werden der Enttäuschungen, die jedem jungen Juristen begegnen. Dann aber verwandte er den größten Fleiß auf sein Studium. Nichts konnte ihn in einer Arbeit stören, die er für seine Ausbildung als notwendig beftmden hatte. Wir alle hatten ihn vom ersten Tage seiner Aktivität an gerne. Ich glaube, daß keiner in den drei Semestern, die wir gemeinsam in Bonn verbrachten, unter uns war, der nicht mit August die besten Beziehungen gepflogen hätte. Es kam wohl schon einmal vor, daß er, der leicht erregt war, einem anderen ein unfreundliches Wort sagte. Doch der Zwist dauerte nicht lange. Entweder kam er und bat, meistens mit einem Scherz, man möchte ihm doch wieder gut sein) oder der andere bot ihm die Hand zur Versöhnung, er konnte unserem Freunde nicht gram sein. Wie manche Kneipe hatte er uns durch einen lustigen Bortrag verschönt. Wie lachten wir alle, wenn er mit seiner unvergleichlichen Jmitationskunst in seinem süddeutschen Dialekt irgendeine Persönlichkeit nachahmte! Damals ahnten wir nicht, daß gar so bald sein Lachen dem ewigen furchtbaren Schweigen des Todes Platz machen sollte! Uns allen war bekannt, daß August mit glänzenden Geislesgaben ausgestattet war. Mir, als seinem Leibburschen, pflegte er mitunter Einblick zu gewähren in seine kleinen Arbeiten, die er in seiner rührenden Bescheidenheit sonst keinem Menschen vorlegen wollte. Und da habe ich gestaunt ob der Kraft des geistigen Erfassens und der lebendigen Wiedergabe, die sich mir da offenbarte. Wenn auch in seinem himmelstürmenden Idealismus mancher Gedanke allzu Ahn, manches Wort allzu frei war, so zweifelte ich keinen Augenblick, daß mein Freund berufen war, dereinst Hervorragendes zu leisten. Klagen dürfen wir, daß soviele Hoffnungen in ihrer Blüte vernichtet wurden, klagen dürfen wir, daß er uns genommen wurde, denn viel, viel hätte er uns und allen noch geben können! Brauche ich noch zu sagen, daß unser toter Bundesbruder auch ein in jeder Art edler und lieber Mensch war? Wer so viel Freunde hat wie er, der mußte gut sein. Auf ihn konnte man sich in jeder Lebenslage verlassen, denn auch er tat alles, um seinen Freunden, wenn sie seiner bedurften, jegliche Hilfe angedeihen zu lassen. Mitten in der Zeit, die' der Vorbereitung für sein Examen gewidmet war, entbrannte das große

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